Bundeswehr verlegt rund 600 Fahrzeuge von Senne nach Nienburg

Dirk-Ulrich Brüggemann

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Rund 400 Fahrzeuge der Bundeswehr rollten am Montagmorgen über die A33 und die A2. - © Andreas Eickhoff
Rund 400 Fahrzeuge der Bundeswehr rollten am Montagmorgen über die A33 und die A2. (© Andreas Eickhoff)

Augustdorf/Minden. Es ist kurz vor sechs Uhr morgens, als auf dem Truppenübungsplatz Senne die ersten Motoren angeworfen werden. Über 600 Fahrzeuge der Panzerlehrbrigade 9 aus Munster sind in der weitläufigen Sennelandschaft aufgefahren, um sich auf dem Landweg in das niedersächsische Nienburg aufzumachen. 2.500 Soldaten sind an diesem Manöver beteiligt.

Die Route des Bundeswehr-Konvois - © Grafik: Schultheiß
Die Route des Bundeswehr-Konvois (© Grafik: Schultheiß)

Im Rahmen der Großraumübung „Heidesturm 2017" verlegen die militärischen Fahrzeuge in kleinen Marschgruppen zu je 25 Autos über die Autobahnen 33 und 2 und über die Bundesstraßen 239 und 6 in Richtung des Weserstädtchens.

600 Fahrzeuge können nicht auf dem Übungsplatz üben

In den Kolonnen befinden sich auch 30 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2, die auf der Autobahn und den Bundes- und Landstraßen 150 Kilometer nach Nienburg fahren.

„Es ist eine der größten Marschstrecken auf öffentlichen Straßen für Bundeswehrfahrzeuge", sagt Hauptmann Denny Blüggel von der Panzerlehrbrigade 9. Der Presseoffizier kann sich nicht erinnern, dass in den letzten Jahren eine Übung dieser Größenordnung durchgeführt wurde.

Drei Fahrzeuge der Bundeswehr, zwei Panzer und ein Tieflader, blieben auf der A 33 und der A 2 wegen technischer Probleme liegen, teilte die Bielefelder Polizei mit. 40 Polizisten waren im Einsatz, sagte Polizeisprecher Achim Ridder. „Das Konzept zur Absicherung der Kolonnen ist voll aufgegangen." Trotzdem hat sich eine Gruppe mit 22 Panzern auf der A 2 verfahren und die Abfahrt Herford/Bad Salzuflen verpasst. Sie mussten in Herford Ost abfahren und drehen. Auf der B 239 bei Herford gab es Staus, auch auf den Autobahnen behinderten die Konvois den Autoverkehr.

Im Rahmen der Ausbildung sei ein solcher Marsch mit Kraftfahrzeugen für die Soldaten aber unbedingt notwendig, erklärt der Offizier und ergänzt: „Und mit 600 Fahrzeugen können wir das nicht auf einem Truppenübungsplatz üben."
Der in der Farbe Flecktarn und in Olivgrün gehaltene Konvoi hat bei Petershagen auf einer von Pionieren gebauten Brücke aus Amphibienfahrzeugen die Weser überquert. 50 Pioniere der Bundeswehr waren dort gemeinsam mit in Minden stationierten Briten im Einsatz.

Die Panzerlehrbrigade 9 wird 2019 die Speerspitze der NATO sein. Offiziell heißt diese Einheit „Very High Readiness Task Force" (Einsatzgruppe mit sehr hoher Einsatzbereitschaft). Dieser schnell verlegbare Eingreifverband hat Brigadestärke. Kommandeur der Panzerlehrbrigade 9 ist Oberst Ullrich Spannuth, der das Kommando im April von seinem Vorgänger Brigadegeneral Gunter Schneider übernommen hat.

Die NATO hat im Februar an ihre Ostflanke in Litauen ein Panzerbataillon der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim (Baden-Württemberg) geschickt. Soldaten der Panzerbrigade 21 „Lipperland" aus Augustdorf waren in Rahmen dieses Einsatzes in Polen stationiert.
Für die Fahrer und Beifahrer auf den Bundeswehrfahrzeugen stellt eine Fahrt im Konvoi eine besondere Herausforderung dar.

Information

Farblehre in der Kolonne

In einer Kolonne sind alle Fahrzeuge mit einer blauen Fahne gekennzeichnet.
Lediglich das Letzte trägt eine grüne Fahne.
Defekte Fahrzeuge sind mit gelb gekennzeichnet.
Eine rote Flagge signalisiert eine erhöhte Gefahr, etwa beim Abschleppen oder wenn eine besonders hohe Menge Kraftstoff mitgeführt wird.

Sie müssen den fließenden zivilen Verkehr beobachten, gleichzeitig an Abstand zum vorderen Fahrzeug genauestens einhalten und die befohlene Marschgeschwindigkeit von etwa 30 Kilometern pro Stunde berücksichtigen. „Das alles müssen wir im echten Gelände üben", sagt Denny Blüggel.

Die Straßenverkehrsordnung legt übrigens nicht fest, wie lang eine Kolonne sein darf. Im Gesetz steht lediglich, dass „in angemessenen Abständen Zwischenräume für den übrigen Verkehr zu lassen sind", sagt Claus Christoph Eicher vom ADAC.

Der Verkehrsexperte des Automobilclubs weist drauf hin, dass ein Konvoi nur in „einem Rutsch überholt werden darf". Er dürfe nicht durch Einscheren getrennt werden. Dieses Überholen geht in der Regel nur auf Autobahnen und auf mehrspurigen Schnellstraßen.

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