1966 wurde der Verkehr der Kleinbahnen endgültig eingestellt

Stefan Backe und Peter Steinert

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Die Elektrische auf Tour: Besonders schnell war die Herforder Kleinbahn auf ihrer Strecke zwischen Spenge und Vlotho nicht unterwegs. Dieser Wagen trägt Werbung für den seinerzeit beliebten Doornkaat-Schnaps.  - © Hans W. Rogl, Martin Weltner/Strassenbahn-Magazin
Die Elektrische auf Tour: Besonders schnell war die Herforder Kleinbahn auf ihrer Strecke zwischen Spenge und Vlotho nicht unterwegs. Dieser Wagen trägt Werbung für den seinerzeit beliebten Doornkaat-Schnaps.  (© Hans W. Rogl, Martin Weltner/Strassenbahn-Magazin)

Herford/Bad Salzuflen. Der Abschied rauschte in Raten heran. Bis 1962 bedienten die Herforder Kleinbahnen eine etwa 40 Kilometer lange Strecke zwischen Spenge-Wallenbrück und dem Bahnhof in Vlotho. Die Gleise führten über Herford und Bad Salzuflen.

„Weil der lippische Fürst die Konzession aber nicht verlängerte, fuhr die Straßenbahn von 1962 bis 1964 nur noch bis zum Bergertor in Herford“, weiß Friedrich Korte. Der 78-jährige Herforder bezeichnet sich selbst als „Verkehrsfan“. Und als solcher begeisterte er sich auch für die Herforder Kleinbahnen, mit denen er bis 1966 noch von Herford nach Spenge fahren konnte. Im Frühjahr 1966 wurde auch diesen Kapitel geschlossen.

Die zumeist einspurige Trassenführung scheint aus heutiger Sicht abenteuerlich. So lagen die Gleise zwischen Bergertor und Friedenstal auf einer Hälfte der Salzufler Straße. In Richtung Salzuflen waren die Kleinbahnen damit für den Gegenverkehr aus heutiger Sicht „Geisterfahrer“. Möglich war es dennoch, weil Personen- und Lastwagen viel seltener unterwegs waren und problemlos ausweichen konnten. Friedrich Korte: „Die Straßenbahn hatte immer Vorfahrt.“

Längst stand nicht vor jedem Haus ein Auto, umso beliebter waren die Kleinbahnen. Mit ihnen erreichten die Pendler ihre Arbeitsplätze, die Schulkinder ihren Unterricht und die Ausflügler ihre Freizeitziele. Besonders an Wochenenden waren die Bahnen häufig selbst bei den Stehplätzen voll besetzt. Gern fuhren die Herforder ins lippische Bad Salzuflen.

Auch der Wüstener Hobby-Historiker Albert Siegert hat sich intensiv mit der Kleinbahn beschäftigt. Nach seiner Recherche gab es auf Salzufler Stadtgebiet sechs Haltestationen: am Lindenkrug zwischen Autobahn und heutigem Kreisel an der Herforder Straße, am Kleinbahnhof an der Herforder Straße (heute Großparkplatz), an der Roonstraße, am Kurpark (heute Parkhaus), an der Haltestelle Forsthaus (heute „Vita-Sol“) und an der Loose. Viele Kurgäste fuhren mit der Kleinbahn zum Kaffeetrinken zur Loose oder zum Krautkrug.

Viele Haltestellen wurden nach den Gaststätten in der Nähe benannt. Dabei waren die Herforder Kleinbahnen bei der Gründung im Jahr 1901 gar nicht dem Personenverkehr vorbehalten gewesen. Kleine Dampflokomotiven transportierten auf ihren Hängern vornehmlich Holz. Das war per Weserschiff in Vlotho angeliefert und für die Möbelindustrie im Raum Enger und Spenge weiter gefahren worden. Aber auch einige Salzufler Firmen hatten für den Transport ihrer Rohstoffe oder Produkte einen eigenen Gleisanschluss.

1924 übernahmen die Elektrizitätswerke Minden-Ravensberg (EMR) die Kleinbahnen, elektrifizierten die Strecke und hatten zugleich einen Abnehmer für ihren Strom. Diese Konstellation bröckelte im Laufe der Jahre jedoch, weil sich das EMR durch seine Linienbusse selbst Konkurrenz machte. Schon kurz nach dem Ende auf lippischem Gebiet 1962 erinnerten kaum noch Spuren an die Kleinbahn – die Schienen wurden schnell abgebaut.

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