In der Kita Burg Sonnenschein dürfen die Kleinen täglich Wassertreten

In der ersten zertifizierten Kneipp-Kita werden unter anderem kalte Fuß- oder Armbäder angeboten

Guntmar Wolff

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Munter durch die Wanne: Mit Hilfe von Sabine Lohmeier, Leiterin der Kita Burg Sonnenschein, stapft Lilly durch das kalte Wasser. - © Guntmar Wolff
Munter durch die Wanne: Mit Hilfe von Sabine Lohmeier, Leiterin der Kita Burg Sonnenschein, stapft Lilly durch das kalte Wasser. (© Guntmar Wolff)

Blomberg-Reelkirchen. Beim Wörtchen Kneipp-Anwendungen dürften viele wohl im ersten Moment an ältere Menschen denken, die Wechselbäder nehmen oder regelmäßig Wasser treten. Wer der Kita Burg Sonnenschein in Reelkirchen einen Besuch abstattet, erhält allerdings einen ganz anderen Eindruck. 

Dort strömen regelmäßig die Düfte von Lavendel, Salbei oder Pfefferminze durch den Spielraum der Johanniter-Betreuungseinrichtung, die seit einigen Wochen eine zertifizierte Kneipp-Kita ist. Nach Angaben des Kneipp-Bundes, sogar die erste im Kreis Lippe. Jeden Tag werde den Kindern der Burg Sonnenschein eine Wasseranwendung angeboten. Wie das vonstatten geht, zeigen Lilly und Annika.

Information

Fünf Säulen

Namensgeber der Kneipp-Medizin mit Anwendungen wie der Wasserkur oder dem Wassertreten ist Sebastian Anton Kneipp, der im 19. Jahrhundert lebte. Aus der ursprünglichen Wasser- und Kräuterheilkunde entstand ein ganzheitliches Gesundheitskonzept mit dem Ziel, Körper, Seele und Geist in Einklang zu bringen. Wasseranwendungen, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und eine ausgewogene Lebensweise gehören zu den fünf Säulen der Kneipp-Medizin. Rund 600 Vereine mit rund 180.000 Mitgliedern gibt es in Deutschland, die dem Kneipp-Bund als Dachverband angehören.

Die beiden Sechsjährigen stehen vor einer mit Wasser gefüllten Plastikwanne, in die die beiden Mädchen einige aus dem Garten der Burg Sonnenschein gepflückte Kräuter hineingeben. Anschließend steigen Lilly und Annika mit ihren Füßen in die Wanne und stapfen munter hin und her. Nach fünf Minuten ist bereits Schluss. Ordentlich werden die Füße abgetrocknet, ehe es zum Ausruhen in eine Ecke geht.

„Hinter dem Kneipp-Konzept steckt viel mehr als nur Wassertreten", sagt Sabine Lohmeier, Leiterin der Burg Sonnenschein, die außerdem staatlich anerkannte Heilpädagogin sei. „Für mich ist es auch ein Gesundheitspräventionskonzept", sagt Lohmeier: „Gesundheit wird bei Kneipp als eine Balance zwischen den Kräften im Menschen und den Anforderungen der Umgebung verstanden. Die Lebensordnung soll diese Balance erhalten oder wiederherstellen."

Seitdem es die Wasserbäder gebe, seien bereits erste Erfolge sichtbar. Im Kindergarten sei es leiser geworden und die Kinder seien auch bereit, neue Dinge auszuprobieren.

Zum Beispiel die Pflanzen, die im Kräutergarten wachsen. Salbei, Petersilie, Schnittlauch und vieles mehr würde auch dazu dienen, dem Mittagessen zusätzlichen Geschmack zu verleihen. „Wir legen einfach besonderen Wert auf eine vielseitige Kost und achten auf viel frische Luft", erklärt Lohmeier.

Gut zwanzig Kinder nutzten jeden Tag das Angebot des Wassertretens. Aber auch Armbäder würden gerne angenommen. Auch gingen die Kinder nach draußen und würden je nach Jahreszeit beim Tau- und Schneetreten erfahren, wie sich Wasser in den unterschiedlichen Aggregatzuständen anfühlt. „Mir ist es wichtig, dass die Kinder in sich hineinfühlen", beschreibt Lohmeier ihre eigene Motivation.

Anfangs hätten einige Eltern dem Kneipp-Konzept etwas skeptisch gegenübergestanden. Doch inzwischen hätten sich diese Bedenken gelegt. „Als Kneipp-Kita verfolgen wir fünf Grundsätze", erklärt Lohmeier: „Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung."

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