Legionellen-Befall in mehreren Salzufler Turnhallen

Stadtverwaltung will Gesundheitsgefahr künftig eindämmen

Von Stefan Backe

Auch Hausmeister Wolfgang Prüßner muss an der Grundschule Knetterheide regelmäßig einige Duschen betätigen, um die Vermehrung von Legionellen zu verhindern. - © Foto: Backe
Auch Hausmeister Wolfgang Prüßner muss an der Grundschule Knetterheide regelmäßig einige Duschen betätigen, um die Vermehrung von Legionellen zu verhindern. (© Foto: Backe)

Bad Salzuflen. Energiesparen ist das Gebot der Stunde - der Umwelt und dem Geldbeutel zuliebe. In Salzuflen werden städtische Hausmeister künftig aber Wasser verschwenden, um die Gesundheit der Sportler zu schützen.

Die neue Trinkwasserverordnung hatte es ans Licht gebracht. Ein von der Stadtverwaltung beauftragtes Spezialinstitut hatte bei geforderten Untersuchungen festgestellt, dass es in einigen Turnhallen und Schulgebäuden in Salzuflen zu viele Legionellen in den Wasserleitungen gibt. Betroffen waren demnach beispielsweise die Duschen in den Hallen im Schulzentrum Lohfeld, an den Grundschulen Knetterheide und Holzhausen sowie das Gebäude und die Turnhalle im Schulzentrum Aspe. Mittlerweile sind alle kurzfristigen Sperrungen wieder aufgehoben. Wie die Verwaltung mitteilt, haben die erforderlichen Nachuntersuchungen durchweg befriedigende Ergebnisse erbracht.

Fachdienstleiter Dietmar Wohlan sieht denn auch keinen Grund zur Panik. Das Grundproblem allerdings müsse man konsequent angehen. Schließlich kann vor allem mit Legionellen belasteter Wasserdampf schwere bis tödliche Lungenprobleme auslösen.

Als Ursache der Verunreinigung sieht Dietmar Wohlan vor allem zwei Gründe. Da wäre zum einen der geringe Verbrauch, da sich Legionellen vor allem in selten genutzten Leitungen bilden können. Ein zweiter Grund sind zu geringe Temperaturen. Zwischen 30 und 45 Grad vermehren sich Legionellen prächtig. Bei mehr als 60 Grad verabschieden sie sich aber in den Bakterien-Himmel. Das Problem: Nicht alle Einrichtungen hatten in der Vergangenheit eine entsprechende Vorlauftemperatur.

Letzteres hatte Energiespargründe, war aber auch der teils alten Technik geschuldet. Dietmar Wohlan: "Moderne Anlagen fahren automatisch einmal pro Woche richtig hoch. In vielen Hallen geht das aber nicht." Und würde man die Temperatur dauerhaft heiß lassen, drohe unbedarften Duschern eine Verbrühung. Hier setzt die Stadtverwaltung nun auf die Hausmeister. Sie sind angewiesen worden, die Warmwasseraufbereitung einmal die Woche richtig anzuheizen. Außerdem müssen sie Hähne, die nicht regelmäßig genutzt werden, ebenfalls wöchentlich öffnen. Dann heißt es nach einem genau festgelegten Spülplan jeweils für drei Minuten: Wasser marsch!

Sorgen bereitet Dietmar Wohlan dabei der erhöhte Personal- und Ressourceneinsatz. Daher ist es aus seiner Sicht unerlässlich, in den politischen Gremien auch hier und da über den Rückbau von Entnahmestellen zu diskutieren: "Wir sind gezwungen, alte Leitungen, die kaum genutzt werden, ganz vom Wassersystem abzuklemmen. Nur so können wir die Sicherheit dauerhaft gewährleisten."

100.000 Fälle im Jahr:

Legionellen sind bewegliche Stäbchenbakterien. Erkrankungen mit Legionellen treten in zwei unterschiedlichen Verlaufsformen mit Begleiterscheinungen wie Unwohlsein, Fieber, Kopf-, Glieder-, Thorax-Schmerzen, Husten, Durchfälle und Verwirrtheit auf. Die eigentliche "Legionärskrankheit" zeigt sich in einer schweren Lungenentzündung, die unbehandelt in bis zu 20 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Beim weitaus häufiger vorkommenden "Pontiac-Fieber" handelt es sich um eine fiebrige, grippeähnliche Erkrankung, die meist ohne Lungenbeteiligung binnen weniger Tage abheilt. Das bayerische Gesundheitsamt schätzt, dass in Deutschland jährlich mindestens 100.000 Erkrankungen vorkommen. Allgemein erkranken Männer mehr als doppelt so häufig wie Frauen. Als Hauptinfektionsweg gilt das Einatmen erregerhaltiger, lungengängiger Aerosole aus dem Warmwasserbereich.
www.lgl.bayern.de/gesundheit/hygiene/wasser/legionellen.htm

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