Auftragsgeschacher in Blomberger Unternehmen

Silke Buhrmester

  • 0
- © Symbolfoto dpa
(© Symbolfoto dpa)

Detmold/Blomberg. Ein Blomberger Unternehmen hat über etliche Jahre einem Ingenieur aus Süddeutschland zehnprozentige Provisionen dafür gezahlt, dass er Produkte in dem ortsansässigen Prüflabor testen ließ. Den Ingenieur hat das Amtsgericht Detmold gestern wegen Bestechlichkeit zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten und einer Zahlung von 5000 Euro verurteilt. Gegen die beiden beteiligten Ingenieure der Blomberger Firma wurde das Verfahren eingestellt – der jüngere muss 3000, der ältere 5000 Euro Strafe zahlen.

Die Geschäftsbeziehungen begannen 2009. Von wem die Initiative ausging, blieb unklar. Jedenfalls bekam der 39-jährige Angeklagte, der in leitender Position in einem Unternehmen aus der Automobilzuliefererbranche tätig war, ab diesem Zeitpunkt für jeden Auftrag, den er den Blombergern zuschusterte, zehn Prozent Provision. Abgerechnet wurde über Dritte – zunächst die Firma seiner Schwägerin in England, später eines Freundes und zum Schluss der Gartenbaufirma des Bruders. Die Drittfirmen stellten Rechnungen aus, die in der externen Kostenübersicht des Blomberger Prüflabors unter der Rubrik „Fremdkosten für Dienstleistungen" verbucht wurden. Insgesamt erhielt der Mann rund 115.000 Euro für 40 Aufträge, nach Abzug von Kosten und Steuern blieben ihm knapp 60.000 Euro.

Neben dem 39-Jährigen saßen auch zwei Mitarbeiter des Blomberger Unternehmens auf der Anklagebank, die allerdings keine finanziellen Vorteile hatten: Ein 42-jähriger Projektingenieur aus Höxter, dessen Aufgabe es war, ab 2012 die Aufträge zu planen und die Kosten aufzustellen, und sein Gruppenleiter und Vorgesetzter (51) aus Löhne.

„Dass es da diese besonderen Absprachen gab, war mir schon bekannt, das war kein Geheimnis und in der Unternehmenssoftware auch ablesbar", sagte der 42-Jährige. Zudem habe es mit einem anderen Kunden ja sogar eine schriftliche Vereinbarung zur Provisionszahlungen gegeben. Auch mit der kaufmännischen Leiterin, mit Kollegen aus der Buchhaltung und dem Laborleiter sei darüber gesprochen worden. Deshalb habe er sich nichts dabei gedacht: „Ich bin wohl zu blauäugig gewesen." Die Firma habe solche Zahlungen im übrigen gar nicht nötig gehabt – 2012/13 sei die Auftragslage so gut gewesen, dass man Kunden ablehnen musste.

Sein Vorgesetzter bestätigte, dass auch weitere Führungskräfte im Unternehmen von den Provisionen gewusst hätten. Im Leitungskreis seien die Provisionen sogar explizit in Besprechungen genannt worden: „Also bin ich davon ausgegangen, dass alles rechtens war", sagte er.

Der 61-jährige Geschäftsführer des Prüflabors konnte sich im Zeugenstand dagegen nicht daran erinnern, dass die Provisionen jemals im Leitungskreis thematisiert worden seien. Verantwortlich für die Kostenstelle sei der Laborleiter gewesen, der die Rechnungen auch abgezeichnet hatte. Aber weder ihm noch den kaufmännischen Mitarbeitern fiel etwas auf. Erst als ein Abteilungsleiter im Juli 2016 alle Verträge überprüfte, wurde dieser durch die Rechnungen der Gartenbaufirma stutzig. Er zog den Geschäftsführer hinzu. Es folgten Befragungen der Mitarbeiter, die den Sachverhalt umfänglich aufklärten, und schließlich die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, monatelange Ermittlungen und Hausdurchsuchungen bei dem 39-Jährigen.

„Das alles wirft kein gutes Licht auf das Controlling der Firma", unterstrich Richter Martin van der Sand. Weil sich die beiden Angeklagten geständig und einsichtig zeigten und keinen persönlichen Vorteil hatten, sehr wohl aber private und berufliche Konsequenzen tragen mussten, wurde das Verfahren eingestellt. Der Ingenieur aus Süddeutschland hingegen wurde wegen Bestechlichkeit verurteilt – auch wenn es ihm das Blomberger Unternehmen „sehr leicht gemacht" habe, wie Staatsanwalt Christopher Mergelmeyer unterstrich.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!