Sonneborner Bierbrauer geben auf

Familie Röhr hat aus privaten und wirtschaftlichen Gründen ihr Gewerbe abgemeldet

Von Sylvia Frevert

Macht die Kessel im Sudhaus dicht: Gabriele Röhr. Bei "Röhr Bräu" in Sonneborn sind sowohl die Brauerei als auch die Gastronomie geschlossen. - © Foto: Frevert
Macht die Kessel im Sudhaus dicht: Gabriele Röhr. Bei "Röhr Bräu" in Sonneborn sind sowohl die Brauerei als auch die Gastronomie geschlossen. (© Foto: Frevert)

Barntrup-Sonneborn. "Röhr Bräu" hat aufgegeben. Ein schlichtes Schild an der Eingangstür nennt "gesundheitliche, betriebliche und wirtschaftliche Gründe" als Ursache für das Ende der Privatbrauerei.
Auf die Frage, ob auch ein Lebenstraum begraben wurde, schaut sich Gabriele Röhr (62) in der Gaststube um und antwortet zögernd: "Wenn man bedenkt, dass wir damals im Keller angefangen haben …"

1991 begann Gerhard Röhr (65) im Keller seines Hauses wenige hundert Meter vom heutigen Firmensitz entfernt mit dem Bierbrauen. "Anfangs haben wir 30 Liter, dann 100, dann die Höchstgrenze für den Privatgebrauch, 300 Liter pro Jahr, gebraut", erinnert sich Ehefrau Gabriele. 1995 "machte" Gerhard Röhr seinen Braumeister - vermutlich im Hinblick darauf, das Hobby zum Beruf zu machen. Seinerzeit war der Meistertitel für die Eröffnung einer Brauerei noch notwendig, seit 2004 gehört das Brauer- und Mälzerhandwerk zu den sogenannten zulassungsfreien Handwerken.

"1996 bemühten wir uns um diesen Bauplatz", erzählt Gabriele Röhr. Auf der "grünen Wiese" in direkter Nachbarschaft zum Sportplatz gelegen, sei er damals als Sonderbaufläche für eine Erlebnis-Brauerei ausgewiesen worden. 2000 war Baubeginn. Im August 2001 begrüßte Familie Röhr die ersten Gäste in der Gaststätte, gleichzeitig wurde das vom Gastraum gut einsehbare Sudhaus mit seinen dekorativen Kupferkesseln in Betrieb genommen. Hochzeiten, Konfirmationen und Aktionstage waren die Haupt­umsatzträger, und auch die Brauerei boomte: "Röhr Bräu" belieferte etwa 30 Märkte sowie rund 15 Gaststätten.

Die Zeiten sind vorbei: Gesundheitliche Probleme, steigende Energiekosten und die Tatsache, dass Tochter Nicole das Geschäft allein nicht würde weiter betreiben können, zwang Familie Röhr dazu, einen Schlussstrich zu ziehen. Auch wenn beim Amtsgericht Detmold kein Insolvenzantrag vorliegt - Gabriele Röhr hat das Gewerbe abgemeldet, trat aus dem Gaststättenverband aus und will "dieses Jahr in Ruhe abwarten und den Stress verarbeiten".

Pfandflaschen landen im Altglascontainer
Auszahlungen für die speziellen "Röhr"-Pfandflaschen wird es nicht mehr geben, erklärt Gabriele Röhr. Damit ist vermutlich eine Kettenreaktion in Gang gesetzt. Kunden, die für eine Ein-Liter-Flasche zwei Euro Pfand bezahlten, gehen wohl leer aus. Die LZ befragte Andi Wiele vom Marktkauf in Barntrup: "Wir nehmen keine Röhr-Pfandflaschen mehr zurück. Wir können sie nur noch zum Altglas geben." Die Zwei-Liter-Bügel-Pfandflasche, die mit 15 Euro Pfand belegt war, wurde laut Gabriele Röhr bereits seit längerem nicht mehr verwendet.

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