Anwohner des Hamburger Berges überreichen Dokument der Alltagsgeschichte

Marianne Schwarzer

  • 0
Luftbild aus den ersten Jahren: 1979 entstand diese Aufnahme, auf der das Baugebiet Hamburger Berg gut erkennbar ist. - © Repro: Schwarzer
Luftbild aus den ersten Jahren: 1979 entstand diese Aufnahme, auf der das Baugebiet Hamburger Berg gut erkennbar ist. (© Repro: Schwarzer)
Guck mal: Beim Durchblättern der Chronik, die ihm Dieter Uder und Dieter Rieke von der Nachbarschaft am Hamburger Berg überreicht, staunt Bürgermeister Klaus Geise zusammen mit Stadtarchivar Diter Zoremba (von links). - © Marianne Schwarzer(LZ)
Guck mal: Beim Durchblättern der Chronik, die ihm Dieter Uder und Dieter Rieke von der Nachbarschaft am Hamburger Berg überreicht, staunt Bürgermeister Klaus Geise zusammen mit Stadtarchivar Diter Zoremba (von links). (© Marianne Schwarzer(LZ))

Blomberg. Das Blomberger Stadtarchiv ist um eine Originalquelle reicher. Die Nachbarschaft Hamburger Berg hat jetzt ihre liebevoll gepflegte Chronik an Bürgermeister Klaus Geise und Stadtarchivar Dieter Zoremba überreicht.

Erst in den 1970-er Jahren entstand das Baugebiet, das heute einen ausgewachsenen Stadtteil ausmacht. Dieter Uder war der allererste, der dort gebaut hat. "Ich weiß es noch wie heute: Im Oktober 1974 sind wir da eingezogen."

Information
Jetzt übernimmt das Ankerrott

Die tragenden Säulen der Nachbarschaft am Hamburger Berg, zu denen auch Dieter Rieke gehört, haben mittlerweile die Organisation der Gemeinschaftsaktivitäten delegiert: Heute kümmert sich das tatkräftige Ankerrott um die Organisation beispielsweise der Maifeier. Das Rott im Alten Blomberger Schützenbataillon ist noch vergleichsweise jung - es wurde erst im Jahr 1980 gegründet. Dr. Jörn Clamors hatte damals die Idee, das Rott ins Leben zu rufen, dessen Mitglieder weitgehend auf dem Hamburger Berg wohnen. "Ich weiß noch, wie damals der Anker an den Fuß des Hamburger Berges transportiert wurde", erinnert sich Dieter Uder. Natürlich sind er und Dieter Rieke auch weiterhin bei allen Aktivitäten im Boot, "wir sind schließlich beide im Rott." Nur die Organisation der traditionellen Nikolausfeier übernehmen noch immer Dieter Rieke und seine Getreuen.

Es hatte etwas von einer Einöde im Hamburger Berg 1: " Da gab es noch nichts, kein Wasser, keinen Stromanschluss und schon gar keine Straßenbeleuchtung." Er habe gemeinsam mit einem Nachbarn eine 500 Meter lange Stromleitung legen müssen, um überhaupt die Baumaschinen in Gang zu bekommen.

"Und ich hatte bei meiner Schwägerin in der Danziger Straße ein paar saubere Schuhe deponiert, für den Fall, dass ich in die Stadt wollte." Die Zeiten sind längst vorbei. Heute ist das Baugebiet, dessen Name bereits auf einer alten Karte im Urkataster der Stadt Blomberg 1882 zu finden ist, längst dicht besiedelt. Hier hat übrigens auch Dieter Zoremba was gelernt: "Ich hätte nicht gedacht, dass es sich bei dem Flurnamen um einen historischen handelt."

Modern hingegen sind die Berliner Namen, die sich auf dem Hamburger Berg finden: "Es bestanden damals schon Beziehungen zu Berlin und Reinickendorf, und da wollte man mit der Berliner Straße und den anderen Namen ein Zeichen setzen", mutmaßt Dieter Uder.

In den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich auf dem Hamburger Berg eine funktionierende Nachbarschaft gebildet, die sogar einen kleinen Vorstand hatte und fleißig die vorliegende Chronik mit Fotos, Zeichnungen, Text und Zeitungsausschnitten schmückte. Begonnen hatte 1973 Ewald Prasse damit.

Hier finden sich Zeugnisse der Geselligkeit, Bilder von feiernden Menschen mit Papphütchen auf dem Kopf, aber auch von strahlenden Kindern beim Nikolausfest. So ist ein buntes, einzigartiges Dokument entstanden, das nicht nur der Bürgermeister, sondern auch der Stadtarchivar zu würdigen wissen:

"Uns geht es nicht nur um die alten Quellen aus dem Mittelalter, sondern auch um so etwas", versichert Klaus Geise. "Ich verstehe das auch als Verpflichtung für uns, die Dinge zu bewahren."

Gerade diese Alltagsgeschichten seien es, die man leider zu selten im Archiv antreffe, betonte Stadtarchivar Dieter Zoremba. Wir verfügen über viele Zeugnisse aus dem Mittelalter, die aus der Verwaltung stammen", sagt er. "Gerade deshalb ist es wichtig, die andere Seite zu zeigen und Quellen zu bewahren, die etwas aus dem alltäglichen Leben erzählen. Dafür sei eine solche Chronik wie die der Nachbarschaft hervorragend geeignet.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!