Augustdorf will sich an Gewerbeflächen in den Nachbarkommunen beteiligen

Wolfgang Becker

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Augustdorf. Die Gemeinde hat ein altes Problem: Militär-Sperrgebiete und Naturschutz verhindern die Ausweisung weiterer Flächen für Betriebe. Ein interkommunales Gewerbegebiet bietet sich als Lösung an.

Grundsätzlich ist die Gemeindeverwaltung dafür, zusammen mit der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock und der Gemeinde Hövelhof Flächen für die Firmenansiedlung bereit zu stellen. Als Standorte werden nach Gesprächen mit der Bezirksregierung der „Kreuzkrug“ und „Stukenbrock-Senne“ bevorzugt. „Besonders Hövelhof pressiert es. Die haben einen besonders hohen Bedarf“, sagte Bürgermeister Dr. Andreas J. Wulf im Haupt- und Finanzausschuss.

Weitere lippische Kommunen könnten sich beteiligen

Auch Oerlinghausen möchte sich gerne an dem interkommunalen Gewerbegebiet in Schloß Holte-Stukenbrock beteiligen, weiterer möglicher Partner ist Leopoldshöhe. „Jetzt ist eine Perspektive da, dass wir da mit einsteigen. Wichtig ist, das politisch zu beschließen,“ so der Bürgermeister. Für den Bereich „Kreuzkrug“ werde die Bezirksregierung in einem halben bis dreiviertel Jahr auf Augustdorf zukommen. Sollte auch Interesse für das Gebiet „Stukenbrock-Senne“ im Bereich der Polizeischule bestehen, dann müsse auch mit Hövelhof und der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock gesprochen werden. Dr. Wulf empfahl, mit einem Ratsbeschluss Interesse an beiden Gebieten zu bekunden, was der Ausschuss einstimmig befürwortete.

Die FDP unterstütze den Vorschlag ohne Wenn und Aber, unterstrich zuvor Fraktionsvorsitzender Harald Schultze. Gewerbegebiete seien zwingend erforderlich. Was eine verfehlte Politik bewirke, sehe man in Bielefeld. Alteingesessene Unternehmen kehrten der Stadt den Rücken. Interkommunale Zusammenarbeit sei eine Riesenchance, ergänzte SPD-Chef Heinrich-Georg Schneider. Es seien aber noch Fragen offen. Beispielsweise müssten die Grundstücke für viel Geld gekauft werden. „Woher bekommen wir das denn? Wir sind doch in der Haushaltssicherung“, fragte Schneider. Dass Augustdorf relativ klein einsteige und kein gleichwertiger Partner sei, entgegnete der Bürgermeister. Entsprechend ihrer Investitionsmittel bekomme die Gemeinde Rückflüsse aus der Gewerbesteuer.

Kommentar

Gemeinde bleibt keine Wahl

Von Wolfgang Becker

Ob nun in Stukenbrock-Senne oder am „Kreuzkrug“ – beide Standorte für ein mögliches interkommunales Gewerbegebiet in Autobahnnähe sind in etwa gleich groß, gleich weit von Augustdorf entfernt und damit auch gleich attraktiv. Die Politiker wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie sich diese Riesenchance entgehen lassen würden.

Augustdorf sind in seiner gewerblichen Entwicklung Grenzen gesetzt. Große Teile des Gemeindegebietes sind militärischer Nutzung vorbehalten, weitere für den Naturschutz reserviert. Ein Bein hatte sich die Gemeinde in der Vergangenheit selbst gestellt, indem sie Grundstücke für Gewerbe ausgewiesen hatte, die ihr gar nicht gehören. Deren Besitzer warten ab, um irgendwann den höchst möglichen Profit zu erzielen. Will die Gemeinde jetzt für ihre Bewohner einen Beitrag zur Daseinsvorsorge leisten, kommt sie gar nicht umhin, im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit Platz für neue Firmen zu schaffen. Dafür muss sie zunächst Geld in die Hand nehmen, kann sich aber auf zukünftige Erlöse freuen.

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