Ein neues Zuhause für Jugendliche in Bad Salzuflen

Heidi Stork

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Bei der Schlüsselübergabe in Grünau nehmen Einrichtungsleiterin Martina Wagner (links), Grünau-Vorstand Albrecht Nacke, die

Grünau-Kuratoriums-Mitglieder Dr. Svenja Bergmann und Alexander Meyer zu Hölsen sowie Michael Mertens, Geschäftsführer der „Graf Recke Stiftung" den Neubau in Augenschein. - © Heidi Stork
Bei der Schlüsselübergabe in Grünau nehmen Einrichtungsleiterin Martina Wagner (links), Grünau-Vorstand Albrecht Nacke, die Grünau-Kuratoriums-Mitglieder Dr. Svenja Bergmann und Alexander Meyer zu Hölsen sowie Michael Mertens, Geschäftsführer der „Graf Recke Stiftung" den Neubau in Augenschein. (© Heidi Stork)

Bad Salzuflen/Ehrsen-Breden. Seit Jahrzehnten gibt die Jugendhilfe Grünau Kindern und Jugendlichen ein neues Zuhause, die in ihrem kurzen Leben bereits massive Erfahrungen mit Misshandlung und sexueller Gewalt sowie emotionaler und körperlicher Verwahrlosung gemacht haben. Die Heilpädagogisch-therapeutische Einrichtung, deren Träger die „Graf Recke Pädagogik“ ist, bietet insgesamt 92 Plätze in stationären Wohngruppen sowie 45 Plätze in teilstationären Tagesgruppen.

Auf dem idyllisch gelegenen Gelände der Stiftung Grünau haben sich in den vergangenen Monaten zahlreiche ortsansässige Handwerker die Klinke in die Hand gedrückt. Der Grund: Umfangreiche Renovierungsarbeiten am Haupthaus sowie die Errichtung eines Neubaus, der genug Platz für zwei weitere Wohngruppen (die LZ berichtete) bietet. Inzwischen haben zwölf Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren ihr neues Zuhause bezogen und fühlen sich dort pudelwohl. „Der Feinschliff fehlt allerdings noch“, betont Einrichtungsleiterin Martina Wagner mit Blick auf den noch fehlenden Spielplatz und die abgesteckten Terrassen, die in den kommenden Monaten fertig gestellt werden sollen.

Entstanden ist bisher ein modernes Gebäude für zwei Wohngruppen á sechs Kindern, die durch einen gemeinsamen Eingangsbereich miteinander verbunden und dennoch autark sind. Zu den Kinderzimmern, in denen die Jugendlichen die nötige Privatsphäre finden, kommen Bäder, moderne Küchen und gemütliche Wohnzimmer sowie Büro- und Schlafbereitschaftszimmer für die Betreuer. Für das Großprojekt hat die Stiftung Grünau als Immobilieneigentümer tief in die Tasche gegriffen. „Wir haben mit zwei Millionen Euro geplant und sind im Kostenrahmen geblieben“, freut sich Albrecht Nacke, Vorsitzender der Stiftung Grünau, über eine „Punktlandung“.

Eine Besonderheit sei der geräumige Keller des Neubaus. „Der Bau des Kellers wurde uns durch eine überaus großzügige Spende eines Einzelspenders ermöglicht“, unterstreicht Nacke, der sich zudem über die ausgesprochen gute Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Salzuflen während der gesamten Planungs- und Bauphase freut. Die Füße hochlegen können die Beteiligten allerdings noch nicht, denn am Haupthaus, von dem Teile aus 1849, dem Gründungsjahr der Stiftung Grünau stammen, gibt es noch reichlich zu tun.

Das Kreischen der Bohrmaschine lässt hier keinen Zweifel aufkommen, dass sich die Handwerker bereits der Umsetzung des neuen Brandschutzkonzeptes im altehrwürdigen Bruchsteingebäude widmen, das das Herz der Einrichtung darstellt.

Hocherfreut über die Um- und Neubaumaßnahmen in Grünau ist auch Michael Mertens, Geschäftsführer der „Graf Recke Pädagogik“. „Die Maßnahmen ermöglichen uns weiterhin auf hohem heilpädagogischen Niveau zu arbeiten und Kindern mit einem bisher sehr schweren Lebensweg ein Zuhause in Sicherheit und Geborgenheit zu geben“, ergänzt sie.

Info: Seit März stellt die Pandemie Mitarbeiter und Bewohner der Einrichtung Grünau vor große Probleme. „Die Kinder durften eine ganze Zeit nicht zu Besuch nach Hause fahren“, bedauert Leiterin Martina Wagner die strenge Einschränkung. Werde ein Kind positiv auf Corona getestet, bleibe die ganze Gruppe in Quarantäne.

Für die Betreuer der Wohngruppe beginnt dann eine sogenannte Pendelquarantäne, die ihnen in enger Absprache mit dem Gesundheitsamt ermöglicht, tagsüber die Kinder zu betreuen und nach Feierabend dennoch in ihre eigenen vier Wände zurückzukehren. Problematisch werde es, wenn ein Mitschüler eines Bewohners an Corona erkranke und der Bewohner alleine in Quarantäne müsse. „Wir haben hier Kinder, die können sie aufgrund ihrer Vorgeschichte nicht alleine im Zimmer isolieren“, sagt Martina Wagner. In diesem besonderen Fall müsse eine Eins-zu-Eins-Betreuung in einem separaten Haus auf dem weitläufigen Gelände veranlasst werden.

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