Umweltprojekt Grünes Klassenzimmer lässt Schüler unter freiem Himmel lernen

Die Besucher sind beeindruckt von der Erfolgsbilanz aus 18 Jahren

Dieter Asbrock

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Bürgermeister Roland Thomas (hinten, Bildmitte) lässt sich von Kindern der Grundschule Knetterheide Pflanzen und Wasserschnecken zeigen. Frösche fangen sie mit dem Kescher nicht, wohl aber Kaulquappen – die hätten einige am liebsten mit nach Hause genommen, um die Entwicklung zum Frosch zu beobachten. - © Dieter Asbrock
Bürgermeister Roland Thomas (hinten, Bildmitte) lässt sich von Kindern der Grundschule Knetterheide Pflanzen und Wasserschnecken zeigen. Frösche fangen sie mit dem Kescher nicht, wohl aber Kaulquappen – die hätten einige am liebsten mit nach Hause genommen, um die Entwicklung zum Frosch zu beobachten. (© Dieter Asbrock)

Bad Salzuflen-Aspe. Es gibt neben dem Schulzentrum Aspe einen Lernort, der ist anders als andere: das Grüne Klassenzimmer. Kindergartenkinder, Grund- und Realschüler sind hier unter freiem Himmel der Natur auf der Spur. Politiker und Verantwortliche aus dem Bildungsbereich ließen sich gestern erklären, was diesen Ort so besonders macht.

Das Grüne Klassenzimmer gilt als ein Projekt, das seinesgleichen sucht – und groß war das Interesse und lang die Liste der Eingeladenen, die Realschulleiter Ulrich Gninka begrüßte. Sein Stellvertreter Andreas Wolf – Gninka nannte ihn den „prägenden Initiator" des Projekts – skizzierte kurz die 18-jährige Geschichte des Lernorts – vom unbebauten Grundstück, auf dem Weidenwege und ein Teich angelegt wurden, über den Beginn der Kooperation mit der Grundschule Knetterheide und der Kita Mix-Max bis zum heutigen Stand der gemeinsamen Nutzung.

Grundschulleiterin Helga Urban hob die ganzheitlichen Erfahrungen hervor, die die Kinder hier machen können. Sie lernten Forschungsmethoden kennen, erwürben Sach-, Fach-, Sozial- und Handlungskompetenz.

Wissen werde hier auf eine Weise geordnet, die im normalen Klassenzimmer nicht möglich sei. Kindergartenkinder, Grund- und Realschüler zeigten den Besuchern, was auf dem rund 4.000 Quadratmeter großen Grundstück zu entdecken ist – vom Teich über die von den Mix-Max-Kindern angelegte Blumenwiese, die Obstbäume, das Insektenhotel bis hin zu den Bienenvölkern, die einer Schülerin zufolge elf Kilogramm Honig aus zehn Waben lieferten.

Etliche Besucher äußerten sich erfreut, dass Kinder hier selber tätig werden können und erfahren, wie etwa Möhren in der Erde wachsen oder wie unterschiedlich Äpfel schmecken, so die Erfahrung von Kita-Leiterin Monika Kunze.

Mittels einer Präsentation im Lehrerzimmer erklärte Andreas Wolf seinen Gästen die Bedeutung des Grünen Klassenzimmers und sortierte das Projekt in einen größeren Zusammenhang ein – das Bildungsquartier. Im Laufe der Jahre sei hier ein Netzwerk mit vielen Unterstützern entstanden, und: „Wir haben hier eine Form von Zusammenarbeit etabliert, die vorher unbekannt war."

Man könne sich auf viele Arten gegenseitig helfen, und die Kinder lernten, sich aufeinander einzulassen. Cajus Caesar, CDU-Bundestagsabgeordneter, lobte das Grüne Klassenzimmer als deutschlandweit einzigartiges Projekt, das aus dem Programm „Bildung vor Ort" Fördermittel des Bundes erhält. „Hier wird viel Einsatz über das normale Maß geleistet", lobte Caesar.

Kinder werden zurück zur Natur geführt

Steckt man Weidenholz in den Boden, fängt es an zu wurzeln und zu grünen. Man kann das durchaus als gutes Omen nehmen, als vor 18 Jahren die Erfolgsgeschichte des Grünen Klassenzimmers mit der Anlage von Weidenwegen begann. Es ist eine ans Schulgelände angrenzende Grünbrache.

Langsam habe die Fläche an Kontur gewonnen, sagte der stellvertretende Leiter der Realschule, Andreas Wolf, bei einem Rundgang mit der LZ. Biologiekurse arbeiteten dort praktisch, das Umweltzentrum, der Verein AWB und städtische Einrichtungen halfen und helfen, die Anlage zu fördern.

Durch das Fenster des Insektenhotels sind der 
stellvertretende Realschulleiter Andreas Wolf und Dan Mierwald zu erkennen – der AWB-Mitarbeiter mäht gerade die Wiese. - © Dieter Asbrock
Durch das Fenster des Insektenhotels sind der 
stellvertretende Realschulleiter Andreas Wolf und Dan Mierwald zu erkennen – der AWB-Mitarbeiter mäht gerade die Wiese. (© Dieter Asbrock)

Als sich zu Beginn des Jahrzehnts die Salzufler Schullandschaft veränderte, habe er sich verpflichtet gefühlt, das Grüne Klassenzimmer zu sichern. Es passte zu den MINT-Fächern, die Kita Mix-Max und die Grundschule Knetterheide wurden ins Boot geholt – eine Bildungskette entstand. Dazu gab es Fördergelder aus dem Projekt „Lernen vor Ort" und Know-How obendrauf: „Damals haben wir Projektmanagement gelernt", so Wolf.

„Back to the basics" ist das Motto des Grünen Klassenzimmers. Ein Naturerlebnis jenseits der bunten Multimediawelt solle vermittelt werden: „Die Schüler sind davon begeistert." Kita, Grund- und Realschule profitieren ebenfalls davon, ist doch der Übergang von der einen zur anderen Einrichtung sehr viel geschmeidiger, weil man sich kennt. Das Ganze sei ein ehrenamtliches Projekt, das viel Zeit erfordere. Mehr gehe nicht. Wolf hofft daher auf mehr Unterstützung. Jetzt sei es sinnvoll, den Schritt in Richtung Professionalisierung zu tun.

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