Kinder wollen App über Blomberger Schuhmacher-Historie entwickeln

Patrick Bockwinkel

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Neugierig: Nils zeigt das Innenleben eines Stiefels. Den und weitere Schuhe haben er und (von links) Nico, Arne, Chantal, Marco und Luca beim Projekt im Schuh-Museum auseinandergenommen. - © Patrick Bockwinkel
Neugierig: Nils zeigt das Innenleben eines Stiefels. Den und weitere Schuhe haben er und (von links) Nico, Arne, Chantal, Marco und Luca beim Projekt im Schuh-Museum auseinandergenommen. (© Patrick Bockwinkel)

Blomberg. Auf dem Fußboden der Blomberger Stadtbücherei stapeln sich mehrere Paar Sneakers, Puschen und Cowboystiefel – oder besser gesagt das, was davon noch übrig ist. „Die haben wir alle kaputt gemacht", erzählt Nils mit einem breiten Grinsen und hält ein besonders hartnäckiges Exemplar – einen Cowboystiefel – in die Höhe.

Die verschiedenen „Treter" haben Nils und zehn weitere Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis 14 Jahren allerdings nicht aus Langeweile, sondern aus Neugierde in ihre Einzelteile zerlegt. „Wir wollten wissen, wie sie aufgebaut sind", erzählt Marco und schaut sich dabei das Seitenteil eines Winterschuhs an. Seit Mitte September kommen er und die anderen Schüler jeden Freitagnachmittag zum Jugendprojekt Schuh-Werk in die Stadtbücherei, das der Heimatverein Blomberg in Kooperation mit einigen Mitstreitern (siehe Kasten) ins Leben gerufen hat.

Zusammen mit Museumspädagogin Sabine Rott, Künstlerin Gabriele Prasse und Hannelore Budde vom Heimatverein beschäftigen sich die Kinder dabei mit der Nelkenstädter Schuhmacher-Tradition, über die seit zwei Jahren ein eigenes Museum in der Stadtbücherei informiert. „Bislang war das Angebot für Jugendliche wenig ansprechend. Doch das soll sich mit diesem Projekt nun ändern", erklärt Erhard Oerder, Vorsitzender des Heimatvereins, der dem Lippischen Heimatbund angehört. Dafür gibt es sogar Fördermittel vom Deutschen Museumsbund und dem Bundesbildungsministerium.

Wie man die jüngere Generation für die Blomberger Schuster-Geschichte begeistern kann, das wussten Nils und die anderen Kinder schon nach dem ersten Treffen. „Wir wollen eine eigene App entwickeln", sagt Marie. Ihre Wahl hätten sie und die anderen Kinder völlig frei treffen können, Vorgaben der Erwachsenen habe es nicht gegeben. Die Software soll mit Fotos, Fragen für ein Quiz, Rätseln und vielen anderen Dingen rund um die Schuhmacher-Geschichte gefüttert werden. Anschließend sollen sich alle neugierigen Jugendlichen die App aufs Smartphone herunterladen und so spielerisch etwas über die Historie des Handwerks in Blomberg, aber auch etwas über Schuhproduktion heutzutage erfahren können.

Im Internet wurde bereits ein Baukastensystem gefunden, mit der sich die gewünschte App erstellen lässt. „In den kommenden Wochen arbeiten die Kinder daran, sie mit Inhalt zu füllen", sagt Museumspädagogin Rott. Bis zu den Weihnachtsferien soll die Software fertig sein. Die Jugendlichen wollen sie im Januar vorstellen.

50.000 Euro aus der Bundeskasse
Für das Jugendprojekt Schuh-Werk hat sich der Heimatverein Blomberg im Lippischen Heimatbund mit dem Jugendzentrum „JuZ", der Pestalozzischule, der Haupt- und der Sekundarschule zusammengeschlossen. Unterstützt wird es mit Fördergeldern aus dem Programm „Von uns – für uns. Museum macht stark" des Deutschen Museumsbundes. Dieses Pilotprojekt soll die „Peer-Education" in die Museen bringen.

„Das bedeutet, dass Jugendliche anderen Jugendlichen etwas vermitteln. Genau das passiert nun mit der App", erklärt Museumspädagogin Sabine Rott. Das Programm „Museum macht stark" ist unter dem Dach von „Kultur macht stark" des Bundesbildungsministeriums angesiedelt. Das Inklusionsprojekt Schuh-Werk wird zu 100 Prozent unterstützt und bekommt 50.000 Euro. Vier Aktionen sollen 2016 und 2017 umgesetzt werden.

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