Ehemalige Friseurin schreibt jetzt Kinderbücher, Thriller und Drehbücher

Marlen Schäfer startet mit 65 Jahren neu durch

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Friseurin schreibt Kinderbücher und Thriller - © Salzuflen
Friseurin schreibt Kinderbücher und Thriller (© Salzuflen)

Bad Salzuflen (jcp). Marlen Schäfer hat mehrere Jahrzehnte im Friseursalon gearbeitet, ehe sie ihren Beruf unfreiwillig aufgeben musste. Nun will die 65-jährige Rentnerin in einem ganz anderen Bereich durchstarten.

Nach drei veröffentlichten Büchern arbeitet sie derzeit an einem Thriller-Drehbuch mit TV-Potenzial. Marlen Schäfer ist sich bewusst, dass man die Entwicklung von der Friseurin zur Autorin nicht unbedingt erwarten würde. "Mein Beruf galt früher als ein bisschen primitiv", sagt Schäfer. Heute sei das aber nur noch ein Klischee, da Frisieren mittlerweile als künstlerisches Handwerk betrachtet werde.

Gerne hätte ihr Vater sie früher als Nachfolgerin in seiner Textilfirma gesehen. Doch seitdem die gebürtige Mönchengladbacherin mit vier Jahren zum ersten Mal mit ihrer Mutter zum Friseur gegangen war, stand ihr Berufswunsch fest. Marlen Schäfer übte den Friseurberuf lange Jahre erfolgreich aus - zunächst in ihrer Heimatstadt, später mit einem eigenen Salon im Hotel Schwaghof in Bad Salzuflen. Seit 1991 lebt sie mit ihrem Mann in der Kurstadt.

Fürs LZ-Foto ist Marlen Schäfer noch einmal in ihren ehemaligen Salon im Hotel Schwaghof zurückgekehrt. Vor einem Jahr hat sie ihren alten Beruf endgültig aufgeben müssen. - © Foto: Gerstendorf-Welle
Fürs LZ-Foto ist Marlen Schäfer noch einmal in ihren ehemaligen Salon im Hotel Schwaghof zurückgekehrt. Vor einem Jahr hat sie ihren alten Beruf endgültig aufgeben müssen. (© Foto: Gerstendorf-Welle)

Vor vier Jahren dann die bittere Nachricht: Die Ärzte teilten der heute 65-Jährigen mit, dass sie aus medizinischen Gründen ihren Friseurberuf aufgeben müsse. Die Chemikalien schadeten ihrer Gesundheit. Für die rheinische Frohnatur ein großer Schock. Ein Dasein als Rentnerin kam für sie nicht in Frage. "Ich muss immer etwas für das Hirn tun", betont sie. Bereits Mitte der 1990er Jahre hatte Schäfer ihre Leidenschaft für das Schreiben entdeckt. Dennoch galt die Schriftstellerei mit ihrem Beruf als unvereinbar.

Doch 2009 sah die Sache anders aus - und Schäfer entschied sich, ihrer zweiten Leidenschaft mit ganzer Kraft nachzugehen. Sie besuchte den Fernlehrgang "Belletristik" an der Schule des Schreibens in Hamburg und wechselte 2011 an das ebenfalls dort ansässige Institut für Lernsysteme. Ihr Studium, in dem sie sich mit Themenfindung, dramatischen Strukturen und der Ausarbeitung von Figuren auseinander setzte, schloss sie mit der Note "gut" ab. Noch währenddessen erschien ihr Buch "Mademoiselle Madlen", in dem sie in 14 Geschichten von entlaufenen Sträflingen, Wirtschaftsverbrechen, rücksichtslosen Räubern und anderen negativen Begebenheiten erzählt.

Das Studium hatte Schäfer viel Freude bereitet; im Schreiben vergaß sie fast, dass sie ihren geliebten Beruf aufgeben musste. Es gab ihr außerdem unverhofft Kraft und Trost - denn auch privat hatte sie mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen. Jahrelang hatte sie ihre demenzkranke Mutter gepflegt. In der Geschichte "Der stille Schrei", die ebenfalls in einem Buch enthalten ist, berichtet sie von ihren Erfahrungen. Vor einem Jahr starb ihr jüngerer Bruder mit 61 Jahren plötzlich an Krebs. Das in dieser Zeit entstandene Kinderbuch "Carlo & Susi", das von den Erlebnissen einer Bulldogge und einer Yorkshire-Hündin handelt, ist ihm gewidmet.

"Wenn ich traurig war, habe ich etwas Lustiges geschrieben", berichtet Schäfer. Nun arbeitet sie an einem neuen Projekt. Sie schreibt am Drehbuch zu einem Thriller, der in Frankfurt, Kairo und auf der Halbinsel Sinai spielt. Die Salzuflerin weiß nicht, ob sie irgendwann mit ihrem neuen Schaffen großen Profit machen wird. Doch sie hat sich schon einmal bei TV-Sendern beworben und auch Theaterhäuser kontaktiert.

Marlen Schäfer bietet im März im Hotel Schwaghof sowie im Herbst an der VHS Lage Einführungsseminare im Drehbuchschreiben an.

Kontakt: marlen.schaefer11@web.de

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