Jugendliche kämpfen ums „@on“

Stefan Backe

Suchen Unterstützer: Nutzer des Jugendzentrums „@on" sammeln in Schötmar Unterschriften zum Erhalt ihrer Einrichtung. Sie fordern, dass 
eine andere Lösung gefunden werden muss. - © Daniel Hobein
Suchen Unterstützer: Nutzer des Jugendzentrums „@on" sammeln in Schötmar Unterschriften zum Erhalt ihrer Einrichtung. Sie fordern, dass 
eine andere Lösung gefunden werden muss. (© Daniel Hobein)

Bad Salzuflen-Schötmar. Es ist eine skurrile Situation. Noch vor Wochen haben einige sich helfend an Aktionen für Flüchtlinge beteiligt. Jetzt kämpft ein Dutzend Nutzer des Jugendzentrums „@on" gegen den Vorschlag der Stadt, ausgerechnet ihre Einrichtung zugunsten von Flüchtlingen zu schließen. Die Jugendlichen erhalten viel Unterstützung.

„Es kann nicht sein, dass angeblich nur eine Immobilie infrage kommt, um die unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge unterzubringen", erklärt Michelle Fattmann, eine der Organisatorinnen einer Unterschriftenaktion. Diese haben am verkaufsoffenen Sonntag in Schötmar bereits 570 Menschen unterzeichnet; weitere 130 haben ihre Solidarität digital im Internet bekundet. Mittlerweile liegen die Listen auch in vielen Geschäften in Schötmar und Bad Salzuflen aus. Bis in die erste Januarwoche wollen die jungen Menschen weitere Unterschriften sammeln, bevor die ausgefüllten Zettel dem städtischen Jugendhilfeausschuss übergeben werden.

Wie berichtet, hatte die Stadt vorgeschlagen, das „@on" zur Flüchtlingsunterbringung zu räumen. Echte Alternativen, wie und wo die Kinder- und Jugendarbeit in Bad Salzuflen fortgesetzt werden könnte, sind aber noch nicht gemacht worden. „Das wollen wir so nicht akzeptieren", sagt Michelle Fattmann. Immerhin sei die Arbeit, die im „@on" geleistet werde, für die Jugendlichen der Stadt sehr wichtig. Gleichwohl schätzen die jungen Menschen die Situation in der Zwickmühle der Weltereignisse realistisch ein. „Vielleicht bringt es was. Aber die Hoffnung ist nicht mehr so groß", sagt Michelle Fattmann.

Hans Hofste, Sprachrohr der Stadtverwaltung in Flüchtlingsfragen, bestätigte auf Anfrage die LZ-Informationen, wonach gestern eine Delegation des Landesjugendamts im „@on" war, um sich die Räumlichkeiten anzuschauen. Sollte das Jugendzentrum aus Sicht der Experten als Unterkunft für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge geeignet sein, ist das letzte Wort aber immer noch nicht gefallen. Eine Entscheidung über die tatsächliche Nutzung des „@on" fällt laut Hans Hofste erst im städtischen Jugendhilfeausschuss – wo die Jugendlichen dann auch präsent sein werden.

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