Komödie „Rosa Wolken“ beschert den Zuschauern einen Heidenspaß

Heidi Stork

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Rosa Wolken: In seiner herrlich schrägen Protestkostümierung will Alex (Chris David Gebert, links) erreichen, dass Leo (Hubertus Grimm) endlich Verantwortung übernimmt. - © Heidi Stork
Rosa Wolken: In seiner herrlich schrägen Protestkostümierung will Alex (Chris David Gebert, links) erreichen, dass Leo (Hubertus Grimm) endlich Verantwortung übernimmt. (© Heidi Stork)

Bad Salzuflen. So einen Heiligabend will wohl niemand in seinen eigenen vier Wänden erleben. Das ganze Jahr lebt man nebeneinander her, bis Weihnachten vor der Tür steht und in familiärer Runde ein Streitthema nach dem anderen aufs Tapet kommt.

Mit der Komödie „Rosa Wolken" legt das Ensemble der Theatergastspiele Fürth menschliche Schwächen zur Weihnachtszeit liebevoll auf den Gabentisch und bedient ganz beiläufig zahlreiche Klischees. Obwohl zum Brüllen komisch, greift das Stück jedoch gleichzeitig ein Thema auf, das sich im wahren Leben gar nicht so leicht anfühlt: Leo (Hubertus Grimm) und Alex (Chris David Gebert) sind ein schwules Paar, das sich nicht einigen kann, ob es ein Kind adoptieren will oder nicht. Zu allem Überfluss kündigen sich auch noch Leos Verwandte über die Feiertage an.

Drama-Queen-Schwester Nicola (Julika Wagner) setzt dem armen Alex dabei ebenso zu wie Leos zynische Mutter Edda (Johanna Liebeneiner), die ein Problem mit der gleichgeschlechtlichen Beziehung ihres Sohnes hat. Ganz zu schweigen von Papa Günther (Holger Franke), der den Kartoffelsalat seiner Frau noch nie mochte und ausgerechnet zu Weihnachten diese und weitere Bomben hochgehen lässt.

Meisterhaft bedient sich Autor Folke Braband in seiner spritzigen Komödie jeder Menge Klischees, die jedoch niemals flach oder lächerlich wirken. Das Publikum im voll besetzten Kur- und Stadttheater hatte sich schon nach wenigen Minuten in die absolut liebenswerten Charaktere der Schauspieler verliebt.

Hubertus Grimm gelang dabei der überzeugende Spagat zwischen der Figur des Leo und einer Moderatorenrolle, in der er dem Publikum Einblicke in sein Gefühlsleben gewährte und sie mit Hintergrundinformationen über die Protagonisten versorgte.

Chris David Gebert bediente einerseits mit einer herrlich schrägen Protestkostümierung das weit verbreitete Schwulenklischee, auf der anderen Seite kämpfte er überzeugend für Alex’ Kinderwunsch. Für weiteren Schwung sorgte Julika Wagner als Leos Schwester Nicola, die schwanger ist, aber nicht weiß, ob ihr italienischer Freund Fabio (Tobias Herrmann) die Freude darüber teilt. Wagners hysterischer Anfall brachte ihr nicht zuletzt wegen ihres unverständlichen Gebrabbels verdienten Szenenapplaus ein.

In einem reduzierten Bühnenbild von Angela Loewen, in dem ein gewaltige Deckenlampe, gespickt mit weißen Zetteln über einen rosafarbenen Weihnachtsbaum dominierte, ließ Regisseur Holger Berg vor allem die starken Charaktere des Ensembles wirken.

Nach einem mitreißenden Lametta-Rocktanz bedankte sich das begeisterte Publikum am Ende mit frenetischem Applaus für eine gelungene Weihnachtskomödie, die menschliche Schwächen ebenso offen legte wie übliche Klischees bediente.

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