Ein Bierabend mit den „Teutonen“

Die LZ besucht den Stammtisch der Studentenverbindung

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Bekennen sich zur "Teutonia": Gino Verace, Philipp Eickmeyer, Timo Gleick,Tobias Hübner und Bernd Althoff (von links) sowie Alexander Rönn (vorne) stehen bei Fuchs "Oska". - © Jan Christian Pinsch
Bekennen sich zur "Teutonia": Gino Verace, Philipp Eickmeyer, Timo Gleick,Tobias Hübner und Bernd Althoff (von links) sowie Alexander Rönn (vorne) stehen bei Fuchs "Oska". (© Jan Christian Pinsch)

Bad Salzuflen. Seit 125 Jahren existiert die „Freie Verbindung Teutonia zu Lippe“ in Salzuflen. Es erscheint bizarr, war die Badestadt doch damals wie heute bekanntlich kein Hochschulstandort.

Der Pressetermin hätte eigentlich schon zwei Wochen eher bei der Jubiläumsfeier der Verbindung erfolgen sollen. Jedoch war da der Besuch einer Kollegin angedacht gewesen. „Das ging dann leider nicht“, erläutert der Präside Bernd Althoff. „Auch wenn wir damit gleich ein Klischee bedienen, aber unsere hochoffiziellen Veranstaltungen finden tatsächlich ohne Damen statt.“

Diese Hürde habe ich überwunden, ebenso wie die steile Treppe, die in die schick hergerichteten Räumlichkeiten der Verbindung führt. Ursprünglich befand sich hier ein Tanzlokal, in dem die Farbe Rosa und Brandflecken auf dem PVC-Boden dominierten. Noch immer komme es gelegentlich vor, dass sich Partysuchende hierhin verirren. Die würden nicht gleich wieder herausgeschmissen, sondern bekommen ihr Bier. „Meistens gehen sie aber von sich aus schnell wieder, da sich ihre Erwartungen nicht erfüllen“, erzählt Althoff. „Sie wollen ja Rambazamba und keine intellektuellen Diskussionen.“

Doch warum gibt es diese Studentenverbindung in einer hochschulfreien Stadt? Althoff erklärt, dass die Mitglieder schon immer verschiedenste Universitäten besuchten. Nicht der Hochschulstandort, sondern Heimatstadt und akademischer Hintergrund vereinten sie. Althoff hat beispielsweise Geschichte studiert, später trat er ins elterliche Bekleidungsgeschäft ein. Neben mir sitzt Philipp Eickmeyer; der Jurist arbeitet in der Rechtsabteilung eines großen Unternehmens.
Bauingenieur Tobias Hübner hat mir derweil mein erstes Bier eingeschenkt.

Aber Vorsicht: Alleine trinken ist bei den „Teutonen“ verpönt. Ich muss mir per Anstoßen, das regelmäßig um den Ausruf des Wahlspruchs „Furchtlos und treu“ ergänzt wird, aus dem ersten („Blume“) und letzten Schluck („Pfütze“) meines Glases helfen lassen.

Eine eiserne Regel – und selbstverständlich nicht die einzige. Beim Rundgang durch das Haus zählt Althoff die Prinzipien auf: Freundschaft, Demokratie, Toleranz, Bildung, Tradition und die Couleur. Bei allem Stolz auf Schwarz-Weiß-Grün bleiben die Farben aber dezent: Heute wird nur ein Band getragen. Auch öffentliche Auftritte in voller Montur bleiben eine Seltenheit, sorgen diese doch öfters für Aufsehen.

„Leider werden auch wir manchmal in die rechte Ecke gedrängt“, beklagt Althoff. „Dabei sind braune Tendenzen bei uns dezidiert ausgeschlossen.“ Der Vorstand führt eine „Blacklist“ mit entsprechenden Verbindungen, und auch von der Deutschen Burschenschaft habe man sich distanziert. So sind bei der „Teutonia“ auch ausländische Mitglieder willkommen; Gino Verace etwa ist Italiener.

Mittlerweile ist es weit nach Mitternacht. Eigentlich wollte ich nur eine Stunde bleiben, doch gemeinsame Diskussionen über Politik und Religion ließen mich verweilen – Themen, die kurioserweise einst aus der Kneipe verbannt waren. Doch die Burschen zeigen Offenheit; im Herbst wird erstmals eine „Damenkneipe“ anstehen.

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