17-Jähriger aus Nieheim bei Rangelei auf Wilbasen schwer verletzt

Schwerer Unfall überschattet ansonsten gelungene Stoppelkirmes

Von Marianne Schwarzer

Nieheimer auf Wilbasen schwer verletzt - © Blomberg
Nieheimer auf Wilbasen schwer verletzt (© Blomberg)

Blomberg-Siebenhöfen. Eigentlich ein perfektes Wilbasenwochende: In großen Scharen strömten die Menschen auf die Festwiese und genossen das Kirmesvergnügen. Allerdings ereignete sich nächtens ein Zwischenfall, bei dem ein 17-Jähriger lebensgefährlich verletzt wurde.

Der junge Nieheimer hatte in der Nacht zu Sonntag am Rande des Karussells "Breakdance" gestanden, als es zwischen ihm und zwei weiteren Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren zu einem Streit kam. Nach Informationen der LZ wollte einer der beiden anderen ihm eine Kopfnuss verpassen, dabei kam der 17-Jährige ins Straucheln und geriet vor eine der rotierenden Gondeln, die jedoch noch nicht in voller Fahrt waren.

Der junge Mann wurde mitgerissen und einige Meter weiter aus dem Karussellbereich geschleudert. Dabei fiel er unglücklicherweise ausgerechnet gegen einen Metallpfosten und zog sich eine sehr schwere Kopfverletzung zu. Nur wenige Minuten später waren Rettungssanitäter und Notarzt Dr. Wolfram Müller zur Stelle, der den Verletzten im Rettungswagen behandelte, bevor er ins Krankenhaus Bad Pyrmont gebracht wurde. Die beiden anderen beteiligten Jugendlichen waren vom Karussellbetreiber Frank Noack festgehalten und der Polizei übergeben worden.

Anziehungspunkt für die ganze Familie: Das Wetter meinte es in diesem Jahr gut mit den Schaustellern - die Kirmeshungrigen kamen in Scharen. - © Foto: Schwarzer
Anziehungspunkt für die ganze Familie: Das Wetter meinte es in diesem Jahr gut mit den Schaustellern - die Kirmeshungrigen kamen in Scharen. (© Foto: Schwarzer)

Die Kripo ermittelt gegen die jungen Leute. "Der Junge, der ihn geschubst hat, war total am Zittern, der hat das natürlich nicht gewollt", erzählte Noack gestern der LZ. Er und sein Team hätten sofort versucht, die unzähligen Gaffer abzuhalten: "Viele waren alkoholisiert, da hat man weniger Hemmungen." Wie Dr. Wolfram Müller erzählt, haben ihm Feuerwehr und Sicherheitsleute den Weg frei gehalten. "Ihnen allen muss ich ein großes Kompliment machen."

Schausteller Frank Noack wollten die Bilder der Nacht gestern noch nicht so recht aus dem Kopf gehen. Er hat einen solchen Zwischenfall noch nie erlebt. "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen", erzählte der 43-Jährige, wohl wissend, dass ihn als Betreiber keinerlei Schuld trifft: "Wenn der Junge nicht so unglücklich gegen den Pfosten geschleudert worden wäre, wäre wahrscheinlich gar nicht viel passiert. Ich hoffe so sehr, dass er durchkommt." Das ist dem Familienvater deutlich wichtiger als der Einnahmeverlust: Immerhin hat das Karussell zur besten Zeit drei Stunden still gestanden. "Einem Freund von mir ist etwas ähnliches bei einem anderen Karussell passiert. Der hat am Ende dieses Fahrgeschäft verkauft."

Doch die Show muss auch im Kirmesgewerbe weitergehen, und so füllten sich am Sonntag Nachmittag die Gassen auf dem Wilbasengelände von Stunde zu Stunde mehr.

Außer dem tragischen Zwischenfall hatten die Rettungssanitäter und Ordnungshüter es am Wochenende eher mit kleineren Vorfällen zu tun: Alkoholisierte, meist jugendliche Schlachtenbummler häufen sich allerdings, wie einer der Polizeibeamten am Sonntag auf Nachfrage der LZ erzählte.

Pech hatte eine 16-Jährige Schieder-Schwalenbergerin, die im Schutz der Dunkelheit gemeinsam mit Freundinnen hinter dem Riesenrad ihre Notdurft verrichtete: Sie wurde von einer Bierflasche getroffen, die ein Kirmesbesucher in ihre Richtung geworfen hatte, und musste am Kopf genäht werden.

Information
Retter im Hintergrund

Blomberg-Siebenhöfen (an). Abgesehen von einem Sturz aus dem Karussell Mitte der 90-er Jahre ist auf dem Wilbaser Markt bisher kaum Schlimmes passiert.

Gleichwohl stehen permanent Rettungssanitäter und ein Notarzt in einer Art Leitstelle vor Ort für Fälle wie das tragische Unglück von Samstagnacht parat.

In Windeseile war Notarzt Dr. Wolfram Müller am Unfallort: "Wir sind mit dem Rettungswagen sehr gut durchgekommen, trotz der engen Gassen. Als ich ankam, waren schon vier Sanitäter da, die zu Fuß unterwegs gewesen waren", erzählt der Mediziner, der beim DRK-Kreisverband für die Fortbildung der Sanitäter zuständig ist.

"Man muss dem Kreis Lippe hoch anrechnen, dass er handlungsfähiges Personal und Equipment bereitstellt." Samstagnacht konnte Dr. Müller den 17-Jährigen vor Ort im Rettungswagen so weit stabilisieren, dass er direkt nach Bad Pyrmont transportiert werden konnte. "Medizinisch war das eine Eins plus, aber wir sind ja auch ein gutes Team." Der Blomberger Ortsverband sei ganz besonders engagiert.

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