Phoenix Contact peilt die zweite Milliarde an

Auch wenn die Umsätze 2015 nicht so hoch waren wie erhofft, geht die Wachstumskurve nach oben. Der Elektronikhersteller investiert 150 Millionen

Marianne Schwarzer

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Schneller nachladen: Phoenix-Contact-Geschäftsführer Frank Stührenberg zeigt einen Stecker der Zukunft. Dank Kühltechnik sollen höhere Ladeströme fließen. Strom für 100 Kilometer könnten dann in drei bis fünf Minuten ins Elektroauto fließen. - © Bernhard Preuß
Schneller nachladen: Phoenix-Contact-Geschäftsführer Frank Stührenberg zeigt einen Stecker der Zukunft. Dank Kühltechnik sollen höhere Ladeströme fließen. Strom für 100 Kilometer könnten dann in drei bis fünf Minuten ins Elektroauto fließen. (© Bernhard Preuß)

Blomberg. Seit dem Knick im Jahr 2010 geht es mit dem Wachstum immer weiter nach oben. Nicht mehr ganz so viel, wie Frank Stührenberg als Vorsitzender der Geschäftsführung bei Phoenix Contact es gern hätte. Aber er rechnet damit, dass das Unternehmen noch in diesem Jahr die Zwei-Milliarden-Grenze beim Umsatz erreichen wird.

„Das ist schon ein veritables mittelständisches Unternehmen", sagte er gestern bei der Bilanzpressekonferenz im Vorfeld der Hannover Messe mit Blick auf die 150 Millionen Euro, die der Elektronikhersteller innerhalb der vergangenen Geschäftsjahres beim Umsatz zugelegt hat.

Doch goss er auch ein wenig Wasser in den Wein: Zwar hat Phoenix Contact unterm Strich 2015 um 8,8 Prozent zugelegt. Doch bereinigt man beispielsweise die auf den Euro bezogenen Zuwächse von gut 21 Prozent im bedeutenden Absatzmarkt China um die Währungssituation und betrachtet rein das lokale Wachstum, sieht es weniger rosig aus: Hier verzeichnet Phoenix Contact nur 3,5 Prozent Volumenwachstum.

„Aber dieses Volumenwachstum ist das, was die Fabriken füllt, und da ist das Ergebnis letztlich zu wenig für die Kapazitäten, die wir da geschaffen haben." In den Vereinigten Staaten von Amerika verzeichnet Phoenix Contact sogar einen Rückgang. Doch sei Hoffnung in Sicht: Die USA sind Partnerland der Hannover Messe und Phoenix Contact erwartet eine 100-köpfige Delegation. Ein Hoffnungsträger, den Phoenix Contact auf der Messe zeigen wird, ist ein innovativer Ladestecker für Elektroautos, der gemeinsam mit der Automobilindustrie in den USA und Europa entwickelt worden ist.

Solche Zuwachs versprechende Innovationen seien wichtig, denn Deutschland, China und die USA repräsentierten 50 Prozent des Geschäfts, sagt der Geschäftsführer. „Wenn es da schwierig wird, würde es uns schwer fallen, das auf unseren anderen Märkten auszugleichen."

In Europa sieht Frank Stührenberg mit 8,8 Prozent ein „wirklich gutes Wachstum". Nach wie vor gelte die Devise, alle Investitionen – 135 Millionen Euro 2015, in diesem Jahr sollen es 150 Millionen werden – aus eigener Kraft zu bestreiten, ohne Kredite in Anspruch nehmen zu müssen. Allein 22 Millionen fließen in das polnische Werk. Da müsse aber niemand Angst haben, dass Arbeit von Deutschland abfließe. „Das Werk in Polen hat sich von einer verlängerten Werkbank einfach zu einem vollwertigen Standort entwickelt und ist in höchstem Maße mit Blomberg vernetzt."

Für das kommende Jahr peilt das Unternehmen ein „moderates" Wachstumsziel von 5 bis 7 Prozent an. In diesem Jahr ist die Mitarbeiterzahl weltweit um 500 auf insgesamt 14.500 gestiegen, 200 davon in Deutschland. In Blomberg sind es 4500. Neueinstellungen in größerem Stil seien 2016 nicht vorgesehen, sagt Stührenberg.

Kommentar: Wachstum mit Augenmaß

von Marianne Schwarzer

Phoenix Contact-Chef Frank Stührenberg hat es gesagt, bevor er 2015 ins Amt kam: „Wir müssen genau hinschauen, welche Größe für uns die richtige ist." Jetzt ist die Zwei-Milliarden-Grenze in greifbare Nähe gerückt. Dennoch wachsen die Blomberger Bäume anscheinend nicht in den Himmel.

Denn nach wie vor hält sich die Geschäftsführung an den Eisertschen Grundsatz, nichts auf Pump zu finanzieren. Investitionen von 150 Millionen Euro im Jahr 2016 werden ebenso wie die 135 Millionen 2015 aus den eigenen Gewinnen bezahlt werden. Das schafft Sicherheit, ist aber nur ein Teil des Erfolgsgeheimnisses.

Die phoenizianische Geschäftsführung denkt anscheinend immer schon zwei Schritte weiter. Der chinesische Markt bricht ein, der Handel mit Russland ist kein Vergnügen, und in den USA stottert das Geschäft: Phoenix Contact setzt Innovationen dagegen, entwickelt mit Europa und den USA eine Ladestecker-Norm, investiert gegen den Trend in den Standort Russland und gründet eine Tochter von 
E-Mobility im chinesischen Nanjing.

Bei all den neuen Töchtern könnten in Lippe Ängste hochkommen, dass das Ganze unsteuerbar wird. So war es schließlich gleich nebenan in Schieder bei der Möbel-Krake mit mehr als 100 Töchtern, teilweise allerdings auf dem Papier.

Stührenberg hält glaubhaft dagegen: Die Neugründungen seien international und vor allem inhaltlich motiviert und dienten mitnichten der Verschleierung von Finanzströmen. Die Geschäftsführung bleibt dem Phoenix-Kodex verpflichtet. Und so ist der amerikanische Traum in Blomberg wahr geworden: Aus der Klemmenklitsche wird ein Global Player, der mit zwei Milliarden Umsatz der Branche Paroli bietet. Dass das Wachstum nur einstellig ausfällt, ist Klagen auf extrem hohem Niveau.

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