Abgespeckt: Brigitta Mekic nahm 84 Kilo in einem Jahr ab

Ernährungsberaterin Corinna Sandmüller-Thomasch hat den Prozess begleitet

Dieter Asbrock

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Das Gefühl, in ein Bekleidungsgeschäft gehen und sich dort einkleiden zu können, hat sie zehn Jahre lang nicht gekannt. - © Dieter Asbrock
Das Gefühl, in ein Bekleidungsgeschäft gehen und sich dort einkleiden zu können, hat sie zehn Jahre lang nicht gekannt. (© Dieter Asbrock)
Noch vor einem Jahr trug Brigitta Mekic diese Jacke. Heute passt sie zweimal hinein. - © Dieter Asbrock
Noch vor einem Jahr trug Brigitta Mekic diese Jacke. Heute passt sie zweimal hinein. (© Dieter Asbrock)

Bad Salzuflen. Brigitta Mekic ist eine sportliche, eher zierlich wirkende Frau. Wer die 47-Jährige sieht, käme nie auf die Idee, dass sie einmal gut 150 Kilo gewogen hat. Innerhalb von nur einem Jahr hat Brigitta Mekic drastisch abgespeckt, 84 Kilo verloren – und ein neues Leben gewonnen.

Die Vorgeschichte dieses kaum zu glaubenden Erfolgs ist ein Schicksalsschlag. 2005 verlor die allein stehende Bielefelderin ihre Mutter. Ein einschneidendes Erlebnis: „Da habe ich mich gehen lassen“, sagt Brigitta Mekic rückblickend. Trauerbewältigung, aber auch Selbstbelohnung durch kulinarische Genüsse blieben nicht ohne Folgen: Brigitta Mekic nahm immer mehr zu.

„Ich war immer moppelig, und ich habe auch alle Diäten durch“, sagt sie. Sie habe es auch durchaus geschafft, in den vergangenen zehn Jahren mal abzunehmen. „Aber wer so viel wiegt wie ich damals, dem sieht man zehn Kilo weniger natürlich nicht an.“ Der Jojo-Effekt war stärker.

„Natürlich fällt man als dicker Mensch überall auf.“ Dumme Sprüche sind eine Folge („Darüber könnte ich Bücher schreiben.“), Einschränkungen im Alltag eine weitere: „Ich dachte oft: Mensch, ist der Stuhl klein, hoffentlich hält der mich aus.“ Brigitta Mekic zog sich mehr und mehr zurück. Passende Kleidung gab’s irgendwann nirgendwo mehr zu kaufen. Als gelernte Schneiderin wusste sich die Floristin zu helfen – sie nähte sich ihre Sachen selber.

„Ich wusste, dass ich irgendwann aus dem Loch raus muss, in dem ich saß. Aber es muss Klick machen.“ Die Wende kam im Oktober 2014. Ihre Chefin und ihre Kollegin – Brigitta Mekic arbeitet in einem Blumenladen in der Salzufler Innenstadt – schenkten ihr eine Ernährungsberatung bei Corinna Sandmüller-Tomsch. Beide hatten sich bereits von der Fachfrau coachen lassen, dadurch Gewicht verloren und Wohlbefinden gewonnen. Brigitta Mekic sah also, dass es einen Weg aus dem Loch heraus gibt. Und: So ein Geschenk verpflichtet natürlich zum Ausprobieren.

Also nahm sie Kontakt zu Corinna Sandmüller-Tomasch auf. Die analysierte, beriet, stellte einen Ernährungsplan auf. In regelmäßigen Gesprächen, bei Bedarf auch telefonisch oder per Mail, wurde der Fortschritt überwacht, Fehler korrigiert, die Motivation aufrecht erhalten. Von der Disziplin, mit der ihre Klientin die Sache anging, ist die Ernährungsberaterin noch immer beeindruckt: „Auch heute isst sie konsequent im Fünf-Stunden-Rhythmus ihre Mahlzeiten.“ Anders wäre diese enorme Gewichtsreduzierung auch kaum möglich gewesen.
Man fragt sich natürlich, ob der Körper diese Schrumpfkur klaglos mitmacht. „Körper und Geist müssen diesen Weg gemeinsam gehen, dann klappt das“, weiß Corinna Sandmüller-Tomasch.

Der Lohn der Mühe: Irgendwann hatte Brigitta Mekic ihr Gewicht so weit reduziert, dass sie wieder Sport treiben konnte. „Zuerst habe ich vor dem Fernseher Übungen nachgemacht. Dann fing ich an zu laufen. Das reichte mir irgendwann nicht mehr – jetzt gehe ich auch noch regelmäßig ins Sportstudio.“

Man sollte meinen, dass solch ein Erfolg im persönlichen Umfeld beklatscht wird. Brigitta Mekic hat da nicht nur Positives erlebt – ihr schlug auch Neid entgegen. Um so erfreulicher war ein Besuch beim Salzufler Textilunternehmen Alba Moda, wo sie sich neu einkleiden durfte. „Vorher hat sie nur schwarz getragen – da hat sie nur bunte Sachen ausgewählt“, erinnert sich Corinna Sandmüller-Tomasch lächelnd. Immerhin hatte Brigitta Mekic zehn Jahre lang das Gefühl entbehrt, einfach ins Regal greifen und ein passendes Kleidungsstück finden zu können.
Das Geschenk der Kolleginnen entpuppte sich als ein Wendepunkt. Und schon nach kurzer Zeit war Brigitta Mekic klar: „Ich fange jetzt an zu leben.“

Das macht die Ernährungsberaterin

Ernährungsberaterin Corinna Sandmüller-Tomasch arbeitet nach der Methode „Metabolic Balance“, einer von Wolf Funfack und Silvia Bürkle entwickelten Ernährungsweise. Dabei steht der ganzheitliche Aspekt des körperlichen Wohlbefindens stärker im Vordergrund als die Gewichtsabnahme.
Am Anfang steht eine Blutanalyse. 34 Parameter werden untersucht, um zu klären, ob eine Umstellung des Stoffwechsels möglich ist, oder ob zunächst eine Erkrankung ärztlich zu behandeln ist.

Der Betroffene muss mitziehen: „Wer nicht wirklich etwas bei sich ändern will, den schicke ich wieder weg, selbst wenn ihn der Arzt zu mir geschickt hat.“ Verantwortung für sich selber zu übernehmen, Regeln einzuhalten – das sind wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg.

Corinna Sandmüller-Tomasch schickt ihre Klienten durch eine zweitägige Startphase, gefolgt von einer ölfreien Phase, mit der der individuelle Ernährungsplan beginnt. Der ist abgestimmt auf die Blutuntersuchung, eventuell vorhandene Allergien und Vorlieben für oder Abneigungen gegen bestimmte Lebensmittel.
„Man muss dem Körper die passenden Baustoffe geben, damit Hormone und Stoffwechsel wieder richtig arbeiten“, sagt sie. Verwendet werden hochwertige Naturprodukte, selbst zubereitet. „Viele Menschen ernähren sich aus Unkenntnis falsch – das kann zum Beispiel dazu führen, dass Medikamente nicht wirken.“ Etikettenkunde und das Ausfiltern falscher Light-Produkte gehören auch dazu. Der Ernährungsplan wird stetig angepasst, der Fortschritt in Gesprächen überprüft.

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