Stadt Bad Salzuflen möchte über Anlieger entscheiden

Stefan Backe

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Heikle Angelegenheit: Um die künftige Entwicklung der ehemaligen Britensiedlung rund um die Königsberger Straße steuern zu können, will die Stadt das Areal zunächst kaufen. Dadurch soll später ein bunt gemischtes Wohngebiet entstehen. - © Stefan Backe
Heikle Angelegenheit: Um die künftige Entwicklung der ehemaligen Britensiedlung rund um die Königsberger Straße steuern zu können, will die Stadt das Areal zunächst kaufen. Dadurch soll später ein bunt gemischtes Wohngebiet entstehen. (© Stefan Backe)

Bad Salzuflen. Soll die Stadt die ehemalige Britensiedlung am Asenberg mit knapp 60 Häusern auf 31.500 Quadratmeter Fläche vom Bund kaufen, um die weitere Entwicklung dort selbst bestimmen zu können? An dieser Frage scheiden sich einige Geister. In der jüngsten Ratssitzung hat die Verwaltung allerdings ein klares Mandat in diese Richtung erhalten. Die Kritiker warnen dagegen vor hohen finanziellen Risiken.

Nachdem eine erste Veröffentlichung der Stadtverwaltung bei vielen Nachbarn zu Sorgen geführt hatte, die Britensiedlung verkomme zu einem weiteren Brennpunkt mit sozialem Wohnungsbau und hohem Migrantenanteil, waren viele Redner darum bemüht, noch einmal genau das Gegenteil zu verdeutlichen. Nur wenn die Stadt die Kontrolle über das Gebiet erlange, könne sie nach dem Auszug der meisten Flüchtlinge eine Fehlentwicklung verhindern. „Wir haben Straßen in der Stadt, wo Investoren Häuser gekauft haben und sie dann an 30, 40 Menschen vermietet haben. Das müssen wir verhindern", betonte SPD-Fraktionschef Eduard Böger.

Gegenstimmen kamen von FDP, Freien Wählern und dem freien Ratsherrn Friedrich-Wilhelm Biermann. Es sei nicht Aufgabe einer Kommune, ganze Gebiete zu erwerben – zumindest nicht so. Jürgen Riekehof (FDP) monierte, man kaufe die Katze im Sack zu einem überhöhten Preis. Im Gespräch sind derzeit 9,5 Millionen Euro. Zudem herrsche Unklarheit über den Sanierungsbedarf der Objekte. Monika Prüßner-Claus (FW) betonte, man könne die weitere Entwicklung in Verhandlungen mit der Bundesanstalt auch beeinflussen, ohne Besitzer zu sein.

Hans-Joachim Lücking (CDU) war da ganz anderer Meinung: „Ihre Vorstellung, die Häuser an private Investoren zu verkaufen und die weitere Entwicklung abzuwarten, wäre das Fatalste. Dann geht hier eine Rosinenpickerei los." Dem widersprach Friedrich-Wilhelm Biermann, der keine Konkurrenz fürchtet: „Dieses Gebiet mit dem Zustand der Häuser ist kein Sahnestück. Die Investoren werden nicht kommen. Das Angebot der Stadt sollte höchstens sechs Millionen Euro betragen."

Eduard Böger verteidigte das Vorhaben dagegen als auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Seine Rechnung: „Am Ende kann unter dem Strich sogar ein Gewinn stehen. Das Areal ist sehr wertvoll." Allerdings könne man nicht annehmen, dass die Bundesanstalt nur an „60 kleine Villenbesitzer" verkaufen werde.

Nachdem der Rat jetzt mehrheitlich dem Nachnutzungskonzept der Stadt als Verhandlungsgrundlage zugestimmt hat, sollen die Gespräche mit dem Bund nun intensiviert werden. Bürgermeister Roland Thomas geht davon aus, dass der Rat nach dem Sommer über einen konkreten Kaufvertrag entscheiden könnte. Im Erfolgsfall soll auf Drängen der SPD möglichst noch in diesem Jahr ein städtebaulicher Wettbewerb organisiert werden.

Wohnbedarf unter der Lupe

Einstimmig hat sich der Rat in seiner jüngsten Sitzung für eine Analyse und Steuerung des Wohnraumbedarfs in ganz Salzuflen ausgesprochen. Vorangegangen waren zwei Anträge der Piraten sowie von CDU/ SPD mit ähnlicher Stoßrichtung. Demnach ist die Stadtverwaltung zunächst mit der Prüfung von personellen Ressourcen zur Umsetzung von verschiedenen Projekten beauftragt worden. Eine Einschätzung darüber soll es noch vor der Sommerpause geben.

Zur Debatte steht dann anschließend ein Baulandmanagement. Dabei sollen auch „sozialstrukturelle Ziele" Berücksichtigung finden. Gefordert sind außerdem eine Sozialraumanalyse und -monitoring. Durch diese Maßnahmen sollen unter anderem Fehlentwicklungen erkannt und frühzeitig behoben werden. Gegenstand der Untersuchungen soll zudem eine Prognose für den Wohnungsbedarf sein.

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