Salzufler Ehrenamtler gründen Verein für „Betreuung und Hilfe im Alltag“

Stefan Backe

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Startklar: Susanne Freund, Vorsitzende des neuen Vereins „Betreuung und Hilfe im Alltag", und ihr Stellvertreter Hans-Dieter Berger warten in ihrem Büro im Schötmaraner Kiliansweg auf Anrufe oder Mails von Menschen, die sich für ihre Hilfe interessieren. - © Stefan Backe
Startklar: Susanne Freund, Vorsitzende des neuen Vereins „Betreuung und Hilfe im Alltag", und ihr Stellvertreter Hans-Dieter Berger warten in ihrem Büro im Schötmaraner Kiliansweg auf Anrufe oder Mails von Menschen, die sich für ihre Hilfe interessieren. (© Stefan Backe)

Bad Salzuflen-Schötmar. Sie kommen aus Vlotho, Lage, Lügde oder Extertal. Als Vereinssitz und Bürostandort haben sich die Mitglieder des neuen Vereins „Betreuung und Hilfe im Alltag" aber bewusst die Kurstadt ausgesucht. Hier hoffen die ausgebildeten Seniorenbegleiter auf viele Menschen zu treffen, die sich über ihr Angebot freuen: die Unterstützung von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen.

„Wir möchten durch unseren Einsatz Abwechslung und Lebensfreude in den Alltag bringen. Auch den Angehörigen möchten wir Freiräume schaffen, damit sie einmal abschalten oder etwas für sich machen können", betont Vorsitzende Susanne Freund. Der Verein verstehe sich als ein ehrenamtlicher Helferkreis, der durch stundenweise Betreuungs- und Entlastungsleistungen für die Betroffenen eine spürbare Unterstützung im häuslichen Bereich biete. Nicht zu verwechseln sei ihr Angebot allerdings mit einem Pflegedienst.

Information

Bürozeiten

Die Initiative „Betreuung und Hilfe im Alltag" hat ihr Büro unter dem Dach des Vereins „awb" gefunden. Insgesamt haben im Kiliansweg 7-9 sechs gemeinnützige Einrichtungen Räumlichkeiten gemietet. Das Büro von „Betreuung und Hilfe im Alltag" ist dienstags von 10 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 17 Uhr besetzt. Ein Kontakt ist zudem unter Tel. (05222) 96296561 sowie per Mail an info@betreuungundhilfe.de möglich. Weitere Informationen zum Verein gibt es auch im Internet: www.betreuungundhilfe.de

Gegenstand ihrer Tätigkeit sei vielmehr die Gestaltung eines Tagesablaufs wie zum Beispiel durch gemeinsames Kochen, Backen, Einkaufen oder Spaziergänge. Auch sei es Ziel, lieb gewonnene Hobbys der Menschen zu erhalten. So könne zusammen gesungen oder gespielt werden. Auch Handarbeiten oder Basteleien seien möglich. „Wir begleiten die Senioren auch außer Haus – zum Beispiel ins Theater, zu Gottesdiensten oder zu Nachbarschaftsbesuchen", berichtet Susanne Freund.

Kennengelernt haben sich die 20 Mitglieder nach ihren Worten bei einer Schulung zum offiziellen Seniorenbegleiter im Mehrgenerationenhaus Lemgo im vergangenen Jahr. Anschließend hatten einige schon bei anderen Initiativen mitgearbeitet. „Bei einem Nachtreffen kam dann aber die Idee auf, einen eigenen Verein zu gründen", berichtet die Vorsitzende. Mittlerweile seien die nötigen Anerkennungen durch die Bezirksregierung erfolgt, so dass „Betreuung und Hilfe im Alltag" durchstarten könne.

Der erste Besuch bei einer pflegebedürftigen Person werde dabei immer durch eine Fachkraft begleitet. Bei Menschen, die Leistungen von der Pflegekasse bekommen, kann der Verein bis zu 125 Euro im Monat erhalten. Damit sei es möglich, dass die Mitglieder einen geringen Stundenlohn erhalten könnten. „Ohne Pflegegrad arbeiten unsere Mitglieder vollkommen ehrenamtlich und bekommen dann vom Verein lediglich Spritgeld," erklärt Susanne Freund. Zudem würden hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Reinigen, Bügeln oder Gartenarbeiten angeboten. Diese Leitungen müssten allerdings selbst bezahlt werden.

„Gerade Bad Salzuflen hat ein großes Angebot"

Bad Salzuflen. Bad Salzuflen gilt gemeinhin als Rentner-Paradies. Entsprechend gibt es in der Kurstadt einige Vereine, die pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen Entlastung anbieten. Doch nicht immer fällt es den Betroffenen leicht, diese Hilfe auch anzunehmen.

„Es gibt sehr oft eine Hemmschwelle, zunächst fremde Menschen ins Haus und in seinen Alltag zu lassen", berichtet Doris Dreimann-Kehde auf Anfrage der LZ. Sie ist Beraterin im „Pflegestützpunkt Lippe" und in dieser Funktion auch zweimal in der Woche im Salzufler Rathaus tätig. Der „Pflegestützpunkt Lippe" entspringt einer Kooperation zwischen dem Kreis und der AOK und ist eine unabhängige Beratungsstelle für alle gesetzlich Versicherten. Doris Dreimann-Kehde hält die Angebote der verschiedenen Seniorenbegleiter-Initiativen für eine wertvolle Hilfe. Gerade Bad Salzuflen habe in diesem Bereich ein großes Angebot.

In der Tatsache, dass die nach eigener Aussage ehrenamtlichen Helfer für ihre Dienste doch Geld bekommen können, sieht sie keinen Widerspruch: „Die Mitglieder dieser Vereine bekommen in der Regel nur eine Aufwandsentschädigung. Davon kann niemand reich werden – und das soll auch nicht so sein." Ein ehrenamtlicher Helfer könne pro Jahr nur einen Höchstbetrag von 2400 Euro erhalten.

Hintergrund sei, dass eine Person mit anerkanntem Pflegebedarf beispielsweise Anspruch auf zusätzliche Entlastungsleistungen habe. So könnten 125 Euro pro Monat von ambulanten Pflegediensten, Vereinen oder Firmen abgerufen werden. „Oft kommt ein älterer Mensch zu Hause noch gut zurecht. Bei Dingen wie Gardinen waschen oder Einkaufen benötigt er aber Hilfe", sagt Dreimann-Kehde.

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