ICE-Trasse: Ausbau im Bestand in Herford möglich

Thomas Reineke und Ulf Hanke

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Ein Zug fährt in den Herforder Bahnhof ein. Dieser müsste um einige Gleise erweitert werden, sollte die ICE-Strecke Bielefeld-Hannover im Bestand ausgebaut werden, was viele Anwohner einer möglichen Neubaustrecke durch Bad Salzuflen befürworten dürften. - © Natalie Gottwald
Ein Zug fährt in den Herforder Bahnhof ein. Dieser müsste um einige Gleise erweitert werden, sollte die ICE-Strecke Bielefeld-Hannover im Bestand ausgebaut werden, was viele Anwohner einer möglichen Neubaustrecke durch Bad Salzuflen befürworten dürften. (© Natalie Gottwald)

Herford/Bad Salzuflen. Die ICE-Trasse könnte offenbar ohne größere Schwierigkeiten auf der bestehenden Eisenbahnstrecke in Herford ausgebaut werden. Das berichtet der Baudezernent der Nachbarstadt, Peter Maria Böhm, auf Nachfrage dieser Zeitung nach einem Regionaltreffen mit Planern der neuen Zugverbindung. Die Deutsche Bahn hatte jüngst einem ausgewählten Kreis von Teilnehmenden aus dem Kreis Herford unter Ausschluss der Öffentlichkeit erstmals vorgestellt, was ein Ausbau der bestehenden Gleise nach den Kriterien des Bundesverkehrsministeriums bedeuten würde.

Demnach stehen einem Ausbau der Strecke wohl keine Wohnhäuser oder Firmengebäude in der Nachbarstadt im Weg. Auf den Plänen, die die Bahn präsentierte, wurden Gebäude durch die erweiterte Trasse nicht durchkreuzt. Allerdings sei für ganz Herford nur eine Grafik vorbereitet worden, berichtet Böhm. Die Auflösung also denkbar grob.

Bestandsstrecke versus Neubautrasse

Die Bahn-Planer gehen von einem Querschnitt von 32,50 Metern für vier Gleise auf freier Strecke aus. Darin enthalten wäre ein deutlich verbesserter Lärmschutz für die Anwohner an der Bahnstrecke und neue Strommasten. „Ich habe auf dem Gebiet der Stadt Herford keine K.O.- Kriterien für den Ausbau erkennen können“, sagte Peter Böhm. Der Bahnhof Herford selbst müsste jedoch womöglich erweitert werden. Diese Vorstellung trifft sich mit Plänen für eine S-Bahn für Ostwestfalen-Lippe, bei der Herford zu einem wichtigen Umsteigebahnhof würde. Sollte die ICE-Strecke auf Herforder Gebiet im Bestand ausgebaut werden, wäre eine aufwendige und teure Neubautrasse durch Lockhausen, Ahmsen, an der Elkenbrede vorbei und mit einem Tunnel durch den Obernberg obsolet.

Allerdings gibt es Zweifel daran, dass ein Ausbau im Bestand die Fahrtzeit zwischen Bielefeld und Hannover so weit verringert, dass der neue Deutschlandtakt eingehalten wird. Weitere Prüfungen dürften daher folgen.

Im Herbst gibt es "Korridore"

Für den kommenden Herbst haben die Planer der Deutschen Bahn AG die Vorstellung von konkreten Trassenalternativen angekündigt. Diese dürften laut DB noch einen rund 1000 Meter breiten Korridor aufweisen. Auf der Strecke Bielefeld-Hannover sollen ICE-Züge künftig mit bis zu 300 Stundenkilometern unterwegs sein – und das auch auf längeren Abschnitten.

Im vergangenen Januar hatte die Bürgerinitiative „WiduLand“ eine Alternativplanung für die ICE-Strecke vorgestellt. Diese würde weitestgehend auf der Bestandsstrecke verlaufen und Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern erlauben. Laut der Studie würde die „WiduLand“-Variante, die nicht über Bad Salzufler Gebiet führen würde, eine Fahrtzeit von Bielefeld nach Hannover von 41 Minuten ermöglichen – bei deutlich weniger Ausbaukosten und kleineren Eingriffen in die Natur als bei einer Neubautrasse. Aktuell benötigen die ICE-Züge, wenn sie denn pünktlich sind, 48 Minuten von Bielefeld nach Hannover oder in die andere Richtung.

Bis zu 300 Stundenkilometer schnell

Der von der Politik beschlossene „Deutschlandtakt“ gibt allerdings bisher eine Fahrtzeitverkürzung auf 31 Minuten vor. Dies ist nur durch einen Ausbau des Streckenabschnitts Hamm-Bielefeld für 300 Stundenkilometer und eine Neubaustrecke für ebenfalls bis zu 300 Stundenkilometer zwischen Bielefeld-Brake und Seelze vor den Toren Hannovers möglich.

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