Anschlag auf Moschee geklärt

Tankstellen-Kamera zeichnet die Täter auf: Bad Salzufler wegen versuchten Mordes in U-Haft

Hubertus Gärtner

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Pressekonferenz zum Brand in der Moschee in Bad Salzuflen. - © Sarah Jonek
Pressekonferenz zum Brand in der Moschee in Bad Salzuflen. (© Sarah Jonek)

Bielefeld/Bad Salzuflen. Der Brandanschlag auf die „Vahdet-Moschee“ vom 11. Oktober in Bad Salzuflen ist aufgeklärt. Das haben Staatsanwaltschaft und Polizei in Bielefeld mitgeteilt. Ein 28 Jahre alter Bad Salzufler sitzt wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung in Untersuchungshaft.

Ein Mittäter (25) aus Bad Salzuflen wurde ebenfalls verhaftet. Er wurde jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt, nachdem er seine Tatbeteiligung gestanden und eine nicht näher bezifferte Kaution hinterlegt hat.

Laut Oberstaatsanwalt Ralf Vetter sind die mutmaßlichen Brandstifter jesidische Kurden mit deutschem Pass. Weder würden sie einer extremistischen Gruppierung angehören noch hätten sie bislang politische Straftaten begangen. Der Anschlag auf die Moschee sei offenbar auf eine „spontane Einzelradikalisierung“ des 28-Jährigen zurückzuführen, sagte Andreas Maringer. Er leitet die zuständige Ermittlungskommission beim polizeilichen Staatsschutz.

Der wegen anderer Delikte vorbestrafte mutmaßliche Haupttäter habe sich durch die Berichterstattung über Konflikte im Irak zu der Tat motiviert gefühlt. „Er wollte offenbar den Sunniten zeigen, dass die jesidischen Kurden zu Aktionen fähig sind“, sagte Maringer. Der 28-Jährige, der bislang schweigt, habe seinen 24 Jahre alten Cousin aufgefordert, ihm bei der Tat behilflich zu sein. Nach den Ermittlungen hatten sich die Männer kurz vor der Tat an einer Shell-Tankstelle in Nähe der Moschee einen Benzinkanister ausgeliehen und gefüllt. Eine Überwachungskamera zeichnete sie dabei auf. Kurze Zeit später verschütteten sie das Benzin an der Moscheetür und zündeten es an. Die Flammen wurden am 11. Oktober um 2.45 Uhr von Passanten entdeckt. Ein Ehepaar aus Bulgarien mit zwei kleinen Kindern sowie ein türkisches Ehepaar mit seinen sieben und 16 Jahr alten Kindern konnten von der Feuerwehr aus dem Gebäude gerettet werden.

Die verbrannten Reste des Benzinkanisters und die Bilder von der Überwachungskamera an der Tankstelle hatten die Ermittler auf die Spur der Täter geführt. Diese hätten zunächst ein Alibi präsentiert, das sich bei entsprechender Prüfung als falsch herausgestellt habe, so Maringer. Gegen den Alibigeber werde wegen versuchter Strafvereitelung ermittelt, ergänzte Vetter.

Die Ermittler betonten, dass es unter den jesidischen Kurden „keinerlei Sympatiebekundungen“ nach dem Anschlag gegeben habe. Die Tat sei „im Gegenteil auf massive Ablehnung gestoßen“, sagte Maringer. Auch Mehmet Ali Ölmez, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Bielefeld, bekundete seine Abscheu. „Es ist wichtig, dass wir friedlich zusammenleben“, sagte er.

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