Blomberger Grundschüler lernen Lippisch Platt

Iris Liebig

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Zwischen den Kindern: Hannelore Budde übt mit den Grundschülern verschiedene Lieder wie „In der Weihnachtsbäckerei" auf Lippisch Platt ein. Dabei haben alle viel Spaß und es wird sich auch verkleidet. - © Iris Liebig
Zwischen den Kindern: Hannelore Budde übt mit den Grundschülern verschiedene Lieder wie „In der Weihnachtsbäckerei" auf Lippisch Platt ein. Dabei haben alle viel Spaß und es wird sich auch verkleidet. (© Iris Liebig)

Blomberg. „In de Wüihnachtsbäckerüjje gifft et mänje Läckarüjje" klingt es fröhlich aus 50 Kinderkehlen. Irgendwie klingt es bekannt, aber irgendwas ist anders. Genau, denn die Mädchen und Jungen der Grundschule am Weinberg singen das beliebte Weihnachtslied von Rolf Zuckowski in Lippisch Platt.

Das gehört zu einem Projekt der Fachstelle Schule des Lippischen Heimatbundes.

Information
Die Lieder sind für Interessierte zu finden unter www.kinder-lippe.de/lippisch-platt/plattdeutsche-lieder/lieder-aus-blomberg.html

Ziel ist es, dieses Kulturgut Sprache zu erhalten, so dass alle Lipperinnen und Lipper in ihrem Leben einmal Lippisch Platt gesprochen haben. Somit wurde ein Ordner mit Infomaterialien, Liedern und Geschichten aufgelegt, der den Grundschulen zur Verfügung gestellt wird und mit dem die Pädagogen arbeiten können.

Als erste Schule im Kreis meldete sich die Grundschule am Weinberg für das Projekt und integrierte es in den Sachkundeunterricht, der regulär auch Heimatkunde vorsieht. Hannelore Budde, Mitglied der Fachstelle Schule des Lippischen Heimatbundes, ehemalige Lehrerin und ein ehrenamtlich sehr aktives Blomberger Urgestein, leitet die plattdeutschen Unterrichtsstunden bei den Viertklässlern.

„Mich begeistert Lippisch Platt, und ich interessiere mich sehr für die Historie von Blomberg", sagt Budde, die an ihrer ehemaligen Schule ihr Wissen natürlich gerne weiter gibt.

So war sie auch maßgeblich an der Erstellung des Ordners beteiligt. Mit dem Jazztime-Quintett aus Blomberg hatte sie eine begleitende CD mit den Liedern aufgenommen und diese gemeinsam mit Heidi Tappe in die lippische Mundart übersetzt. „Ich habe die Erlaubnis von Rolf Zuckowski, die Songs in die ehemalige hiesige Sprache zu übersetzen", berichtet Budde.

Sie selbst hat Lippisch Platt noch von ihrer Oma gelernt. Die beiden Lehrerinnen der vierten Klassen, Susanne Drescher und Saskia Wagner, finden das Projekt spannend für die Kinder. „Einerseits geht ja sonst die Sprache verloren, und in einigen Familien der Kinder wird sogar noch Lippisch Platt, gerade von den Großeltern, gesprochen", weiß Drescher.

Los ging es mit dem „Blomberg Lied", denn das haben die Kinder bereits gelernt und so kommen sie schnell in die Sprache hinein.

Beim Geburtstagslied gab es in der vergangenen Unterrichtsstunde noch ein paar Schwierigkeiten, darum vertieften die Kinder den Text noch mal, bevor es daran ging, das Weihnachtslied zu erlernen. „Das macht mir richtig viel Spaß", sagt der neunjährige Marlon, und Hannelore Budde freut sich, ein bisschen Historie weitergegeben zu haben. „In vielen Bundesländern ist die Mundart ein Schulfach, und wir möchten unsere Mundart auch gerne reanimieren, denn sie ist Heimat und Heimat ist wichtig", sagt Budde.

Eigene Sprache und kein Dialekt

In Lippe sprach jeder Ort sein eigenes Lippisch Platt, weiß Hannelore Budde. Es war die Sprache der niedriggestellten Gesellschaft. Die Kinder lernten innerhalb der Familie zuerst plattdeutsche Mundart und erst später Hochdeutsch. Stand ein Gang zum Amt an, wurde Hochdeutsch gesprochen. Auch die höhere Gesellschaft sprach Hochdeutsch. Lippisch Platt ist eine richtige Sprache, während zum Beispiel Kölsch ein Dialekt ist.

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