Vorführungen demonstrieren eindrucksvoll die Arbeit der "Truppe"

Raphael Bartling

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Fahrzeugshows, halsbrecherische Manöver und Gefechtsvorführungen beim Tag der Bundeswehr. - © Raphael Bartling
Fahrzeugshows, halsbrecherische Manöver und Gefechtsvorführungen beim Tag der Bundeswehr. (© Raphael Bartling)

Augustdorf. Der Himmel ist dunkel und wolkenverhangen. Doch das Donnergrollen an diesem Tag ist kein Wetterphänomen, sondern von Menschen gemacht. Es kommt auf dem Gelände der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne aus Panzern und Sturmgewehren: Die Bundeswehr gibt Zehntausenden Schaulustigen einen Einblick in den Alltag der Soldaten.

Überall wabert der Geruch von kaltem Rauch in der Luft. Es sind laute Rufe zu hören, Kommandos ertönen, Soldaten rennen nach vorne, Blendgranaten fliegen durch die Luft. Kurz darauf treten Soldaten eine Eingangstür ein, um ein Gebäude zu stürmen. Im Hintergrund gibt ihnen ein Leopard 2 Kampfpanzer Feuerschutz. Was sich am Samstag in der Kaserne abspielt, ist keineswegs der Ernstfall, sondern die dynamische Waffenschau der Panzerbrigade 21 „Lipperland".

Fotostrecke: Tag der Bundeswehr

Tausende Besucher drängen sich an den Absperrgittern, versuchen, einen Blick auf die Geschehnisse zu erhaschen. „Kinder unter vier Jahren nehmen bitte einen Sicherheitsabstand von 100 Metern zu der Absperrung ein", fordert eine Stimme aus dem Lautsprecher. Sämtliche Waffen sind mit Übungsmunition bestückt. Täuschend echt wirkt es trotzdem. Beim „Tag der Bundeswehr" geben die Soldaten einen Einblick für die Besucher, wie sich ein intensives Gefecht im Gelände während eines Einsatzes abspielen könnte.

Bei ihrer Simulation muss die Panzerbrigade einen Fluss überwinden, Sperren wie Minenfelder durchqueren und eine Ortschaft einnehmen, wo der Feind scheinbar hinter jeder Häuserecke lauert. Die dynamischen Waffenschauen, von denen es über den Tag verteilt mehrere auf dem Kasernengelände zu sehen gibt, sind die Publikumsmagneten beim „Tag der Bundeswehr" in Augustdorf, bei dem insgesamt rund 1000 Soldaten eingespannt sind.

„Insgesamt gibt es hier heute 44 verschiedene Stationen, an denen sich die Menschen über die Fahrzeuge, die Anforderungen und die Arbeit der Bundeswehr informieren können", sagt Hauptmann Martin Waltemathe, Pressesprecher der Panzerbrigade 21 „Lipperland".

Die Soldaten des Jägerbataillons Schwarzenborn (Hessen) zeigen beispielsweise die Fähigkeiten der Infanterie. Es geht darum, in ein verbarrikadiertes Haus einzudringen. „Der Kampf im Haus zeichnet sich dadurch aus, dass er sehr intensiv und auch aggressiv ist. Der Abstand zu den Fremdkräften beträgt manchmal weniger als einen Meter.

Der Soldat muss selektiv schießen – er muss sofort entscheiden, ob er bedroht wird oder nicht und dann agieren. Dabei ist es wichtig, nicht in die Augen des Gegenübers zu schauen, sondern auf dessen Hände", erläutert Hauptfeldwebel Dennis Lange.

Einen Steinwurf von der Paradestraße der Kaserne entfernt, im Technischen Bereich der 2. Kompanie des Versorgungsbataillons 7, zeigen die Logistiker der Brigade einen Ausschnitt ihrer Arbeit. Was sich erst unspektakulär anlässt, entpuppt sich wenig später als echter Hingucker.

Dann nämlich, als während der Schau der Büffel, ein Bergepanzer, mühelos einen lilablauen VW Polo unter sich zerbersten lässt, um näher an sein Ziel – einen Marder-Schützenpanzer mit Triebwerkschaden – zu gelangen. Zu erleben, wie der Bergepanzer das Fahrzeug mit Triebwerkschaden im Feld birgt, beeindruckt ebenfalls: Der Kran des Bergepanzers kann 20 Tonnen heben.

Übrigens: Eine Stunde Betriebszeit eines Panzers kostet – vor allem durch den immensen Treibstoffverbrauch – rund 1500 Euro. Zahlen und Fakten, bei denen vor allem die männlichen Besucher schwer beeindruckt sind: Väter und Söhne bekommen hinter den Absperrungen gleichermaßen leuchtende Augen.

Dass sie so hautnah dabei sein dürfen, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Und die Akteure sind Menschen zum Anfassen: So wie die Infanteristen, die zwischen den verschiedenen Vorführungen voller Geduld für Fragen zur Verfügung stehen, die Ausrüstung und Dienstgrade erklären oder auf Nachfrage über ihre Auslandseinsätze in Afghanistan berichten.

Auf der Gastro-Meile erregen derweil zwei Soldaten in Fliegeroveralls die Aufmerksamkeit ihrer zivilen Gegenüber an der Bierzeltgarnitur. Bei Erbensuppe und Bratwurst kommt man schnell ins Gespräch, und so erfahren die Besucher unter anderem, dass die beiden Piloten ein ganz besonderes Arbeitsgerät mitgebracht haben – einen Kampfhubschrauber Tiger. Über die teilweise zähe Anreise zum „Tag der Bundeswehr" über verstopfte Straßen, volle Parkplätze und Shuttlebusse kann das Duo nur lächeln. Stationiert im hessischen Fritzlar haben sie für den mehr als 100 Kilometer weiten Anflug knapp 20 Minuten gebraucht – inklusive eines exklusiven Parkplatzes direkt hinter einem der Haupteingänge.

Leichte Probleme bei der Parkleitführung und später auch beim Catering räumt Presseoffizier Martin Waltemathe ein: „Eigentlich ist die Kaserne von der Infrastruktur ja nicht für solche Großveranstaltungen ausgelegt, das ist ja kein Fußballstadion", meinte er. Daher sei es durchaus zu den Stoßzeiten im Augustdorfer Umfeld zu Staus gekommen.

Auch das Catering sei verbesserungswürdig: „Beim nächsten Mal müssen wir wohl noch mehr Stände einrichten." Insgesamt jedoch sei man hochzufrieden. „Wir haben unsere Besucherzahl gegenüber der Veranstaltung von vor zwei Jahren leicht steigern können", sagt Pressesprecher Hauptmann Martin Waltemathe. „Letztes Mal hatten wir 26.800, dieses Jahr 27.200 Gäste", sagt er. „Die Resonanz war durchweg positiv.".

Information

Beförderung für den Kommandeur

Der langjährige Oberst und seit 2018 Kommandeur der Panzerbrigade 21 „Lipperland", Ansgar Meyer, wurde vom Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, zum Brigadegeneral befördert.

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