Salzufler Geysir-Brunnen wird zum Fernsehstar - Spott und Häme im Netz

Mit dem ZDF hat gestern der dritte TV-Sender einen bundesweiten Beitrag
über den umstrittenen Sprudelbrunnen produziert

Stefan Backe

  • 16
Film ab: Während sich Rolf Oberweis den Fragen des ZDF-Fernsehteams stellt, ist es im Hintergrund wieder einmal so weit – alle vier Minuten steigt für zwei Sekunden eine eineinhalb Meter hohe Fontäne empor. - © Backe
Film ab: Während sich Rolf Oberweis den Fragen des ZDF-Fernsehteams stellt, ist es im Hintergrund wieder einmal so weit – alle vier Minuten steigt für zwei Sekunden eine eineinhalb Meter hohe Fontäne empor. (© Backe)

Bad Salzuflen. „Ich würde prophezeien, dass der Brunnen die größte Attraktion sein wird.“ Dieses Zitat von Bauamtsleiter Rolf Oberweis stammt aus dem Dezember 2014 – lange bevor der Geysir in der Fußgängerzone überhaupt in den regulären Betrieb gegangen war. Er scheint recht zu behalten.

Vor fast genau einem Jahr hatte die Posse um den Sprudelbrunnen, dessen einst drei Meter hoher Wasserstrahl im Testlauf eine zu große Streuwirkung gezeigt hatte, für Aufregung gesorgt. Schutzgeländer dran, nach einem Veto der Politik wieder ab, Halbierung der Spritzhöhe – all dies sind Anekdoten, die in Bad Salzuflen wahlweise für Schmunzeln, Interesse oder Empörung gesorgt hatten.

Jetzt, ausgerechnet kurz vor Ende seiner ersten Saison – bei Frostgefahr greift wie bei allen neuen Wasserspielen in der Innenstadt eine Abschaltautomatik ein –, wird der „Salzufler Blubb“ noch einmal unverhofft zum Gegenstand bundesweiter TV-Berichterstattung. Den Anfang hatte in der vergangenen Woche ein satirischer Beitrag des NDR gemacht, in dem nicht nur der Brunnen, sondern auch Beigeordneter Rolf Oberweis als Chefplaner auf die Schippe genommen worden war.
Es folgte am Mittwoch ein gemäßigterer Bericht auf RTL.

Am Donnerstag nun hatte sich ein Kamerateam im Auftrag des ZDF auf den langen Weg nach Bad Salzuflen gemacht, um eine eigene Sequenz über den Geysir zu drehen. Geplant ist eine Ausstrahlung im ZDF-Länderspiegel (Samstag, 17. Oktober, ab 17.05 Uhr). Allein der Name der Rubrik, „Hammer der Woche“, lässt nicht nur wohlwollende Stimmen erwarten.

Rolf Oberweis stellte sich dennoch auch zum dritten Mal den kritischen Fragen der Journalisten – obwohl er nach der NDR-Produktion sauer gewesen sei. So habe man ihm damals verschwiegen, dass eine Satire geplant war. Grundsätzlich mochte er der medialen Präsenz aber durchaus positive Aspekte abgewinnen: „Man spricht über den Brunnen, man spricht über Bad Salzuflen – eine kontroverse Diskussion ist doch gut.“

So betonte er vor der ZDF-Kamera, dass nicht alle Menschen den 40.000 Euro teuren „Attraktionsbrunnen mit Wow-Effekt“ negativ sehen, erklärte er die Mon- und Demontage des 1000-Euro-Geländers und verteidigte den Schreckeffekt – viele Passanten fühlen sich von dem nur alle vier Minuten erfolgenden „Ausbruch“ mit seiner zweisekündigen Fontäne überrascht. „Dass man sich bei einem Geysir erschreckt, ist normal. Aber wir wollen natürlich niemandem schaden – und das ist auch geprüft.“

Kommentar: Geysir lässt die Häme sprudeln

von Stefan Backe
Angenommen, der schiefe Turm von Pisa wäre gar nicht schief, sondern seit jeher kerzengerade. Wie viele Menschen würden ihn dann heute kennen? Eben. Angenommen, der Geysir von Salzuflen wäre gar kein lustiger Blubb, der ahnungslose Passanten erschreckt, sondern ein stinknormales Wasserspiel. Wie viele Menschen würden dann heute von ihm reden? Stopp. An dieser Stelle beenden wir das kleine Gedankenspiel und wenden uns wieder der Realität zu. Es ist interessant, dass jetzt auf einmal die TV-Teams nach Salzuflen strömen. Natürlich gehört der Geysir zu jenen Projekten, die gut gedacht, aber (zumindest an dieser Stelle) nicht gut gemacht wurden. Aber es hat sicher schon schlimmere Geldverschwendungen und Missgeschicke in der Geschichte der Bundesrepublik gegeben. Und eins muss man dem Chefplaner Rolf Oberweis lassen: Sein Brunnen ist tatsächlich eine Attraktion. Zwar eine, über die man eher schmunzelt, aber immerhin. Es spricht für den Bauamtsleiter, dass er jetzt nicht kneift, sondern selbstbewusst vor die Kameras tritt. Und fast möchte man ihm glauben, dass der Geysir zur neuen Sehenswürdigkeit der Badestadt werden wird. Wenn irgendwann mal Kühlschränke am Nordpol verkauft werden müssten – man sollte Rolf Oberweis um Rat fragen. sbacke@lz.de

Video auf YouTube
Video auf YouTube
Video auf YouTube

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

16 Kommentare
16 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!