Fall Maria H.: Verdächtiger sitzt nun in deutschem Gefängnis

Silke Buhrmester

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Maria H. (links) hat ihre Aussage beim zweiten Verhör teilweise revidiert. - © Polizei Freiburg
Maria H. (links) hat ihre Aussage beim zweiten Verhör teilweise revidiert. (© Polizei Freiburg)

Freiburg/Blomberg. In den Vermisstenfall Maria H. kommt endlich Bewegung: Die italienischen Behörden haben den Verdächtigen Bernhard H. nach Deutschland überstellt. Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Michael Mächtel wird der gebürtige Blomberger in den nächsten Tagen nach Freiburg gebracht und dort von den Ermittlern vernommen. Wo und wann genau das Flugzeug mit dem Gefangenen in Deutschland landete, sagte Mächtel nicht. Auch nicht, in welche Haftanstalt der 57-Jährige gebracht wurde.

Polizei und Staatsanwaltschaft erhoffen sich durch die Vernehmung neue Erkenntnisse über die vergangenen fünf Jahre, in denen der Familienvater aus Blomberg mit seiner damals minderjährigen Internetbekanntschaft Maria H. aus Freiburg untergetaucht war. Maria hatte den Elektriker, der sich als Jugendlicher ausgab, 2012 in einem Chatroom kennengelernt und sich mehrfach in Freiburg mit ihm getroffen, bevor die damals 13-Jährige mit dem 53-Jährigen im Mai 2013 verschwand. Wochen später entdeckte die Polizei das Auto Bernhard H.’s und seinen weißen Schäferhund in Polen. Seither fehlte von dem ungleichen Paar jede Spur.

Erst Ende August tauchte Maria H. kurz nach ihrem 18. Geburtstag plötzlich wieder auf. Sie meldete sich bei ihrem Vater und bat darum, sie aus Mailand abzuholen – laut ihrer Aussage, weil sie als Volljährige nun nicht mehr befürchten musste, in einem Kinderheim untergebracht zu werden. Nur eine Woche später konnte die italienische Polizei Bernhard. H. in einem Haus in Sizilien festnehmen. Seither rätseln die Ermittler, was sich in den vergangenen Jahren zugetragen hat. Maria wurde insgesamt zweimal von der Polizei befragt und machte widersprüchliche Angaben: Beim ersten Mal kurz nach ihrer Heimkehr erzählte sie, sie habe sich noch in Polen von H. getrennt und sei anschließend alleine nach Italien gezogen, wo sie auch allein gelebt habe.

Nach der Verhaftung H.’s revidierte sie ihre erste Aussage in weiten Teilen. Nun sagte sie aus, sie sei mit H. zusammen nach Italien gekommen, beide hätten gemeinsam auf Sizilien gelebt und sich mit Gelegenheitsjobs ihren Lebensunterhalt verdient. Diese Version deckt sich weitgehend mit Recherchen der Bild-Zeitung. Danach hätten Maria und Bernhard H. mehrere Jahre in der sizilianischen Küstenstadt Licata (rund 37.000 Einwohner) gelebt. Zunächst hätten sie in einer Ruine gewohnt, später hätten sie eine eigene Wohnung gehabt. In ihrem näheren Umfeld hätten sie sich als Vater und Tochter ausgegeben und sich ein Zubrot verdient, in dem sie Kunden eines kleinen Supermarktes die Einkaufstüten getragen und Einkaufswagen zurückgebracht hätten. Zudem seien sie regelmäßig mittags in eine nahe gelegene Kirche zur Armenspeisung gegangen.

Polizeisprecherin Laura Riske konnte die Details nicht bestätigen. Maria habe gegenüber der Polizei keine konkreten Angaben gemacht. Die 18-Jährige lebt seit ihrer Rückkehr wieder bei ihrer Mutter. Diese teilte via Facebook mit, dass ihre Tochter den Wunsch geäußert habe, wieder zur Schule zu gehen. Interviews werde sie bis zum Prozessbeginn nicht geben – wohl aber danach: „Um andere Jugendliche zu warnen."

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