Vor 50 Jahren rollte die Kleinbahn ins Abseits

Am 4. November 1962 wurde der Betrieb auf der Strecke zwischen Vlotho und Herford eingestellt

Von Stefan Backe

Kleinbahn rollte vor 

50 Jahren ins Abseits - © Salzuflen
Kleinbahn rollte vor 50 Jahren ins Abseits (© Salzuflen)

Bad Salzuflen. Wo sich heute Fußwege durch die Innenstadt oder den Landschaftsgarten schlängeln, herrschte früher reger Verkehr. Doch an die Kleinbahn, die einst durch Salzuflen rollte, erinnert kaum noch etwas.

Das traurige Jubiläum - der Betrieb der Strecke zwischen Vlotho und Herford war am 4. November 1962 eingestellt worden - will Albert Siegert nutzen, um ein Stück Salzufler Geschichte in Erinnerung zu rufen. Der Ehrenvorsitzende der Heimatfreunde Wüsten weiß, wovon er spricht. Hatte er in seiner Jugend und Lehrzeit doch selbst regelmäßig die Kleinbahn benutzt, die er für die damalige Zeit als "Verkehrsader von Unter-Wüsten" bezeichnet. In zahlreichen Gesprächen mit weiteren Zeitzeugen und mithilfe von Fachliteratur hat er die wesentlichen Details rekonstruiert.

Die Kleinbahn als Postkartenmotiv: Das Foto zeigt die Haltestelle Loose in ihrem Zustand gegen Ende der 1930er Jahre. Die Schienen waren oft direkt auf oder neben den Straßen verlegt worden. - © Foto: Sammlung Dr. Stefan Wiesekopsieker
Die Kleinbahn als Postkartenmotiv: Das Foto zeigt die Haltestelle Loose in ihrem Zustand gegen Ende der 1930er Jahre. Die Schienen waren oft direkt auf oder neben den Straßen verlegt worden. (© Foto: Sammlung Dr. Stefan Wiesekopsieker)

Demnach war die Herforder Kleinbahn zwischen 1900 und 1903 in verschiedenen Streckenabschnitten gebaut worden. Bad Salzuflen passierten die Waggons regelmäßig auf ihrem Weg zwischen dem Weserhafen in Vlotho und Herford. "Die Kleinbahn wurde im Volksmund auch Straßenbahn genannt, weil die Schienen oftmals direkt auf den Straßen verlegt worden waren", erklärt Albert Siegert.

Nach Siegerts Angaben befanden sich auf Salzufler Stadtgebiet sechs Haltestationen: am Lindenkrug zwischen Autobahn und heutigem Kreisel an der Herforder Straße, am Kleinbahnhof an der Herforder Straße (heute Großparkplatz), an der ­Roonstraße, am Kurpark (heute Parkhaus), an der Haltestelle Forsthaus (heute "VitaSol") und an der Loose.

"Die Bahn diente hauptsächlich dem Personenverkehr", weiß Albert Siegert. Viele Berufstätige seien auf diese Art zu ihren Arbeitsplätzen gefahren - aber auch Schüler, die beispielsweise zu den weiterbildenden Schulen nach Herford mussten, waren regelmäßig an Bord. "Viele Kurgäste fuhren mit der Kleinbahn zum Kaffeetrinken zur Loose oder zum Krautkrug", erzählt der 78-jährige Hobby-Historiker.

Neben dem Personenverkehr hätten aber auch Güterzüge die Strecke genutzt - einige Salzufler Firmen hatten dafür einen eigenen Gleisanschluss. Wo sich heute ein Parkplatz an der Straße vom Schwaghof nach Steinbeck befindet, habe es früher beispielsweise eine Verladestation für Zuckerrüben gegeben.

Mit der Zunahme von Motorrädern, Pkw und Bussen sei die Rentabilität der Kleinbahn immer schlechter geworden. Als 1962 zudem Nutzungsverträge zwischen Lippe und Herford ausgelaufen seien, habe man den Betrieb eingestellt. Die Schienen wurden anschließend recht schnell abgebaut.

Fahrt durch militärisches Sperrgebiet
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Haltestelle Roonstraße nicht mehr zu nutzen, da die alliierten Besatzungsmächte Teile des Salzufler Kerngebiets beschlagnahmt hatten: So fuhr die Kleinbahn auf der heutigen Rat-Hasse-Promenade durch einen mit Stacheldraht eingezäunten Korridorstreifen. Weitere Folge des Krieges war die Rückkehr zum Dampfantrieb.

Eigentlich war die Kleinbahn in den 1920er und 1930er Jahren nach und nach elektrifiziert worden. Als im Krieg eine Trafostation in Herford durch einen Luftangriff schwer beschädigt worden war, mussten bis zur Reparatur wieder Dampfloks vorgespannt werden. Der Verlauf der ehemaligen Kleinbahn in Salzuflen ist heute noch durch die Rat-Hasse-Promenade und die Nussallee sichtbar. Im Landschaftsgarten folgt ein Fußweg durch die Wiesen von Gut Steinbeck dem alten Schienenverlauf.

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