Treppe für Schlaganfallpatient dank Spende kein Hindernis mehr

Marianne Schwarzer

Glücklich über die Lösung: Lothar Körber kann endlich wieder seine Wohnung verlassen. Das hat er dem Einsatz von Petra Di Mario und Joachim Ellmers zu verdanken. - © Marianne Schwarzer
Glücklich über die Lösung: Lothar Körber kann endlich wieder seine Wohnung verlassen. Das hat er dem Einsatz von Petra Di Mario und Joachim Ellmers zu verdanken. (© Marianne Schwarzer)

Blomberg-Istrup. Dies ist die Geschichte von einem tragischen Schicksalsschlag, von einer engagierten Pflegekraft und einem Unternehmer, der nicht nur an den eigenen Geldbeutel denkt.

Vor gut einem Jahr ist es passiert: Der Istruper Lothar Körber erlitt einen Gehirnschlag. Nach der Operation ereilte ihn im künstlichen Koma auch noch einen Schlaganfall. Seither ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Und bis vor einer Woche war der 57-jährige Lebensmittelverkäufer auch noch an seine Wohnung im Dachgeschoss des elterlichen Hauses gefesselt, wo er mit Frau und Hund lebt.

Information
Hilfe für Pflegebedürftige

Wer zum Pflegefall wird, hat Anspruch auf den einmaligen Zuschuss von 4.000 Euro zur „Wohnumfeldverbesserung“. Das kann der Einbau einer barrierefreien Dusche sein, die Installation einer Rampe – oder ein Zuschuss zu einem Treppenlift. Diese Hilfsmittel der Pflegeversicherung sollen die Pflege erleichtern, die Beschwerden der Pflegebedürftigen lindern oder ihnen eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen. Nur wenn der Zustand sich entscheidend verschlechtert, kann ein zweiter Zuschuss beantragt werden. Hilfsmittel der Krankenversicherung sollen den Behandlungserfolg unterstützen, einer drohenden Behinderung vorbeugen oder die Behinderung ausgleichen, wie etwa ein Badewannenlifter. Beide Anträge laufen über die Krankenkasse.

Zwei Mal am Tag kommt Petra Di Mario, stellvertretende Leiterin des ambulanten DRK Pflegedienstes aus Blomberg, zu den Körbers. Ihr ließ das Schicksal von Lothar Körber keine Ruhe. „Das kann doch nicht sein, dass so ein junger Mann jetzt bis an sein Lebensende nicht aus seiner Wohnung kommt“, sagt sie.

Denn nur ein einziges Mal während des vergangenen Jahres hat Antje Körber gemeinsam mit ihrem 21-jährigen Sohn den über 70 Kilo schweren Mann die enge Treppe hinunter getragen. „Wir wollten, dass er beim Jubiläum des Spielmannszuges Istrup dabei sein kann, aber es war unglaublich schwierig. Das haben wir nie wieder versucht.“

„Den Gedanken fand ich schrecklich“, erzählt Petra Di Mario, „zumal die Körbers einfach kein Geld haben, um sich einen teuren Treppenlift zu leisten. Mit den 4.000 Euro, die es einmalig von der Pflegeversicherung zur Verbesserung des Wohnumfeldes gibt, kommt man ja nicht weit.“

Sie hängte sich ans Telefon und klapperte alle Treppenliftfirmen ab: Alles unbezahlbar. Nur bei Joachim Ellmers fand sie Gehör: Sein Ein-Mann-Betrieb in Verl vertreibt Treppenlifte – auch gebrauchte. „Mich hat die Geschichte sehr gerührt. Ich finde, dass man nicht immer nur an den eigenen Geldbeutel denken darf.“ Er sorgte mit der Montagefirma Detlef Missner aus Minden dafür, dass ein Treppenlift installiert wurde. Dass die enge Treppe auch gewunden ist und eine Spezialanfertigung notwendig wurde, verteuerte die Sache auf knapp 8.000 Euro. „Meine Partner und ich haben beide auf jeglichen Gewinn verzichtet. Aber ich nage nicht am Hungertuch, das war es mir wert“, sagt Joachim Ellmers. Warum? – „Mich hat beeindruckt, wie sich Frau Di Mario engagiert hat. Natürlich kann ich nicht die ganze Welt retten.“ Aber dass Lothar Körber demnächst mal wieder den Hund spazieren führen kann, das hat er geschafft.

Kommentar: Wohnen im Alter früh planen

Von Marianne Schwarzer
Ein Schlaganfall kann in einer Sekunde das Leben eines Menschen und seiner Angehörigen auf den Kopf stellen. Wenn sie dann eine solche Unterstützung erfahren wie die Körbers, ist das ein kleines Wunder. Und doch ist es nur ein Hindernis weniger. Für einen Rollstuhlfahrer in einer Dachwohnung mit engem Bad und vielleicht noch einigen Stufen vor dem Haus reicht ein Treppenlift nicht aus, um das Leben dauerhaft zu erleichtern. Was ist mit der fehlenden Dusche, was mit der Rampe am Hauseingang? Dafür steht Menschen ohne Vermögen kein Geld zur Verfügung – es sei denn, der Zustand des Patienten verschlechtert sich gravierend. Umziehen ins Erdgeschoss, raus aus den vertrauten sozialen Strukturen, wie es die Pflegeversicherungen durchaus anregen? Das kann nicht die Lösung sein, denn für die Betroffenen ist das Leben auch so schon schwer genug. Wer ebenerdig wohnt, kann immerhin die 4000 Euro in andere Verbesserungen des Wohnumfeldes stecken. Was lernen wir daraus? Es ist sehr wichtig, sich früh über das Wohnen im Alter Gedanken zu machen und für Schicksalsschläge vorzusorgen. Helfende Hände wie bei Körbers sind nicht die Regel. mschwarzer@lz.de

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