Warum die 13-jährige Maria mit dem 53-jährigen Bernhard Haase abhaute

Polizei ermittelt nach Zeugenaussagen auch in der Schweiz

VON INGO SENFT-WERNER und Seda Hagemann

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- © Polizei Freiburg
Fall Maria H. (© Polizei Freiburg)

Blomberg/Freiburg. Seit drei Wochen ist die 13-jährige Maria-Brigitta Henselmann aus Freiburg mit einem 40 Jahre älteren Mann auf der Flucht - Bernhard Haase aus Blomberg. Sie hatten sich über das Internet kennengelernt. Die Fahnder gehen von einer Liebesbeziehung aus. Was bringt solch ungleiche Paare zusammen?

Älterer Mann, junge Frau - das zählt zu den Klassikern in Liebesbeziehungen. Was aber geht in Männern vor, die sich in pubertierende Mädchen verlieben und sich damit strafbar machen? Und was bringt Teenager dazu, ihr Leben in die Hand eines älteren Mannes zu legen, wie es wohl Maria getan hat?

Für den Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Rudolf Egg, leben die beiden eine Fantasie aus, die viele Menschen haben, aber aus gutem Grund nicht umsetzen. "Ich denke, dass sich 10 bis 15 Prozent der Männer von Jugendlichen angezogen fühlen, die noch halb Mädchen und schon halb Frau sind." Aber die meisten beließen es bei der Fantasie, sei es aus moralischen Gründen oder aus Furcht vor Strafe und gesellschaftlicher Ächtung.

Das Verhalten von Maria findet Egg ebenfalls nicht ungewöhnlich. "Die Schwärmerei von Mädchen etwa für ihre Lehrer ist ja bekannt." Die Erwachsenen repräsentierten das, was sie selbst noch nicht haben: Reife und Selbstbewusstsein. Meist fallen solche Schwärmereien nicht auf fruchtbaren Boden und erlöschen schnell.

Es muss einiges zusammenkommen, damit ein solch ungleiches Paar entsteht. Das Internet spielt dabei für Egg nicht die entscheidende Rolle. "Es bietet nur eine Möglichkeit mehr, in Kontakt zu kommen." Auf herkömmlichem Weg wäre Maria aber vermutlich kaum auf den 53-Jährigen aus Blomberg gestoßen. Sie hatte sich mehrfach mit ihm getroffen - gegen den Willen ihrer Eltern.

Für die Kriminalistin Rita Steffesenn vom Zentrum für Kriminologie und Polizeiforschung in Kaisersesch ist das Internet "eine gute Plattform, um anonym zu bleiben. Das Paar kann sich kennenlernen, ohne sich mit dem störenden Umfeld, etwa den Eltern, auseinandersetzen zu müssen." Im richtigen Leben falle ein Mann dagegen schnell auf, wenn er sich mit einer Jugendlichen trifft.

Zudem sind Mädchen schnell bereit, im Internet ihre Gefühle offenzulegen. Das lässt sich vielfach nachlesen. So berichtet ein Teenager unter dem Pseudonym "untilyoucomeback" über eine Erfahrung als 14-Jährige: "Ich hab mich in ihn verliebt, obwohl ich ihn in echt noch nie gesehen hatte."

Solche Mädchen sind für die Annäherungsversuche eines älteren Mannes offen: "Pubertierende sind in einem Moment ganz erwachsen und dann wieder wie kleine Kinder. Wenn ein Erwachsener auf all das eingeht, tut das unheimlich gut", sagt Steffesenn.

Bei den betreffenden Männern sieht Egg, der in solchen Fällen als Gutachter gehört wird, eine gewisse Unreife. "Oft sagen sie selbst, dass sie noch wie Kinder sind." Ein Motiv sei auch, dass sie die Frauen beschützen wollten, was sie in gleichberechtigten Partnerschaften kaum ausleben könnten. An dieser Frage würden solche Beziehungen auch später oft scheitern. "Wenn die Mädchen erwachsen werden, sehen sie das Ungleichgewicht und beenden das Ganze."

Die Männer, die wegen ihrer Liebe zu Minderjährigen meist ins Gefängnis müssen, zeigten sich oft wenig einsichtig. "Viele schämen sich nicht, 'weil das Mädchen doch schon so erwachsen war'", sagt Egg. "Diese Männer haben ihre eigene Version der Geschichte, in der nicht sie, sondern die Gesetze das Problem sind."

Information
Zeugen wollen Paar in der Schweiz gesehen haben

Nach Informationen des schweizerischen Internetportals "20 Minuten" ermittelt nun auch die schweizerische Polizei im Fall der vermissten Maria. Gleich mehrere Zeugen hatten sich offenbar bei der dortigen Polizei gemeldet und behauptet, dass Paar in einem Café und in einer Ausstellung in Bern gesehen zu haben.

Ob an den Hinweisen etwas dran ist, wird sich zeigen. Die Freiburger Kripo will die Spur nicht als "heiß" bezeichnen. Sie bestätigte bis jetzt nur die Ermittlungen der Kollegen aus der Schweiz. Bisher seien in dem Fall etwa 300 Hinweise eingegangen. Doch noch auch fast vier Wochen nach dem Verschwinden der 13-Jährigen mit dem 53-Jährigen aus Blomberg fehlt von den beiden jede Spur.

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