Das Vorlesekino soll bundesweit starten

Bildung: Der Salzufler Dr. Johann Malcher ist mit seinem Projekt an Kita, Schule und Seniorenresidenz vertreten. Mit einer Genossenschaft will er es ausbauen und ist dafür für den Deutschen Lesepreis nominiert

Katrin Kantelberg

  • 0
Spaß an Geschichten: Laura (von links), Lasse, Loran und Leo freuen sich auf das Vorlesekino, dass Montessori-Kinderhausleiterin Corinna Korzitze-Frehe dank Dr. Johann Malcher anbieten kann. - © Katrin Kantelberg
Spaß an Geschichten: Laura (von links), Lasse, Loran und Leo freuen sich auf das Vorlesekino, dass Montessori-Kinderhausleiterin Corinna Korzitze-Frehe dank Dr. Johann Malcher anbieten kann. (© Katrin Kantelberg)

Bad Salzuflen-Schötmar. Lesen macht Spaß, weckt Phantasien und schult fürs Leben. So dieTheorie – in der Praxis haben immer weniger Kinder Lust auf Bücher. Mit dem Vorlesekino will Dr. Johann Malcher sie wieder zum Lesen verlocken. Dabei plant der 53-Jährige im großen Rahmen. Mit einer gemeinnützigen Bildungsgenossenschaft will er das Vorlesekino bundesweit etablieren und wurde für diese Idee bereits für den Deutschen Lesepreis 2017 nominiert.

Die Idee kam dem promovierten Verwaltungswissenschaftler im Kindergarten. Im Montessori-Haus kümmerte er sich um die Bücherei und wollte den Kleinen die Geschichten noch näher bringen. Daei setzt er auf das so genannte dialogische Lesen und hat dafür mittlerweile gut 15 ausgewählte Kinderbücher aufbereitet. Mit einer speziellen Software zoomt er einprägsame Bilder oder auch Motive heraus, die beim Vorlesen per Beamer an die Wand gestrahlt werden. Mit Audiodateien fügt er passende öne oder Lieder hinzu. Während er vorliest, betrachten die Kinder die Bilder und tauchen dabei, so hat Johann Malcher beobachtet, stärker in die Geschichten ein. Oft könnten sie noch nach Monaten anhand der Bilder die Geschichten nacherzählen.

Darüber hinaus nutzt Malcher Bildmotive oder auch Textstellen, um Hintergrundgeschichten einzubinden. „So haben wir in der Grundschule etwa Informationen zu Leonardo da Vinci und der Mona Lisa eingebunden. Bei einer anderen Geschichten nutzten wir Bildmotive, um auf die lippischen Auswanderer einzugehen."

Mittlerweile ist Johann Malcher mit seinem Vorlesekino nicht nur im Montessori-Kinderhaus und der Grundschule Wasserfuhr regelmäßig vertreten, auch in der Seniorenresidenz am Hoffmannspark unterhält er die Bewohner. Über Werbe-Bilder der vergangenen Jahrzehnte verschafft er sich hier einen ersten Zugang zu den altenMenschen, um dann mit ihnen gemeinsam zum Beispiel in die Welt des Grüffelo einzutauchen.

Mit einer Genossenschaft will der dreifache Vater sein Modell auf breitere Füße stellen. Dafür hofft er, nicht nur Eltern, Kitas, Schulen und Fördervereine, sondern vor allem auch Sponsoren aus Unternehmen für sein Projekt zu gewinnen. „Die Lesebildung kommt ihnen letztlich bei den Auszubildenden wieder zugute."

Ziel ist es, geeignete Bücher professionell fürs Lesekino aufzuarbeiten, so dass die Vorleser auf eine breite Datenbank zurückgreifen und sofort starten könnten. Wichtig sei es dabei, das Vorlesekino in Schulen und Kitas als regelmäßige Einrichtung zu etablieren. „Dabei sollten die Vorleser – gerne auch Männer – von außen kommen, damit Lehrer und Erzieherinnen die Möglichkeit haben, zu beobachten, wie die Kinder reagieren."

Noch in diesem Jahr möchte Dr. Johann Malcher die Genossenschaft für das Lesekino gründen. Für die Startphase hofft er auf das Preisgeld des Deutschen Lesepreises. Auf Spendenplattformen und in direkter Ansprache will er Unternehmer und Vorleser gewinnen. Auch an lokale Koordinationsstellen hat er gedacht und hofft, zum Beispiel Büchereien einbinden zu können.

Langfristig, so die Vision des Neu-Schötmaraners, könnten dann Kinder und Senioren in ganz Deutschland vom Vorlesekino profitieren.

Information
Lesestiftung hält Projekt für preiswürdig

36 Projekte in vier Kategorien umfasst die Liste der Anwärter für den Deutschen Lesepreis 2017, der von der Initiative Lesen und der Commerzbank-Stiftung ausgeschrieben wird. In der Kategorie "Ideen für morgen" ist Dr. Johann Malcher mit seiner Initiative "Vorlesekino" nominiert. Das Preisgeld beträgt 6000 Euro. Das Vorlesekino sei umso wichtiger, da die Fähigkeit zu lesen elementar sei, schreibt die Stiftung Lesen. Kinder und Jugendliche, die regelmäßig zu Buch oder E-Book greifen, verstehen laut Untersuchungen komplexe Sachverhalte besser als Altersgenossen mit weniger Leseerfahrung. Zudem begegnen sie anderen Menschen meist mit mehr Empathie und könnten ihre Anliegen besser formulieren.

Dennoch weisen Studien große Defizite bei der Lesekompetenz deutscher Kinder nach. So verfügten 16,2 Prozent der 15-Jährigen nur über eine sehr schwache Lesekompetenz. Darüber hinaus seien in Deutschland 7,5 Millionen Erwachsene funktionale Analphabeten, so die Stiftung.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!