Video: Das denkt Bad Salzuflen über den Verkehrsversversuch

Sven Kienscherf

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Redakteur Tomas Reineke, Technischer Beigeordneter Bernd Zimmermann und Lars Wolfmeier vom Fachdienst Tiefbau (hinten von links) diskutieren vor dem Krippenhäuschen auf dem Salzhof. - © Sven Kienscherf
Redakteur Tomas Reineke, Technischer Beigeordneter Bernd Zimmermann und Lars Wolfmeier vom Fachdienst Tiefbau (hinten von links) diskutieren vor dem Krippenhäuschen auf dem Salzhof. (© Sven Kienscherf)

Bad Salzuflen. Welche Erfahrungen haben die Bad Salzufler bisher mit der erweiterten Fußgängerzone gemacht? Was finden sie gut, was schlecht? Welche Bilanz ziehen die Verkehrsplaner? Moderiert von Redakteur Thomas Reineke stellten sich Bernd Zimmermann und Lars Wolfmeier von der Stadtverwaltung Fragen und Kritik des Publikums. Die Mobile Redaktion hatte auf dem Salzhof Station gemacht.


Seit fast fünf Monaten läuft der Verkehrsversuch, seitdem ist die Innenstadt inklusive Osterstraße Fußgängerzone. Technischer Beigeordneter Bernd Zimmermann zieht eine positive Bilanz: „Wir haben intensive Diskussionen in der Stadtgesellschaft erlebt, die Politik hat nun eine gute Entscheidungsgrundlage." In der kommenden Woche entscheidet der Rat, ob es bei der jetzigen Regelung bleibt.

Lars Wolfmeier, Verkehrsexperte vom Fachdienst Tiefbau, berichtete, dass es sehr gemischte Reaktionen auf den Verkehrsversuch gebe, positive wie negative.

"Ich fühle mich abgehängt"

Eine Frau aus dem Publikum kritisierte, dass Menschen mit Rollator nicht kilometerweit laufen könnten, um zum Arzt zu kommen. Wenn ihre Tochter ihr Einkäufe in die Wohnung am Salzhof bringe, bekomme sie beim Parken sogleich ein Knöllchen. „Ich fühle mich abgehängt", sagte sie.

Lars Wolfmeier wies daraufhin, dass viele Menschen versäumten, sich einen Behindertenausweis ausstellen zu lassen, zudem habe die Stadt bisher 120 Ausnahmegenehmigungen erteilt. „Wir versuchen immer, eine Lösung zu finden", so Wolfmeier. Er räumte aber ein, dass das nicht in jedem Fall gelinge. Ein Zuschauer sagte, es sei weltfremd zu glauben, dass sich jemand mit einem gebrochenen Bein eine Ausnahmegenehmigung hole, bevor er zum Arzt fahre. Er befürchte, dass Ärzte die Innenstadt verlassen, wenn dort dauerhaft die Fußgängerzone eingerichtet werde.Er selbst besitze dort ein Haus, ein Arzt, der dort seine Praxis hatte, habe bereits gekündigt. „In der Osterstraße gibt es Leerstand über Leerstand", meinte er weiter. Er regte an, die Innenstadt nur abends für den Verkehr zu sperren.

"Die Vorteile sind größer als die Nachteile"

Eine Geschäftsinhaberin aus der Osterstraße berichtete dagegen, die Fußgängerzone sei ein Gewinn für die Stadt. „Die Vorteile sind größer als die Nachteile", meinte sie. Andere Geschäftsinhaber sehen das anders: Um die 30 Einzelhändler hatten sich während des Verkehrsversuchs gegen die erweiterte Fußgängerzone ausgesprochen.

Ein Zuschauer sagte, dass es in anderen lippischen Städten wie Detmold und Lemgo auch nicht möglich sei, mit dem Auto einfach in die Innenstadt zu fahren. „Die Fußgängerzone ist sehr schön geworden", meinte er. Auch um den Radverkehr ging es: Seit in der Innenstadt die Fußgängerzone ausgeweitet worden ist, können dort mit Ausnahme eines Teilstücks der Langen Straße auch Radler fahren. Bisher seien keine schwereren Unfälle zu vermelden gewesen, sagte Lars Wolfmeier. Für Radfahrer gelte eigentlich Schrittgeschwindigkeit, in der Praxis sei das aber nicht immer durchzuhalten.

Laut Rechtsprechung seien auch 10 bis 15 Stundenkilometer Ordnung. „Radfahrer müssen aber beachten, dass Fußgänger immer Vorrang haben", betonte Wolfmeier. Am Schluss der Veranstaltung sprach sich die Mehrzahl der Zuschauer per Handzeichen für die größere Fußgängerzone aus. Angesichts der Kritik, die geäußert worden war, fasste Redakteur Thomas Reineke zusammen: „Es gibt eine Zustimmung, allerdings mit einem großen Aber."

Am Donnerstag, 12. Dezember, entscheidet der Rat über die künftigen Regelungen (17 Uhr, Netzwerk der Stadtwerke, Uferstraße 13). Neben der aktuellen Lösung steht eine abgespeckte Variante zur Abstimmung, in der Osterstraße und die Straße Am Markt wieder für Autos freigegeben werden.

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