Zwei Monate auf der Flucht: Wo ist Gefängnisinsasse Daniel Vojnovic?

Friderieke Schulz

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Vor zwei Monaten floh Daniel Vojnovic durch das Badezimmerfenster seines Elternhauses. Es war die erste Ausführung ohne Handschellen. - © Pixabay
Vor zwei Monaten floh Daniel Vojnovic durch das Badezimmerfenster seines Elternhauses. Es war die erste Ausführung ohne Handschellen. (© Pixabay)

Bad Salzuflen/Werl. Vor zwei Monaten ist der Gefängnisinsasse Daniel Vojnovic bei einem Besuch bei seinen Eltern in Bad Salzuflen aus seinem Elternhaus geflohen. Seitdem ranken sich zahlreiche Spekulationen um die Flucht des 31-Jährigen. Eine konkrete Spur fehlt aber nach wie vor. Doch die Flucht des Deutsch-Serben hat Spuren hinterlassen.

"Nein, es gibt nichts Neues." Die Antwort von Polizeisprecher Stefan Tiemann auf die Frage nach Daniel Vojnovic fällt knapp aus. Trotz erweiterter Bemühungen der Beamten gibt es laut Tiemann keine Hinweise auf den Verbleib von Vojnovic. Gefahndet wird in Deutschland und im europäischen Ausland. Vor allem den Balkan haben die Beamten im Blick.

Denn dorthin, so wird spekuliert, könnte der als unberechenbar geltende Vojnovic geflohen sein. Dass er Verbindungen in den Balkan hat, ist unbestritten. Seine Eltern stammen aus Kroatien. Der 31-Jährige ist in Deutschland geboren, kennt das Gebiet aber aus Urlauben. Doch bei den Verwandten vor Ort hat er sich bislang offenbar nicht gemeldet.

Vojnovic hat Verbindungen in den Balkan

Wird noch immer gesucht: Der Entflohene Daniel Vojnovic. - © Polizei NRW
Wird noch immer gesucht: Der Entflohene Daniel Vojnovic. (© Polizei NRW)


Vojnovics Eltern halten den Kontakt zur Polizei und der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Werl, in der der 31-Jährige in der Sicherheitsverwahrung saß. Bis heute sind die Eltern davon erschüttert, dass ihr Sohn das gute Verhältnis zu ihnen für die Flucht ausgenutzt hat.

Seine Flucht wirkt sich auch auf die Arbeit in der JVA aus. Noch immer ist sie eines der häufigsten Gesprächsthemen zwischen Insassen und auch unter den Bediensteten, heißt es. Gegen zwei von ihnen, die Vojnovic Mitte März bei seiner Ausführung begleitet hatten, laufen Diziplinarverfahren. Ob sie sich wegen eines Dienstvergehens verantworten müssen, ist noch nicht geklärt. "Der Vorfall hat uns alle sensibilisiert", erklärt JVA-Leiter Jörg-Uwe Schäfer. Alle Entscheidungen bezüglich des 31-Jährigen seien mehrfach auf den Prüfstand gestellt worden.

Und obwohl bis heute kein Hinweis auf eine bevorstehende Flucht gefunden wurde, haben die Bediensteten bereits eine Konsequenz auf dem Fall gezogen. "Die jungen Männer im Alter von Daniel Vojnovic kommen mit der unbefristeten Freiheitsentziehung nicht klar. Ihr Freiheitsdrang ist stark, deshalb werden sie von uns nun anders beobachtet", sagt Schäfer.

"Junge Insassen haben einen größeren Freiheitsdrang"

Waren es früher vor allem ältere Insassen in der Sicherheitsverwahrung, ist die Altersstruktur seit der Reform deutlich heterogener geworden und Fälle wie Vojnovic, der nach drei Jahren und acht Monaten Regelvollzug in die Sicherheitsverwahrung gekommen ist, werden häufiger. Dort treffen sie dann auf die älteren Insassen, die laut Schäfer oft nicht kooperativ seien und mit ihrer Einstellung die Jüngeren häufig runterziehen würden.

An Spekulationen über den Verbleib von Vojnovic will sich Schäfer nicht beteiligen. Doch natürlich sind auch ihm Verbindungen in den Balkan bekannt. "Und ich kann mir auch vorstellen, dass er dort vielleicht sogar unbehelligt leben kann." Aber ob er das wirklich tut und will, sieht der Leiter fragwürdig. "Ich wüsste auch nicht, wo ich dort nach ihm suchen sollte. Wir haben den Haftraum mehrfach auf den Kopf gestellt und nur Hinweise auf Kontakte in die Bundesrepublik Deutschland gefunden", sagt Schäfer. Der Leiter hofft ebenso wie die Polizei weiterhin auf zielführende Hinweise. Denn bislang ist Vojnovic mitsamt dem entwendeten Pkw seines Vaters wie vom Erdboden verschluckt.

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