Nach Insulin-Überdosis: Vier Jahre Haft für genervte Altenpflegerin

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Vier Jahre Haft für genervte Altenpflegerin - © Salzuflen
Vier Jahre Haft für genervte Altenpflegerin (© Salzuflen)

Detmold/Bad Salzuflen. Eine 48-jährige Altenpflegerin aus Salzuflen ist am Mittwoch zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden, weil sie einer 97-jährigen Altenheim-Bewohnerin eine Überdosis Insulin gespritzt hatte. Die Seniorin überlebte nur knapp und lebt nun in einem anderen Altenheim.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Pflegerin wegen versuchten Mordes angeklagt. Das Gericht sprach sie lediglich der gefährlichen Körperverletzung schuldig.

Der Vorfall ereignete sich am Nachmittag des 14. August 2012 in einem Altenheim in Bad Salzuflen. Laut Staatsanwaltschaft war die Angeklagte von dem ständigen Schreien und dem erhöhten Bedarf an Aufmerksamkeit der dementen, bettlägerigen Seniorin genervt und unternahm deshalb einen Tötungsversuch unternahm. Sie soll der 97-Jährigen, die nicht zuckerkrank ist, eine "extrem hohe Dosis" Insulin gespritzt und mit einer tödlichen Wirkung gerechnet
haben.

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(© Foto: Buhrmester)

Stattdessen trat lediglich eine Unterzuckerung ein. Kurz vor dem Ende ihrer Schicht alarmierte die Altenpflegerin dann aber die Notärztin. Die 97-Jährige konnte gerettet werden, musste aber mehr als eine Woche lang auf der Intensivstation eines Herforder Klinikums behandelt werden.

In der Folge soll die Angeklagte durch anonyme Schrei­ben und ihre Angaben gegenüber der Polizei versucht haben, den Verdacht von sich auf die stellvertretende Pflegedienstleiterin und eine andere Kollegin abzulenken. Am ersten Verhandlungstag flog der Schwindel allerdings auf.

Bezüglich der Verabreichung des Insulins hatte die Salzuflerin im Ermittlungsverfahren bereits ein Geständnis abgelegt. Dieses zog sie nun zurück. Die Begründung: Sie habe das nur gesagt, um aus der Haft entlassen zu werden.

Eines stand nach der Zeugenanhörung, bei der neben der Notärztin und dem behandelnden Arzt aus Herford auch Sachverständige der Universitäten Münster und Bonn gehört wurden, laut Richter Michael Reineke jedoch fest: Der Nicht-Diabetikerin wurde Fremdinsulin gegeben. Es habe Tage gedauert, bis sich die 97-Jährige davon erholt hätte.

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