Syrisches Kind in Bad Salzuflen angeschossen - Ermittlungen laufen

Stefan Backe

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Polizei (© Symbolbild)

Bad Salzuflen-Schötmar. Die gute Nachricht zuerst: Der Dreijährige, der am späten Sonntagabend in Schötmar durch eine Luftgewehrkugel verletzt worden ist, konnte gestern aus dem Krankenhaus entlassen werden. Keine Erfolgsmeldung gab es dagegen bislang von den Ermittlern. Die Hintergründe sind weiter unklar.

Wie Oberstaatsanwalt Ralf Vetter gestern auf Anfrage der LZ berichtete, hatte sich der Zwischenfall am Sonntag gegen 22 Uhr ereignet. Nach Angaben der Eltern war die Familie, die aus Krefeld stammt, nach einer kurzen Besorgungsfahrt zu einem Privatgrundstück in der Nähe des Hit-Marktes zurückgekehrt. Beim Aussteigen aus dem Wagen habe der Dreijährige plötzlich aufgeschrien. Die Eltern entdeckten an dem nur dünn bekleideten Kind eine blutende Wunde an der Brust und fuhren selbstständig ins Klinikum Herford. Dort wurde dem Jungen eine Luftgewehrkugel entfernt.

Eine solche Verletzung ist für die Krankenhaus-Verantwortlichen meldepflichtig; anschließend rollte die Ermittlungsmaschinerie an. Aufgrund der besonderen Umstände wurde in Bielefeld eine Mordkommission gebildet. Da die betroffene Familie aus Syrien stammt, schaltete sich auch der Staatsschutz ein.

Nachbarn wurden befragt. Gestern wollte die Polizei auch noch einmal Kontakt mit dem verletzten Jungen aufnehmen. Konkrete Hinweise auf den Schützen habe man noch nicht, erklärte Ralf Vetter.

„Es muss aber niemand Sorge haben, dass jemand weiter wild um sich schießt und Anschläge verübt", sagte der Oberstaatsanwalt. So bemühte er zur Einordnung vergleichbare Fälle in Lippe. In der Regel würden Schüsse mit Luftgewehren oder ähnlichen Waffen von jüngeren Menschen abgefeuert. Eine solche Kugel könne schlimme Verletzungen verursachen – vor allem, wenn man unglücklich getroffen werde. „Aber meist durchschlagen die Projektile nicht die Kleidung – es sei denn, ein Schuss wurde aus kurzer Distanz oder aus einer illegalen Waffe abgefeuert."

Anhaltspunkte, dass der von der Familie geschilderte Tatablauf nicht den Tatsachen entspreche – es sich also möglicherweise um einen Unfall handelt –, liegen nach Auskunft von Ralf Vetter nicht vor.

Update: Wie sich herausgestellt hat, wurde der Schuss beim Hantieren mit einem Luftgewehr ausgelöst. Angehörige wurden vom Amtsgericht Lemgo wegen Vortäuschens einer Straftat verurteilt.

Information

Zwei Fälle in Holzhausen

Auch in der Salzufler Facebook-Gruppe hat der Vorfall gestern die Menschen bewegt. „Wieder in Holzhausen?", lautete dabei eine der Fragen.

Denn 2016 hatte ein unbekannter Täter im Salzufler Ortsteil offenbar gezielt auf spielende Kinder geschossen. Im April hatte ein Zwölfjähriger dabei einen Bluterguss am Gesäß davongetragen; im Juni erlitt ein Zehnjähriger eine Wunde am Hals.

Laut Oberstaatsanwalt Ralf Vetter sehen die Ermittler aber momentan keinen Zusammenhang mit dem Schuss in Schötmar.

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