Unfall auf Wilbasen: 17-Jähriger weiter in Lebensgefahr

Rettungshubschrauber wäre zu spät gekommen

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17-Jähriger weiter in Lebensgefahr - © Blomberg
17-Jähriger weiter in Lebensgefahr (© Blomberg)

Kreis Lippe (an). Der 17-jährige Nieheimer, der in der Nacht zu Sonntag auf dem Wilbaser Markt verunglückt ist (die LZ berichtete), schwebt nach Informationen der LZ noch immer in Lebensgefahr. Seine Verletzungen waren so ernst gewesen, dass Notarzt Dr. Wolfram Müller zunächst einen Rettungshubschrauber angefordert hatte. Doch der kam nicht.

Der Schwerverletzte wurde wie berichtet ins Bad Pyrmonter Krankenhaus gebracht, das unter anderem auf schwere Kopfverletzungen eingestellt ist. Warum?

Meinolf Haase, beim Kreis Lippe zuständig für den Katastrophenschutz, hat auf Bitten der LZ nachgehakt. "In einem solchen Fall fragt der Notarzt bei der Leitstelle an und die wiederum in Bielefeld bei der Leitstelle der Berufsfeuerwehr, die die Hubschraubereinsätze koordiniert", erzählt Haase.

Grundsätzlich aber fliege weder Christoph 13 in Bielefeld noch Christoph 4 in Hannover oder Christoph 6 in Kassel bei Dunkelheit. Auch bei Nebel oder dichtem Schneefall sind den Christoph-Piloten die Hände gebunden. "Die Hubschrauber sind zwar technisch dazu in der Lage, nachts zu fliegen, aber Fliegen bei Dunkelheit ist deutlich anspruchsvoller. Dafür müssten jeweils zwei Piloten vorgehalten werden."

Rettungshubschrauber Christoph 13 - © Foto: Archiv
Rettungshubschrauber Christoph 13 (© Foto: Archiv)

Es gäbe für den Ernstfall tatsächlich Hubschrauber mit doppelter Besatzung, so genannte Sekundärhubschrauber. Einer ist in Steinfurt, einer in Köln stationiert. "Der Steinfurter ist Samstagnacht auch angefordert worden, war aber anderweitig im Einsatz. Und wenn er tatsächlich gekommen wäre, dann nicht zum Wilbasen-Gelände, sondern lediglich zu einem nahe gelegenen Krankenhaus, das über einen Hubschrauberlandeplatz verfügt." Nächtens bei Unfallorten im Gelände zu landen, sei schlichtweg zu gefährlich, man denke nur an Hochspannungsleitungen und dergleichen.

All das hat Samstagnacht unterm Strich zu der Entscheidung des Notarztes geführt, den Patienten direkt im Rettungswagen ins Bad Pyrmonter Krankenhaus zu bringen. Und noch etwas: Während Christoph 13 tagsüber im Notfall binnen 40 Sekunden abheben kann, brauchen die doppelt bemannten Sekundärhubschrauber 30 Minuten Anlauf. Das können die Rettungswagen im Kreis Lippe unterbieten. Zwölf stehen im Kreisgebiet nachts zur Verfügung, tagsüber sind es insgesamt 19, wie Meinolf Haase erklärt.

Der junge Nieheimer habe somit die bestmögliche und schnellste Behandlung erhalten, betont Haase.

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