Flüchtlingsheim am Lehmbrink ist bald fertig

Die ersten Bewohner sollen Anfang Oktober in die neue Unterkunft einziehen

Marianne Schwarzer

Es soll wohnlich bleiben: Alexander Langemann überwacht die Arbeiten, während Stephan Golücke und Janina Koch vom Malerbetrieb Heidemann schadhafte Stellen am Teppich ausbessern. - © Marianne Schwarzer
Es soll wohnlich bleiben: Alexander Langemann überwacht die Arbeiten, während Stephan Golücke und Janina Koch vom Malerbetrieb Heidemann schadhafte Stellen am Teppich ausbessern. (© Marianne Schwarzer)

Blomberg. Ab Oktober sollen am Lehmbrink die ersten Flüchtlinge einziehen: Derzeit wandelt sich die ehemalige Dienststelle von Arbeitsagentur und Jobcenter in eine Unterkunft für 120 bis 140 Menschen.

Vor dem Gebäudekomplex mit knapp 2.000 Quadratmetern parken Firmenbullis: Malermeister, Küchenbauer, Fliesenleger, Installateure – sie alle geben sich die Klinke in die Hand, seit die Behörden vor wenigen Wochen hier ausgezogen sind.

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Ein Sicherheitsdienst ist vor Ort

Bereits vor einigen Tagen hat Fachbereichsleiter Rüdiger Winter Nachbarn durch die neue Unterkunft geführt: Transparenz ist ihm wichtig. Entweder der Hausmeister oder ein Mitarbeiter des Wachdienstes Prodiac werden rund um die Uhr vor Ort präsent sein, auf Ordnung und Sicherheit achten – die der Anwohner und die der Bewohner. Eine Videoüberwachung außen am Gebäude und in den Fluren soll ebenfalls installiert werden. „Ich bin gefragt worden, wie das Öffnen der Fenster geregelt ist. Ich habe mit einer Gegenfrage geantwortet: Wie machen Sie das zu Hause? Wir können den Leuten doch nicht vorschreiben, wann sie lüften dürfen.“ Winter versteht zwar die Ängste vor Lärm oder sonstiger Belästigung. „Aber ich appelliere, dass die Nachbarn erst mal ruhig bleiben und schauen, wie sich das entwickelt.“

Mitten im Flur hockt Malergeselle Stephan Golücke vom Blomberger Malerbetrieb Heidemann mit Lehrling Janina Koch auf dem Boden und verklebt Teppichstücke: „Wir bessern schadhafte Stellen aus“, erklärt er. Das Thema Flüchtlinge prägt sein berufliches wie privates Leben: „Wenn ich nach Hause komme, ziehe ich die Malerhose aus und steige in meine THW-Kleidung.“ Mit anderen Freiwilligen des Technischen Hilfswerks Lemgo stellt er beispielsweise Möbel auf. „Glücklicherweise habe ich einen verständnisvollen Chef.“

Mit Alexander Langemann bespricht er die weiteren Arbeiten. Der Sohn von Dolf Langemann, dem der Gebäudekomplex gehört, überwacht die Arbeiten. Hauptberuflich stattet er unter anderem Studentenwohnheime in ganz Deutschland aus.

Im Lehmbrink lautet die Devise: „Einfach, aber solide. Knapp eine halbe Million Euro stecken in dem Umbau des Komplexes, den die Stadt anmietet. „Man liest das ja immer wieder, dass die Bewohner solche Unterkünfte viel eher in gutem Zustand erhalten, als wenn sie in so abgewrackten Buden unterkommen,“ sagt Langemann junior.

Die Wände sind mit abwaschbarer Latexfarbe gestrichen, alles ist möglichst funktional. „Das größte Problem ist der Brandschutz. Da gibt es dermaßen viele Vorschriften, und das macht die Sache richtig teuer.“ Allein die vom Brandschutzexperten geforderte Entfernung der dekorativen Holzelemente, die die langen Flure unterbrechen, hätte 20.000 Euro kosten sollen. „Da habe ich im Internet gesucht, und wir haben eine Lösung gefunden: Brandschutzfarbe.“

Bis ihr Asylantrag geklärt ist, sollen die Flüchtlinge jeweils hier wohnen: Alleinstehende Männer in Zimmern mit bis zu vier Betten, Familien in eigenen Räumen. Werden die Asylanträge positiv beschieden, sollen die Flüchtlinge dann in private Unterkünfte umziehen, um möglichst schnell auf eigenen Beinen zu stehen. Wer als erster hier einzieht, ist noch nicht klar, sagt Fachbereichsleiter Rüdiger Winter. „Aber wir könnten uns gut vorstellen, zunächst mal unsere 14 jungen Leute, die in berufsbildende Schulen gehen, hier unterzubringen. Dann haben sie auch einen Rückzug zum Lernen.“

Kommentar: Der soziale Frieden geht vor

von Marianne Schwarzer
Am 1. Oktober soll das Wohnheim am Lehmbrink fertig sein. Derzeit erwägt die Stadtverwaltung, es in eigener Regie zu betreiben, unterstützt vom Runden Tisch und anderen Institutionen. Büroräume für ehrenamtliche und professionelle Flüchtlingsarbeit sind vorhanden.

Ein Hausmeister und ein Sicherheitsdienst, die gemeinsam rund um die Uhr das Flüchtlingsheim überwachen – ist das nicht ein bisschen viel? Ganz und gar nicht. Es ist eine zwar nicht billige, aber richtige Entscheidung der Stadtverwaltung.

Denn sie kann helfen, den sozialen Frieden im Haus selbst und in seinem Umfeld zu wahren. Ihre Ängste haben die Anwohner klar geäußert: Sie befürchten Randale, Lärmbelästigung und Dreck von ihren neuen Nachbarn. Ganz egal, ob diese Ängste berechtigt sind: Die Stadt muss sie berücksichtigen, wenn es wirklich klappen soll mit der Integration.

Wenn also immer jemand vor Ort ansprechbar ist für große und kleine Nöte, dann verschwinden mit der Zeit vielleicht auch mögliche Ressentiments und machen Lust auf die neuen Mitbürger, Lust auf die Begegnung mit fremden Kulturen.

Damit das geschieht, müssen die Verantwortlichen allerdings ein gutes Händchen haben bei der Wahl des Personals. Und eine soziale Betreuung ist ebenfalls unverzichtbar. Stimmt, das ist eine ganze Menge Aufwand für so wenige Menschen, gemessen an der großen Zahl derer, die Schutz suchen in unserem Land. Aber nur so kann es gehen.

MSchwarzer@lz.de

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