Künstlerin ritzt Spuren der Erinnerung in Wachs

Landesverband Lippe eröffnet Ausstellungssaison in der Malerstadt

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Badende Damen, in Wachs geritzt: Wolfram Arlt vom Landesverband beim Hängen eines Bildes der Berliner Künstlerin Heike Jeschonnek. Ihre Arbeiten sind ab Sonntag im Robert-Koepke-Haus zu sehen. Foto: Preuss
Badende Damen, in Wachs geritzt: Wolfram Arlt vom Landesverband beim Hängen eines Bildes der Berliner Künstlerin Heike Jeschonnek. Ihre Arbeiten sind ab Sonntag im Robert-Koepke-Haus zu sehen. Foto: Preuss

Von Barbara Luetgebrune

Albert Hennig in der Städtischen Galerie, Heike Jeschonnek im Koepke-Haus - mit einer Doppel-Vernissage beginnt Sonntag die Ausstellungssaison in Schwalenberg. Gemeinsamer Nenner: der poetische Ansatz.

Schieder-Schwalenberg. "Wir versuchen ja immer, auch die klassische Moderne zu zeigen. Da passt Albert Hennig natürlich prima rein", sagt Dr. Mayarí Granados, Kunstreferentin beim Landesverband Lippe, der gemeinsam mit der Stadt Schieder-Schwalenberg zu den Ausstellungen einlädt. Albert Hennig (1907-1998) gilt als einer der letzten Künstler, dessen Werk noch direkt in der Bauhaus-Idee verwurzelt ist. Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus allen Jahrzehnten seines Schaffens - Zeichnungen und Aquarelle, viele Landschaften, ein paar Porträts. "Man sieht schon deutlich, dass er aus dem Bauhaus kommt", sagt Mayarí Granados und verweist auf die strenge Formensprache der Bilder. Allerdings hat Hennig diese mit einer äußerst poetischen Farbgebung kombiniert. "Das macht auch den besonderen Charme seiner Arbeiten aus", sagt die Kunstreferentin.

Dieser poetische Aspekt, das "leise" Herangehen an die Motive bildet eine innere Verbindung zu den Werken von Heike Jeschonnek, die im Robert-Koepke-Haus zu sehen sind. Die Berliner Künstlerin, geboren 1964, arbeitet "vielschichtig". Sie schichtet Wachs auf ihren Arbeiten und kratzt Figuren, Architekturen oder Landschaften hinein. Die Furchen füllt sie mit Farben, so dass sich die Linien zum Bild fügen. Eine Technik, für die die Künstlerin kein direktes Vorbild hat, erzählt Mayarí Granados - "aber auf jeden Fall sieht sie ihre Arbeiten eher als Zeichnungen denn als Malerei".

Der Effekt ist verblüffend. Durch die Wachsschichten wirken die Arbeiten dreidimensional, entwickeln eine fast haptische Qualität. Wie durch einen Nebelschleier blickt der Betrachter auf die Bildmotive, die dadurch zu etwas Vergänglichem, Brüchigen werden, sich den Anschein kostbarer Erinnerungen geben. Vieles bleibt in der Unschärfe. Die Symbiose aus Material und Inhalt sei ein zentrales Element in Heike Jeschonneks Schaffen, sagt Mayarí Granados, die die Künstlerin in ihrem Berliner Atelier besucht hat. "Sie begibt sich auf eine Spurensuche der Erinnerung." In ihren frühen Arbeiten hat sie sich Bauwerken und Stadtlandschaften gewidmet, in ihre jüngsten Werken finden, inspiriert durch Reiseeindrücke, auch Figuren und narrative Elemente Eingang.

Heike Jeschonneks Bilder waren über ihren Berliner Galeristen durchaus auf Messen zu sehen, viele Ausstellungen hat sie aber noch nicht gemacht. Erst in diesem Jahr stehen gleich mehrere an - Schwalenberg ist die erste Station.

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