Regieassistentin am Detmolder Landestheater: Alles außer Schminken

Barbara Luetgebrune

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Guta G. N. Rau beim Inszenieren des Stückes „Pauline" im vergangenen Sommer im Theaterhof. - © Landestheater Detmold / Marc Lontzek
Guta G. N. Rau beim Inszenieren des Stückes „Pauline" im vergangenen Sommer im Theaterhof. (© Landestheater Detmold / Marc Lontzek)

Detmold. „Mein Job ist schon schön", sagt Guta G.N. Rau. „Da lasse ich mir erst was vorsingen, schreibe dann ein bisschen was mit, male Kulissen fertig, bringe Sachen irgendwo vorbei und bastele Proben-Requisiten aus Pappkarton." Im Vertrag heißt der „schöne Job" ganz offiziell „Regieassistentin mit Verpflichtung zur Inspizienz". In der neunten Spielzeit ist Guta Rau in dieser Funktion am Landestheater engagiert. Zum Ende der aktuellen Saison verlässt sie Detmold und wechselt nach St. Gallen.

„Eigentlich habe ich hier am Haus alles schon mal gemacht. Organisiert, verkabelt, Bühnenbilder gebaut, Regie geführt, selbst gespielt", erzählt Guta Rau. Überlegt kurz und korrigiert sich: „Alles außer Leute schminken, weil ich das einfach nicht kann." Diese vielfältigen Einsatzgebiete sind für sie nicht nur selbstverständlich, vielmehr ist genau die Vielfalt das, was sie an ihrer Tätigkeit reizt. Und ein Schuss Unerwartetes darf gern noch dazukommen. „Ich weiß morgens nicht, was passiert. Umbesetzungen, Einspringer, hier am Landestheater natürlich viele Abstecher mit immer neuen Bühnen, auf die man sich einstellen muss: Ich mag das tatsächlich. Das sind die Momente, die ich gut finde." Guta Rau lacht. „Ich bin ein Adrenalin-Junkie."

Guta G.N. Rau ist in ihren neun Spielzeiten am Detmolder Landestheater in viele unterschiedliche Rollen geschlüpft - hier ist sie als Evelyn Hamann zu sehen. - © Privat
Guta G.N. Rau ist in ihren neun Spielzeiten am Detmolder Landestheater in viele unterschiedliche Rollen geschlüpft - hier ist sie als Evelyn Hamann zu sehen. (© Privat)

Sieht sie sich als Problemlöserin? „Eher als Problemvermeiderin. Man entwickelt einen Blick dafür, wo Katastrophen lauern könnten." Und der Grundstein dazu, meint sie, der dürfte bereits in ihrer Kindheit und Jugend gelegt worden sein. Guta G.N. Rau ist in Bayern aufgewachsen, „in einer Großfamilie mit vier Geschwistern, Großeltern, Hunden, Katzen. Da ist Chaos oft an der Tagesordnung." Ein gutes Trainingslager für all die Fähigkeiten, die eine Regieassistentin ihrer Meinung nach braucht: „Man darf nicht schüchtern sein, nicht arbeitsscheu und muss die Nerven behalten."

Familiäre Prägung

Und noch in anderer Hinsicht war das Aufwachsen in ihrer Familie entscheidend. Dort lernte sie, Musik und Theater zu lieben. „Meine Großmutter war Sängerin und hat mir schon früh Singen und Klavierspielen beigebracht. Zusammen sind wir in die Oper gefahren, mit dem Bus über Land nach München und zurück", erinnert sich Guta Rau. „Und besonders schön fand ich es immer, wenn Besuch aus der Theaterszene da war und sich alle zusammen etwa durch die ,Zauberflöte’ gesungen haben. Da gab es die Noten, und jeder wusste genau, was er zu tun hatte. Das hat mich sehr fasziniert, wenn einem eine Geschichte so vorgesungen wurde."

Ihre Leidenschaft und Begeisterung fürs Theater brachte Guta Rau während ihres Studiums der deutschen und englischen Literaturwissenschaft an den Universitäten München und Passau in Kontakt mit studentischen Theatergruppen, etwa der English Drama Group Passau. Schon dort auf Hobby-Ebene wirkte sie vor und hinter den Kulissen an den Inszenierungen mit. Eine Hospitanz am Theater Passau schloss sich an, wo sie bereits in ihrer ersten Produktion von der Praktikantin zur Regieassistentin aufstieg. Es folgten diverse Stückverträge, schließlich das erste feste Engagement am Theater Hagen. „Das war ein Super-Gefühl, den ersten Vertrag zu bekommen – trotz des wahnsinnig wenigen Geldes, das man als Anfänger in diesem Beruf kriegt." Im Vergleich zu anderen Branchen. Und gemessen am Arbeitsanfall. „Neben den Regisseuren sind die Assistenten bei jeder Probe dabei. Das ist eine unfassbar hohe Stundenzahl pro Woche plus Einsatz am Wochenende, die dabei herauskommt", sagt die Regieassistentin. Eine faire Entlohnung in der Theaterszene, Gagen-Gerechtigkeit, das sind Themen, für die Guta Rau sich gewerkschaftlich engagiert. Gerade weil es ist, wie es ist: „Wir am Theater sind ja alle ein bisschen bescheuert. Wir wollen ja arbeiten, weil wir wollen, dass was passiert auf der Bühne."

"Man nervt sich, man mag sich"

Dass etwas passiert auf der Bühne, dafür sorgt Guta G.N. Rau seit ihrer Zeit am Theater Hagen auch mit eigenen Regiearbeiten. Zu ihren Inszenierungen am Detmolder Landestheater zählen etwa „Hänsel und Gretel", „Der Vetter aus Dingsda", „Ritter Odilo und der strenge Herr Winter" sowie „Pauline", das Hoftheater-Stück aus dem vergangenen Sommer. Eine Produktion, die einen besonderen Platz in ihrem Herzen hat, ist „Zara 47" im Grabbe-Haus. „Das war ein ganz kleines Team, Silke Dubilier, Andreas Jören, Tessa-Veronika Janus und ich. Wir haben jeden Tag zu viert gearbeitet, das war ganz intensiv."

Produktionsfamilien, Theaterfamilien, für Guta Rau sind sie in gewisser Weise eine Fortsetzung und Erweiterung des Familienlebens aus ihrer Kindheit. „Auch wenn man sich mal furchtbar auf die Nerven geht, mag man sich trotzdem", sagt sie. Und bekennt: „Ich bin einfach ein Ensemble-Typ."

Nach St. Gallen wechselt sie als Regieassistentin/Spielleitung – „eine halbe Stufe höher als in Detmold". Guta Rau lacht. Kürzlich war sie zur Bauprobe für ihre erste Inszenierung in der Schweiz, „das ist ja immer der erste Reality Check." Welches Stück wird sie dort als Regisseurin zuerst auf die Bühne bringen? Und wieder schließt sich der Kreis zu den familiären Hausmusik-Erfahrungen ihrer Kindheit: Mozarts „Zauberflöte" wird Guta G.N. Raus erste Regiearbeit am Theater St. Gallen.

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