Sint Nicolaas ist in Blomberg eingezogen!

Silke Buhrmester

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Bunter Auftritt: Beim Einzug in die Blomberger Innenstadt stehen dem Sinterklaas viele Helfer zur Seite. - © Karl-Heinz Krull
Bunter Auftritt: Beim Einzug in die Blomberger Innenstadt stehen dem Sinterklaas viele Helfer zur Seite. (© Karl-Heinz Krull)

Blomberg. „Piet, piet, piet".... wenn dieser Ruf durch Blombergs Altstadt klingt, ist klar: Die Vorweihnachtszeit hat begonnen. Nicht der Weihnachtsmann, diese Kunstfigur, sondern der heilige Bischof Nikolaus hält in Blomberg Einzug. Und weil er aus den Niederlanden kommt, heißt der altehrwürdige Mann mit dem Rauschebart, dem edlen roten Samtgewand, dem Bischofsstab und der Mitra Sint Nicolaas. Begleitet wird der liebevoll „Sinter" genannte heilige Bischof nicht von Knecht Ruprecht, sondern von bunt gekleideten, schwarzen Männern – den „Zwarte Pieten".

Die Ehrenamtlichen, die hinter dieser schönen, und deutschlandweit nahezu einzigartigen Tradition stehen, haben sich 1997 im „Heimatverein Sint Nicolaas" zusammengefunden. Nach dem Abzug der niederländischen Garnison aus Blomberg war für sie schnell klar: Sinter muss in Blomberg bleiben. Und so schlüpfen seither Deutsche und Holländer in die Rollen des Sinter und seiner Gehilfen – und sie kümmern sich auch ums Drumherum. Und da gibt es einiges zu tun. Deshalb sind weit mehr als die Hälfte der rund 60 Mitglieder auch aktiv im Verein dabei.

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„Piet, piet, piet" – klingt es durch die Gassen – traditionell zieht der Sinter mit seinen schwarzen Gehilfen seit mehr als einem halben Jahrhundert am Samstag vor dem ersten Advent in Blomberg ein. Für die Ankunft per Pferdekutsche gibt es einiges zu organisieren: Die bunten Samtkostüme der Pieten müssen ebenso sitzen wie das Gewand des Bischofs. Die Kraushaar-Perücken, die Schminke, der Ohrschmuck: Piet werden, ist aufwändiger als gedacht. Rund zwei Stunden dauert die Verwandlung. Isabella Oetzel ist die Kleiderwartin, die sich seit vielen Jahren darum kümmert, dass die Pieten während ihrer Auftritte perfekt aussehen. Auftritte? Jawohl. Der Einzug in Blomberg ist nur der Anfang. Es folgen Besuche des Sinterklaas in Schulen, Kindergärten, Behinderteneinrichtungen und bei Vereinen, auch Privatauftritte absolviert der Bischof – und natürlich ist er auf etlichen Weihnachtsmärkten in der Region vertreten. Übrigens nicht nur dort: Eine Delegation des Heimatvereins fährt alljährlich ein Wochenende zu Auftritten in Blombergs Partnerstadt Oschatz. Die Wochen vor Weihnachten sind purer Stress für die Akteure.

Natürlich kommen die Pieten nicht mit leeren Händen. Sie sind die Spaßmacher, haben immer den Schalk im Nacken – und die Beutel gefüllt mit Pepernootjes und Snoepjes – kleinen Pfeffernüssen und allerlei Süßigkeiten. Die werden extra aus Enschede importiert. Früher fuhren Vereinsmitglieder mit Privatwagen über die Grenze, um das Streugut und neue Kostüme und Schminke zu besorgen. Inzwischen verbindet der ehemalige Vereinsvorsitzende Chris Veenstra jedes Jahr im November die Tour mit einer Busfahrt in die Grenzstadt, an der längst nicht mehr nur Vereinsmitglieder teilnehmen.

Im kostenlos zur Verfügung gestellten Basislager stapeln sich anschließend die Spezialitäten aus Holland – in diesem Jahr erstmalig in der ehemaligen Johanniter-Unterkunft im Paradies, in den Jahren zuvor bereits in der ehemaligen Blomberger Jugendherberge, im Herrentruper Sporthaus und zuletzt in der geschlossenen Kita Tintrup. Egal, wo die aktiven Vereinsmitglieder ein Zuhause auf Zeit finden – die Pieten und der Nikolaus brauchen immer noch Helfer im Hintergrund, allen voran die Fahrer, die sie zu den Auftritten bringen.

Eine wichtige Einnahmequelle für den Verein ist der Weihnachtsbaumverkauf, der zwei Wochen nach dem Sint Nicolaas Markt auf dem Groene Plaats (früher Alter Friedhof) am Freitag und Samstag, 14. und 15. Dezember, ab 8 Uhr läuft. Auch hier sind ehrenamtliche Verkäufer engagiert, um die Bäume, die der Verein frisch aus dem Extertal bezieht, zu verkaufen. Apropos Sint Nicolaas Markt: Über die Jahre ist er immer weiter gewachsen, hatte Sinter und die Pieten als Alleinstellungsmerkmal in der Region. Sogar ein holländischer Käse- und ein Fischverkäufer mit „Kibberling", Lakritze und allerlei Weihnachtliches gab es auf dem Markt zu kaufen, Holzbuden zierten von Freitagabend bis Sonntag den Platz vor dem Rathaus. In diesem Jahr muss der Verein das Angebot jedoch zurückfahren: „Die finanzielle Unterstützung durch Blomberg Marketing ist um mehr als zwei Drittel zurückgefahren worden. Deshalb haben wir den Sonntag aus dem Programm nehmen müssen", erklärt die Vereinsvorsitzende Andrea Hofer. Neben der vereinseigenen Holzhütte mit Glühwein- und Punschverkauf und vielen holländischen Spezialitäten wird es noch einen Getränke- und einen Imbissstand sowie einen abgespeckten Weihnachtsmarkt geben. Die Besucher können sich auf das Rahmenprogramm mit Musik und Lesung auf der Bühne, vor allem aber auf Sint Nicolaas, die Pieten und leckere Süßigkeiten freuen.

Sint Nicolaas kommt seit 1965 zu Besuch

Die niederländischen Soldaten haben SintNicolaas und die ZwartenPieten Mitte der 60er Jahre nach Blomberg gebracht. Hier waren sie seit Anfang der 60er Jahre während des Kalten Krieges mit einer Raketenabwehreinheit stationiert. „Als nach den Soldaten auch ihre Familien nach Blomberg zogen, wurde irgendwann die Sehnsucht nach heimischen Traditionen größer", berichtet Charles Vlaanderen, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins SintNicolaas. Mehrere Soldaten kümmerten sich seit 1965 darum, dass SintNicolaas und seine Pieten die niederländischen Kinder bescherten. Ab 1966 wurde SintNicolaas auf dem Blomberger Marktplatz empfangen, im Beisein des Kasernenkommandanten, des Stadtdirektors, des Bürgermeisters und vor allem vieler Blomberger. „Was klein anfing, wurde jedes Jahr etwas ausgebaut.

Da das niederländische Militär dafür aufkam, spielte Geld keine Rolle", erzählt Vlaanderen. Schnell wurde der Besuch zum Publikumsmagneten. Es kamen ein Erbsensuppen- sowie der Weihnachtsbaumverkauf hinzu. Als die Niederländer 1995 aus Blomberg abzogen, nahmen einige nach wie vor in Blomberg lebende Niederländer gemeinsam mit deutschen Freunden das Zepter in die Hand und gründeten den Heimatverein SintNicolaas. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Erfolgsgeschichte bis heute besteht.

Das Programm beim Sint Nicolaas Markt

Freitag, 30. November:

12.30 Uhr: Öffnung Marktstände

17 Uhr: Offizielle Markteröffnung

17.15 Uhr: Glühwein-Antrinken

und Pieten-Schabernack

17.30 Uhr: Christmas-Oldies mit Marco Schröder

und Rainer „Findus" Koch

Samstag, 1. Dezember:

12 Uhr: Öffnung der Marktstände

13 Uhr: Lesung von Ursula Schmitt

14.30 Uhr: Einzug des Sint Nicolaas

und der Zwarten Pieten

15 Uhr: „Spreekuur" (Sprechstunde) mit Sint Nicolaas

18 Uhr: Christmas-Party mit DJ Freezer

20 Uhr: Glühwein-Trinken mit Happy Hour

Marktende ist an beiden Tagen um 21 Uhr

Sinterklaas kommt per Boot

Sinterklaas oder Sint Nicolaas ist die niederländische Bezeichnung für eine an den Nikolaus von Myra angelehnte Gestalt. Er ist Hauptfigur eines Kinderfestes, das am 5. Dezember in den Niederlanden gefeiert wird. Der Legende nach reist Sinterklaas jedes Jahr mit dem Boot aus Spanien an und wird dabei von den Zwarten Pieten begleitet. Er trägt Bischofskleidung, reitet auf einem Schimmel über die Dächer und kommt mit seinen Helfern durch den Schornstein in die Häuser, um den Kindern Geschenke und Süßes zu bringen.

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