Stadt fürchtet um Artenschutz: Zu viel Trubel in den Begawiesen

Katrin Kantelberg

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Der große Ansturm ist vorbei. Doch im kommenden Sommer sollen sich die Besucher der Hoffmannswiesen nach Willen der Stadt an mehr Regeln halten. - © Katrin Kantelberg
Der große Ansturm ist vorbei. Doch im kommenden Sommer sollen sich die Besucher der Hoffmannswiesen nach Willen der Stadt an mehr Regeln halten. (© Katrin Kantelberg)

Bad Salzuflen. Die Renaturierug der Bega in den Hoffmannswiesen gilt als Vorzeigeprojekt. Mit den Nebenwirkungen allerdings hat die Stadt nicht gerechnet. Vor allem bei schönem Wetter pulsiert das Leben auf der Grünfläche: Jugendliche, Hundehalter, Großfamilien, Obdachlose – sie alle pilgern zu den Wiesen am Schwimmbad.

„Fronleichnam kam es fast einem Gelage gleich", brachte es Torsten Kraatz, der zuständige Abteilungsleiter, im Ausschuss für Klima und Umwelt auf den Punkt. Jugendliche, die in der Bega baden und von den steilen Hängen ins Wasser springen, Grillplätze, Zeltlager und viele, viele Hundebesitzer, die unterschiedliche Pfade festtrampeln. Sie alle nutzen die neu gestaltete Fläche und machen es damit anderen Bewohnern schwer: Seltene Flora und Fauna, die sich dank der Renaturierung eigentlich in Ruhe entwickeln sollten, können kaum noch gedeihen, so Torsten Kraatz.

Hinzu kommt laut Kraatz der Sicherheitsgedanke. Die Sprünge der Jugendlichen in die Bega und auch der Spaziergang auf dem Trampelpfaden an den brüchigen Abhängen bergen hohe Risiken. In Absprache mit der Versicherung hat die Stadt bereits drei Schilder aufgestellt, um auf die Gefahren hinzuweisen. Unklar ist noch, ob das reicht.

Was aber tun? Zäune möchte die Verwaltung vorerst vermeiden. Mit Hecken und Dornenbüschen will sie jetzt versuchen, manche Uferbereiche abzuschirmen, um so die Wege der Fußgänger zu kanalisieren. Klaus-Peter Wind (CDU) reichte das indes nicht. Letztlich, so seine Meinung, werde nur eine Umzäunung etwas bringen. Schon immer sei in diesem Bereich viel los gewesen, doch jetzt hat sich seinen Einschätzungen zufolge eine Art Hundetourismus entwickelt. Etliche Pkw aus den umliegenden Städten würden im Umfeld parken, deren Halter mit ihren Vierbeinern dann zu den Hoffmannswiesen laufen.

Von einem Zaun wollten die übrigen Ausschussmitglieder allerdings nichts hören. Kurt Herrendörfer (FDP) und Ekkehart Schlicht (CDU) mahnten Geduld an und setzten ebenfalls auf Heckenbepflanzung, um die Menschen auf Wegen über die Fläche zu leiten.

Matthias Obenhaus (Piraten) beschrieb das Dilemma zwischen dem Artenschutz auf der einen und jungen Menschen auf der anderen Seite, die dort eine attraktive Freizeitfläche vorfänden, von denen es in Bad Salzuflen eben nicht viele gäbe. Gegen das wilde Zelten und auch Baden könnte man gegebenenfalls mit Ordnungshütern vorgehen, so Obenhaus, ansonsten gelte es, den jungen Leuten Alternativen – etwa auf den Wiesen am Bahnhof Schötmar – anzubieten.

Das sah auch Frank Sommerfeld (SPD) ähnlich. Die Bürger dürften nicht mit einem Zaun ausgesperrt werden, vielmehr müsse man versuchen, ihnen Angebote, wie etwas Grillflächen, an speziell ausgewiesenen Plätzen zu machen. Damit konnte sich auch Klaus-Peter Wind (CDU) anfreunden, allerdings dürften sich solche Grillplätze nicht in den renaturierten Flächen befinden, auch müsse es alternative Hundeflächen geben.

Letztlich wurden die Verwaltung beauftragt, zu untersuchen, welche Möglichkeiten es gibt, die Situation in den Begawiesen zu entschärfen.

Information

Hundehalter engagieren sich

Die Hoffmannswiesen gelten als die Hunde-Freilauflächen der Stadt. Bereits vor der Renaturierung im vergangenen Jahr tummelten sich viele Vierbeiner mit ihren Haltern auf dem Grün. Jetzt sind noch weitere Besucher dazugekommen. Bei einer Umfrage der LZ im Mai hatten sich noch einige Hundehalter über das Miteinander beschwert, doch jetzt scheint es besser zu klappen. So hat sich nach LZ-Informationen eine Gruppe von Hundebesitzern gefunden, die auf der Fläche für Ordnung sorgt.

Es sind vor allem Frauen, die regelmäßig mit dem Mülleimer durch die Wiesen ziehen, um die Hinterlassenschaften der übrigen Besucher aufzusammeln. Auch Wild- und Sonnenblumen haben sie auf Teilen der Fläche ausgesät. Außerdem wurden Bänke im hinteren – nicht renaturierten – Bereich aufgestellt, um so Möglichkeiten zum Verweilen zu bieten.
Wiederholt haben auch Hundehalter, die die Wiesen schon seit Jahren als Auslauffläche nutzen, das Gespräch mit den jungen Leuten oder anderen Gruppen gesucht. Sie haben sie auf Gefahren hingewiesen und gebeten, ihren Müll mitzunehmen.
Mit wachsendem Erfolg.

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