Anwohner haben viele Vorbehalte gegen Flüchtlingsunterkünfte

Sandra Castrup

Die Fläche wird vorbereitet: Auf einer Wiesenfläche am Begakamp entstehen zwei Schlichtbauten für maximal 20 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge. - © Sandra Castrup
Die Fläche wird vorbereitet: Auf einer Wiesenfläche am Begakamp entstehen zwei Schlichtbauten für maximal 20 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge. (© Sandra Castrup)

Bad Salzuflen. Unter den Flüchtlingen, die nach Bad Salzuflen kommen, sind auch Minderjährige ohne Eltern. Zurzeit sind sie provisorisch im Jugendzentrum „@on" untergebracht, Ende Juli sollen sie in zwei Schlichtbauten am Begakamp umziehen. Was geplant ist und wie diese Jugendlichen betreut werden, darüber informierte die Stadt am Donnerstag die Anwohner.

An der überwiegend ablehnenden Haltung der Nachbarn (die LZ berichtete) schien die Bürgerversammlung im Rathaus wenig zu ändern. Bürgermeister Roland Thomas hatte Vertreter der Stiftung Eben-Ezer eingeladen, die die Betreuung der maximal 20 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren übernehmen wird.

Doch auch mit die Vorstellung der Arbeitsweise, die den Standards der Jugendhilfe entspricht und als 24-Stunden-Betreuung ausgerichtet ist, konnte die Skepsis der anwesenden Anwohner nicht mildern. Immer wieder wurde gefragt, warum ausgerechnet dieser Ort, der besonders an Wochenenden von Party-Gängern bevölkert sei, ausgewählt wurde. Befürchtungen wurden laut, dass dem benachbarten Bega-Bad durch weniger Parkplätze das Aus drohe und dass der Sicherheitsaspekt komplett vernachlässigt würde. „Die Polizei schafft es jetzt schon am Wochenende nicht, zeitig herzukommen, wenn hier randaliert wird", so ein Nachbar der Diskothek „Glashaus".

„Wer kommt für eventuelle Schäden auf, die jugendliche Flüchtlinge verursachen?", wollte ein anderer wissen. „Die Jungs sind alle bei uns haftpflichtversichert", antwortete Udo Zippel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Eben-Ezer, der weitere Gesprächsbereitschaft signalisierte und alle Anlieger einlud, sich ein Bild von den Jugendlichen sowie der Arbeit seines Teams zu machen.

Der Schutz der Jugendlichen, die sich ihrerseits an die Regeln zu halten hätten, sei durch die Betreuung vor Ort gewährleistet. „In jedem der zwei 14 mal 16 Meter großen Gebäude ist Platz für zehn Bewohner plus Betreuer. Momentan haben wir 14 Jungs, die dort einziehen werden, sechs Plätze bleiben vorerst frei", erklärte Jugendamtsleiterin Angelika Borgstedt. Die Nutzung sei für maximal drei Jahre geplant und genehmigt. „Die Module sind schnell montiert, ebenso schnell demontiert und danach universell einsetzbar", sprach Bürgermeister Thomas von einer flexiblen Möglichkeit der Weiternutzung.

Eine vernünftige Diskussion gestaltete sich schwierig. Jugend-Fachbereichsleiterin Katja Mönnigmann-Steinbeck musste mehrfach Veranstaltungsteilnehmer ermahnen, die beleidigend wurden oder über Themen diskutieren wollten, die nicht zur Sache gehörten. Am Ende konnten die Bedenken der Anwohner nicht ausgeräumt werden.

Informationsabende für Borsig- und Ziegelstraße

Die Stadt hatte auch für die Anwohner der Borsig- sowie der Ziegelstraße Bürgerversammlungen angeboten – dort sollen ebenfalls Flüchtlinge untergebracht werden. Monika Prüßner-Claus, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, die an allen drei Infoabenden teilnahm, berichtete auf Anfrage der LZ, dass die Anwohner der Borsigstraße sich beruhigt zeigten, dass dort nur Familien untergebracht werden sollen. Der Infoabend für die Ziegelstraße sei unruhiger verlaufen – wohl auch, weil dort schon immer Aussiedler und Gastarbeiter untergebracht worden seien, der Migrantenanteil hoch ist und die Anwohner eine Überlastung des Viertels durch Flüchtlinge befürchteten. In allen Versammlungen sei die Sorge um die Sicherheit angesprochen und eine zu späte und unvollständige Information der Anwohner bemängelt worden. Dass es beim Begakamp-Infoabend hoch her ging, ist nach Prüß-ner-Claus’ Beobachtung der AfD anzulasten. Deren Kreisverband habe seine Funktionäre ins Rathaus geschickt, um die Bemühungen der Stadt um Aufklärung zu stören und die Sorgen der Anwohner für sich zu instrumentalisieren.

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