Bieterduell um Blomberger Scharfrichter

Tanja Watermann

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Traditionshaus: In der Blomberger City fristet der Scharfrichter seit Jahren ein trostloses Dasein. Durch die Versteigerung gibt es gute Chancen, 
dem Objekt und den Nebengebäuden wieder neues Leben einzuhauchen. Ob als Gastronomie oder Wohnimmobilie, ist offen. - © Tanja Watermann
Traditionshaus: In der Blomberger City fristet der Scharfrichter seit Jahren ein trostloses Dasein. Durch die Versteigerung gibt es gute Chancen, 
dem Objekt und den Nebengebäuden wieder neues Leben einzuhauchen. Ob als Gastronomie oder Wohnimmobilie, ist offen. (© Tanja Watermann)

Blomberg. Gespannt haben fast 20 Zuschauer am Donnerstagmorgen im Amtsgericht Blomberg den Ausgang der erneut angesetzten Versteigerung der Kultgaststätte Scharfrichter mitverfolgt. Auch Rechtspfleger Helge Ortmeier, der die Versteigerung leitete, freute sich über die dynamische Veranstaltung, bei dem am Ende Detlef Gründer mit dem Höchstgebot von 131.500 Euro die Nase vorn hatte.

Den finalen Zuschlag erhielt Gründer trotzdem noch nicht – Rechtsanwalt Peter Sternberg, der die Gläubigerin „New Bond Street GmbH" vertritt, beantragte nach kurzer Unterbrechung die Aussetzung des Zuschlags um eine Woche. Ortmeier stimmte zu und legte den Termin der Zuschlagsverkündung auf den 21. Februar fest.

Mit einem so temporeichen Bieterduell hatte am Morgen keiner der Zuschauer gerechnet, als der Scharfrichter mit seinen Gebäuden „Neue Torstraße 24, 26, 28" und „An der Mauer 24" erneut unter den Hammer kam. Doch sowohl der spätere Höchstbieter Detlef Gründer, wie auch das nur um 500 Euro unterlegene Bieterpaar Mario Brechmann und Nadine Dreisbach-Biermann, hatten offensichtlich großes Interesse am Objekt. Überraschend: Beide kennen die Häuser nur von außen und haben – außer durch Fotos aus dem Internet – keine Vorstellung in welchem Zustand sie die ersteigerten Immobilien übernehmen würden.

Nachdem Rechtspfleger Ortmeier die Grundbücher der Objekte verlesen hat, setzte er die Bedingungen fest: Die Grundstücke kommen nur als Einheit unter den Hammer, Einzelgebote werden nicht akzeptiert. Das Wegerecht zu den Nachbargrundstücken bleibt bestehen und der Verkehrswert aller Grundstücke liegt zusammen bei 139.200 Euro. Des Weiteren gab Ortmeier bekannt, dass das Inventar in den Gebäuden zwischenzeitlich freigegeben wurde und somit nicht Bestandteil der Versteigerung sei.

Die für 30 Minuten angesetzte Versteigerung begann pünktlich um 9.25 Uhr mit dem ersten Gebot von Gründer über 50.000 Euro. In der weiteren Viertelstunde passierte nichts, und Gründer verließ den Saal. Daraufhin bot das Ehepaar Biermann 51.000 Euro. Nach der Rückkehr von Gründer war die Spannung im Saal greifbar, denn er wusste nichts vom neuen Angebot. Angesichts der bohrenden Blicke der Zuschauer erkundigte er sich beim Rechtspfleger, ob in seiner Abwesenheit etwas passiert sei und holte sich das Höchstgebot mit einem neuen Gebot von 52.000 Euro zurück.

In den nächsten Minuten boten die beiden Parteien sich dann bis auf 110.000 Euro hoch. Somit wurden über 70 Prozent des Verkehrswertes erreicht. Da beide Parteien den Zuschlag unbedingt erhalten wollten, erhöhten sie in einem spannenden Duell auf 131.500 Euro – dem letzten Gebot von Gründer. Das Publikum staunte.

„Ich hoffe, dass ich nach der Zuschlagsverkündung am 21. Februar jubeln darf. Die Bausubstanz ist einmalig und die Lage zentral", erklärte der Diplomkaufmann, für den dies die dritte Teilnahme an einer Versteigerung des Scharfrichters ist. Auch den Denkmalschutz sehe er nicht negativ: „Da gibt es interessante Förderungen und Möglichkeiten", betonte er und ließ noch offen, wie er den Scharfrichter und die Nebengebäuden künftig nutzen wird.

Die Zuschlagsverkündung zum finalen Gebot von 131.500 Euro findet nicht-öffentlich am Donnerstag, 21. Februar, im Amtsgericht Blomberg statt. Hier kann die jahrelange Odyssee enden.

Vielversprechender Tag für den Höchstbieter

Detlef Gründer ging als Höchstbietender mit einem Gebot von 131.500 Euro aus dem Gerichtssaal und hofft auf die Zuschlagsverkündung am 21. Februar um 9 Uhr im Amtsgericht Blomberg. Miescha Günzel, der von der Gläubigerin „New Bond Street GmbH" beauftragt wurde, Käufer zu finden, freute sich über den dynamischen Gebotsverlauf und die erzielte Summe von 131.500 Euro, die nur gering unter dem angesetzten Verkehrswert von 139.200 Euro liegt. Die Gläubigerin entscheidet final über den Zuschlag.

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