Kneipp-Verein sucht neue Heimat für sein Therapie-Zentrum

Stefan Backe

  • 0
Die Umzugskartons werden gepackt: Fürs Pressefoto stopft Kneipp-Vereins-Vorsitzende Marie-Therese von Langenn den Inhalt des Heubetts in eine Kiste. Das Gestell wird jetzt ebenso wie die Einrichtung der Zimmer und die Therapiegegenstände eingelagert. - © Stefan Backe
Die Umzugskartons werden gepackt: Fürs Pressefoto stopft Kneipp-Vereins-Vorsitzende Marie-Therese von Langenn den Inhalt des Heubetts in eine Kiste. Das Gestell wird jetzt ebenso wie die Einrichtung der Zimmer und die Therapiegegenstände eingelagert. (© Stefan Backe)

Bad Salzuflen. In den Räumen des Schwaghof-Hotels hatte der Salzufler Kneipp-Verein sein Glück gefunden. Das dortige Zentrum mit seinen Anwendungsräumen war nicht nur Herzstück der Gruppe, sondern auch ein Aushängeschild des zertifizierten Kneipp-Kurorts Bad Salzuflen. Doch nach dem kurzfristigen Aus folgte für die Verantwortlichen eine weitere Enttäuschung.

Wie berichtet, waren Anfang November zuallererst die 19 Mitarbeiter des Arcadia-Hotels, aber auch die Mitglieder des Kneipp-Vereins heftig vor den Kopf gestoßen worden. Da der Eigentümer das Traditionshaus bereits zum Ende des Monats schließt, blieb den Verantwortlichen nur wenige Wochen Zeit, sich eine Alternative für ihr Kneipp-Zentrum mit vier Therapiezimmern und einem Büro zu suchen – zu wenig.

Samstag transportieren die Helfer das letzte Material und die Einrichtung in einen angemieteten Lagerraum, den sie extra per Annonce organisieren mussten. Mit dem Hinweis auf die hervorragende Zusammenarbeit in der Vergangenheit hält sich Vorsitzende Marie-Therese von Langenn mit Kritik zurück, kann ihre Enttäuschung aber nicht verbergen: „Ich bin schon erstaunt, wie wenig Anteil genommen wird."

Denn weder Stadt noch Staatsbad hätten dem Verein ein Lager zur Verfügung stellen, geschweige denn eine Perspektive bieten können; alle Gespräche mit Hoteliers über eine Fortsetzung des Kneipp-Zentrums an anderer Stelle seien bislang gescheitert. Angesichts der Tatsache, dass der Kneipp-Verein nach einem einstimmigen Ratsbeschluss maßgeblich dafür gesorgt hat, dass Bad Salzuflen seit 2013 ein zertifizierter Kneipp-Kurort ist, eine schwer zu verdauende Entwicklung für die Verantwortlichen.

Auf Anfrage der LZ war Kurdirektor Stefan Krieger am Freitag allerdings bemüht, den hohen Stellenwert des Vereins zu betonen. So sei das Scheitern der Lagersuche einem Missverständnis geschuldet gewesen. Darüber hinaus sei es in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen, eine neue Bleibe für das Therapie-Zentrum zu finden. „Das passt aber genau in unser Konzept von ,Sole & Kneipp‘. Wie wollen auch in Zukunft intensiv zusammenarbeiten und müssen jetzt eine perspektivische Lösung suchen", betonte Stefan Krieger. Unter anderem wolle man sich noch einmal mit dem Kur- und Touristikverein zusammensetzen, ob sich ein Beherbergungsbetrieb für das Therapie-Zentrum begeistern könne.

Geht es nach Marie-Therese von Langenn, wird der Verein dessen Inhalt noch einige Zeit zwischenlagern, dann aber notfalls an andere Gruppen verkaufen. Dabei stellte sie auch klar, dass der eigentliche Betrieb der vor mehr als 50 Jahren gegründeten Gruppe durch die Schwaghof-Schließung und den aktuellen Verlust des Zentrums nicht gefährdet sei. So seien derzeit knapp 300 Teilnehmer in den elf Präventions- und Rehakursen aktiv. Nur für die bislang im Schwimmbad des Hotels stattfindenden Wassergymnastik-Kurse suche man noch ein neues Zuhause. Das Büro werde jetzt bis auf weiteres in Lemgo geführt.

Ausgebucht bis zum bitteren Ende
Am Mittwochabend wird Schwaghof-Direktor Uwe Rettig ein letztes Mal den Eingangs-Schlüssel umdrehen. Kurios: Am Wochenende vor der Schließung des traditionsreichen Hotels sind alle Zimmer ausgebucht.
Wie berichtet, will die Arcadia-Gruppe das Haus wegen mangelnder Rentabilität abstoßen und hat kurzfristig das Aus verkündet. Inwiefern ein in Aussicht gestellter Investor das Haus übernimmt, konnte die LZ nicht in Erfahrung bringen – der Pressekontakt war nicht zu erreichen.

Die Mitarbeiter am Schwaghof durften derweil öffentlich keine Stellung mehr zur Schließung nehmen. Wie die LZ aber erfuhr, hat bis auf eine Ausnahme erst einer der 19 Mitarbeiter bereits eine neue Arbeitsstelle zum 1. Dezember. Zahlreiche andere seien noch in Gesprächen mit anderen Häusern. Derweil haben offenbar viele Stammgäste die Chance genutzt, dem Hotel einen letzten Besuch abzustatten – die Zimmer sind ausgebucht.

Auch der Golfclub meldet sich mit einer Pressemitteilung zu Wort: „Die Nachricht hat die Verantwortlichen des Golf- und Landclubs Bad Salzuflen als direkte Nachbarn erschüttert. Immerhin liegen keine 100 Meter Luftlinie zwischen den beiden Unternehmen." Leider kursierten aufgrund der Hotelschließung nun Gerüchte, dass das Restaurant des Golfclubs schließe. Dies sei nicht der Fall. Man verfüge über eine eigenständige Gastronomie, die vom Ehepaar Alex und Timo Hinkelmann aus Herford geführt werde und Mitgliedern und Golfgästen offen stehe.

Kommentar: Kneipp-Verein ist ein Lottogewinn
Von Stefan Backe

Marie-Therese von Langenn macht nicht den Eindruck einer beleidigten Leberwurst. Aber der Frust bei den Verantwortlichen des Kneipp-Vereins ist verständlich. Wer sich dermaßen für eine Wertschöpfung der gesamten Stadt eingesetzt hat, hätte nach dem niederschmetternden Aus am Schwaghof mehr Hilfe verdient gehabt. Zur Erinnerung: Es waren die damaligen Verantwortlichen des Staatsbads, die 2009 frei heraus bekannt hatten, den Kneipp-Gedanken zu schätzen, ihn aber aus Kapazitätsgründen nicht fördern zu können. Das alles haben die Ehrenamtlichen seitdem in beeindruckender Weise selbst auf die Beine gestellt.

So gesehen war das Engagement der Gruppe ein Sechser im Lotto – nicht umsonst hat es die Gesundheitslehre auch an zentrale Stelle im neuen Staatsbad-Konzept „Sole & Kneipp" geschafft. Wenn Kurdirektor Stefan Krieger jetzt die Bedeutung des Vereins hervorhebt und deren Macher verbal puckert, ist das ein wichtiges Signal. Zwar hat das Staatsbad das Thema Kneipp mittlerweile selbst unter seine Fittiche genommen – aber ganz ohne die Ehrenamtlichen wird es nicht funktionieren.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare