General Rohrschneider verlässt Augustdorf und blickt im Interview zurück

Astrid Sewing

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Vor einem Leopard 1: Brigadegeneral Kai Ronald Rohrschneider hat nicht lange gezögert, als er sich den Hintergrund für das Foto ausgesucht hat. Der Kommandeur verlässt am 8. Dezember Augustdorf. Dann wird Oberst Heico Hübner in das Gebäude im Hintergrund einziehen, das den Stab der Panzerbrigade 21 „Lipperland" beherbergt. - © Astrid Sewing
Vor einem Leopard 1: Brigadegeneral Kai Ronald Rohrschneider hat nicht lange gezögert, als er sich den Hintergrund für das Foto ausgesucht hat. Der Kommandeur verlässt am 8. Dezember Augustdorf. Dann wird Oberst Heico Hübner in das Gebäude im Hintergrund einziehen, das den Stab der Panzerbrigade 21 „Lipperland" beherbergt. (© Astrid Sewing)

Augustdorf. Wie spricht man einen General an? Diese Zivilistenfrage bringt Brigadegeneral Kai Ronald Rohrschneider nicht aus dem Konzept. Die Antwort: Er hört auf „General" genauso wie auf „Herr Rohrschneider". Da, wo es wirklich drauf ankommt, im militärischen Umfeld, hat er sich längst einen Namen gemacht. Nach drei Jahren als Kommandeur verlässt er Augustdorf, übergibt an Oberst Heico Hübner und wechselt auf internationales Parkett.

Wollten Sie immer schon General werden?

Information
Persönlich

Kai Uwe Rohrschneider ist verheiratet und hat seinen Hauptwohnsitz in Leipzig. Der 52-Jährige trat 1984 in die Bundeswehr ein. 2014 wurde er zum Brigadegeneral befördert. Er wurde mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold ausgezeichnet und nach seiner Stationierung in Afghanistan auch mit der Einsatzmedaille Gefecht der International Security Assistance Force (ISAF).

Kai Rohrschneider: Nein, ich habe die Karriere nicht geplant. Es gab einen Moment, der mir als junger Soldat als sehr unangenehm in Erinnerung geblieben ist: Im März 1984 wurden wir zum Abschluss eines Offizieranwärterlehrganges verabschiedet, ich war erst neun Monate lang Soldat. Und da verabschiedet sich mein Hörsaalfeldwebel von mir und sagte vor allen: „Leute, ich schüttel’ hier einem zukünftigen General die Hand."

Wie sind Sie so weit gekommen?

Rohrschneider: Ich wollte immer Aufgaben haben, die ich als Herausforderung empfinde, und die habe ich auch bekommen.

Das Kommando über die Panzerbrigade 21 passte da sehr gut hinein?

Rohrschneider: Die Brigade war 2014 im Einsatz, im Schwerpunkt Afghanistan, aber auch im Kosovo. Meine Erwartungshaltung war: Die Brigade kommt zurück, wir machen eine Ausbildungsphase, und dann geht es wieder mit dem Einsatz los. Der zweite Auftrag Mitte 2014 bis Mitte 2015 war die tiefgreifende Umgliederung der Brigade. Das Soldatenarbeitszeitgesetz hatte großen Einfluss auf die Dienstplanung. Und von Außen gibt es eine doppelte strategische Bedrohung Deutschlands im Bündnis, durch den islamistischen Terror und Russlands schwer einschätzbares Verhalten im Osten. Wir haben die Ausbildung dahingehend angepasst, aber ohne die Aufgaben, die wir zum Beispiel in Afghanistan noch haben, zu vernachlässigen.

Der Unterschied zwischen den Einsätzen in Afghanistan, Kosovo und Syrien?

Rohrschneider: Seit 1979 ist Afghanistan in Konflikte reingezogen worden. Das war ein reines Produkt seiner geo-strategischen Lage. Im Kosovo haben wir die serbische Regierung vertrieben, in Afghanistan die Taliban. Daraus resultiert für mich auch eine gewisse moralische Verantwortung des Westens für Afghanistan, weil wir mit daran beteiligt waren, Afghanistan in die Schlussphase des Kalten Krieges einzubeziehen. In Syrien hingegen haben wir es mit einem Bürgerkriegsszenario zu tun, das andere Ursachen hat.

Es gibt immer mehr Krisenherde. Ist das für die Bundeswehr zu leisten?

Rohrschneider: Während man bei Afghanistan durchaus kritisch hinterfragen kann, ob das Eingreifen erfolgreich war, kann man beim Kosovo und Bosnien sagen, dass wir dort Sicherheit geschaffen haben, soweit das militärisch möglich war.

Und Syrien?

Rohrschneider: Das ist ein schwieriger Fall. Aus meiner Sicht ist das ein Konflikt, bei dem man eigentlich – aus humanitären Gesichtspunkten – eingreifen müsste. Völkerrechtlich ist dies aber nicht möglich, der Sicherheitsrat wird keine Resolution verfassen, die uns das erlauben würde.

Millionen Menschen sind auf der Flucht. Wäre ein militärischer Einsatz überhaupt möglich?

Rohrschneider: Der militärische Aufwand, den wir treiben müssten, wäre so groß, dass er unserem Interesse in Syrien nicht gerecht werden würde. Wir würden im Grunde genommen dort einen „großen" Krieg führen, mit der Anstrengung aller militärischen Ressourcen. Das ist in meinen Augen undenkbar. Es ist leicht, einen militärischen Einsatz zu fordern. Aber wer das tut, muss auch die Frage beantworten: Wie viele deutsche Soldaten ist er bereit zu opfern, damit keine Flüchtlinge mehr kommen? Und: Wie viele Menschen sind wir bereit in Syrien zu töten ?

Die Panzerbrigade 21 hat Erfahrungen in Afghanistan gesammelt. Wie ist der Stand?

Rohrschneider: Wir haben die Größe der Aufgabe vielleicht etwas unterschätzt. Trotzdem bin ich der Auffassung, dass es Afghanistan und seinen Menschen heute besser geht als noch 2001 nach dem Sturz des Talibanregimes.

Ihre nächste Aufgabe ist international?

Rohrschneider: Die Amerikaner haben vorgeschlagen, dass ein deutscher General ihr Hauptquartier in Europa führt. Als voll integrierter Vorgesetzter aller Soldaten dieses Stabes. Der deutsche General berät den Kommandeur bei seiner nationalen Arbeit in Europa. Es ist keine bloße Geste, sondern die Einsicht in die Notwendigkeit, durch verstärkte Kooperation die gemeinsame Sicherheit zu erhöhen.

Ihr Rucksack ist gepackt – welchen Eindruck nehmen Sie aus Lippe nach Wiesbaden mit?

Rohrschneider: Es ist großartig, wie die Brigade in der Region integriert ist.

Das Interview führte LZ-Redakteurin Astrid Sewing.

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