"Weiche Mutationen" im Eichenmüller-Haus

Nicole Ellerbrake

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Stipendiatin Paula Löffler im Haus Eichenmüller. Ihre Ausstellung „soft mutations" zeigt sie dort noch bis zum 25. April. Zum Abschluss soll es ein digitales Gespräch mit der Künstlerin geben. - © Nicole Ellerbrake
Stipendiatin Paula Löffler im Haus Eichenmüller. Ihre Ausstellung „soft mutations" zeigt sie dort noch bis zum 25. April. Zum Abschluss soll es ein digitales Gespräch mit der Künstlerin geben. (© Nicole Ellerbrake)

Lemgo-Brake. Knapp ein Jahr ist es her, dass sich Paula Löffler gegen insgesamt 64 Mitbewerber durchgesetzt und das begehrte Stipendium für Junge Kunst der Alten Hansestadt Lemgo und der Staff Stiftung Lemgo ergattert hat. Im Hinterhaus des Frenkelhauses hat sie sich in einem Apartment mit angrenzender Galerie künstlerisch frei entfalten können und stellt nun im Erdgeschoss des Hauses Eichenmüller das Ergebnis ihrer Arbeit aus. Bis zum 25. April kann die Ausstellung „soft mutation" besucht werden.

Aktuelle Voraussetzungen für den Besuch sind auf der Internetseite des Eichenmüllerhauses aufgeführt.Wer sich der Reihe nach durch die fünf Räume der Ausstellung begibt, folgt nicht nur der Entwicklung des von Paula Löffler erschaffenen Charakters, sondern erfährt zugleich eine Welt voller Gegensätze und Potenziale eines postapokalyptischen Körpers, bei dem analoge und digitale Zustände ineinander übergehen.

Analog und Digital fließt ineinander

„Ausgehend von meiner Begeisterung für Filmszenen habe ich hier ganz eigene Räume gebaut", sagt sie. Dabei kämen immer wieder Repräsentationen von weiblichen Körpern zum Vorschein kommen, die sich in pflanzlichen und tierischen Attributen zeigen. Die körperliche Erfahrungswelt werde dabei als vorsprachliches Medium verstanden, welches den Unterschied zwischen Realität und Fiktion gerne mal verwischt. „Ich hatte die Idee, einen Körper auseinanderzubauen und wieder zusammenzusetzen. Das wird besonders im ersten Raum ganz gut deutlich, denn hier sieht es aus, als wäre der Charakter so durchgefegt und hätte seine Eierschale, aus der er geschlüpft ist, zurückgelassen."

Paula Löffler hat ein Kabinett der Aufklärung entworfen, das sich aus Keramik-Arbeiten, Videos, Fotografien und Zeichnungen zusammensetzt. Schon ihre Ausstellung im letzten Auswahlverfahren für das Stipendium zeigte glänzende Keramik-Arbeiten, eine Haiflosse, die mitten im Raum abzutauchen schien. Eine solche Flosse teilt sich nun mit einem in die Länge gezogenen Schildkrötenpanzer, Haizähnen und sich selbst überlassenen Aloe Vera-Blättern den Platz in dem Server-Schrank, der von der Künstlerin als Regal umfunktioniert wurde.

Kabinett der Aufklärung

„Dieser Raum ist als Jump Cut in die Zukunft zu sehen", erklärt sie. „Ich habe mit den Keramiken Satzzeichen in Tiere übersetzt. Die glänzenden Oberflächen erzeugen Spiegelungen, aufgrund derer der Betrachter auf sich selbst zurückgeworfen wird." Die trocknenden Aloe Vera-Blätter sollen den Kontrast zur Technik darstellen. Ein großes Thema der Arbeit ist eine kleine Insel bei Fuerteventura, die Löffler bereits seit mehr als 20 Jahren bereist. „Dort gibt es einen seit vielen Jahren verlassenen Wasserpark, an dem der Zahn der Zeit nagt und der mich sehr inspiriert hat." In vielen Räumen lassen sich Verbindungen zu der Insel und dem Park finden, vor allem aber im zweiten Raum. Hier ist ein Video der Künstlerin zu sehen, für dessen Dreh sie im Januar extra auf die Insel gereist ist.

In wenigen Tagen geht die Reise für Paula Löffler weiter. Nach Berlin soll es gehen, verrät sie. Genaue Pläne habe sie aber noch nicht gemacht, denn sie nehme sich gerne viel Zeit für ihre Kunst und möchte nichts überstürzen. Bewerbungen für weitere Stipendien und Ausstellungen werde sie aber sicherlich verschicken.

In Lemgo hat sie während ihres Aufenthalts besonders die Nähe zur Natur geschätzt. Die alten Gebäude der Innenstadt haben sie außerdem immer wieder zum Nachdenken über die besondere Architektur angeregt. „Ich hatte hier die totale Konzentration und das war sehr schön".

Am 25. April wird es ein digitales abschließendes Künstlergespräch geben, an dem auch Miriam Bettin vom Kölnischen Kunstverein teilnimmt. Ab 15 Uhr gibt es eine virtuelle Führung durch die Ausstellung und die Künstlerin steht für Fragen zur Verfügung. Der Link ist auf der Internetseite des Eichenmüllerhauses zu finden.

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