LZ begleitet die Flüchtlingsunterkunft in Blomberg

Bevor die ersten Flüchtlinge am Lehmbrink einziehen, erzählt Rüdiger Winter vom Fachbereich Soziales etwas zum Stand der Dinge

Marianne Schwarzer

Flüchtlingsunterkunft in Blomberg - © Bernhard Preuß
Flüchtlingsunterkunft in Blomberg (© Bernhard Preuß)

Blomberg. Die LZ begleitet die Flüchtlingsunterkunft am Blomberger Lehmbrink in den nächsten Monaten - vom Bau bist zum Einzug und natürlich auch darüber hinaus. Wir haben mit Rüdiger Winter vom Fachbereich Soziales der Stadt über den Stand der Dinge gesprochen und ihn auch auf mögliche Probleme angesprochen.

Herr Winter, nächste Woche sollen die ersten Bewohner in das neue Haus am Lehmbrink einziehen. Wie sind Sie als Fachbereichsleiter überhaupt an die Einrichtung der Unterkunft herangegangen?
Winter:
Es gab keinen Plan, kein Konzept. Wir waren im ersten Quartal dieses Jahres zunächst ohne großen Druck auf der Suche nach Objekten. Mit dem Lehmbrink dachten wir nun, wir wären alle Sorgen los und könnten die kleineren Standorte zurückfahren. Nun hat die Wirklichkeit uns eingeholt.

Nun hatten Sie 2000 Quadratmeter Büroräume vor sich. Und dann?
Winter:
Die Langemanns als Eigentümer haben sich gemeinsam mit mir und Svenja Stöss-Welsand andere Einrichtungen angeschaut, insbesondere die Abläufe in der Landesaufnahmeeinrichtung in Oerlinghausen. Dann haben wir uns fast täglich vor Ort getroffen und uns vorgestellt: Was brauchen die Menschen, welche Dienste müssen wir hier unterbringen? Denn wir wollen die Bewohner hier nicht isoliert allein lassen. Nur so können wir auch im Umfeld Akzeptanz schaffen.

Information
LZ begleitet Flüchtlingsunterkunft
Immer mehr Flüchtlinge suchen Schutz in Lippe - viele finden ihn auch in Blomberg. Bis zu 140 Menschen können in der umgebauten Unterkunft am Lehmbrink 13 wohnen – Ende Oktober sollen die ersten dort einziehen. Die LZ begleitet den Neuanfang und wird in den kommenden Wochen auch über die Probleme im Umfeld berichten.
Neben viel Hilfsbereitschaft in der Blomberger Bevölkerung treffen die Neubürger auch auf Unsicherheit und Bedenken in der Nelkenstadt – insbesondere in der direkten Nachbarschaft. Die LZ-Redaktion will allen Beteiligten eine Stimme verleihen. In regelmäßigen Abständen werden wir einen Blick auf das Zusammenleben von Einheimischen und Flüchtlingen in Blomberg werfen.
Vor dem Einzug haben wir Fakten zum Thema „Flüchtlinge in Blomberg“ zusammengetragen und sind mit einem Videoteam durch die Unterkunft gegangen.

Wie viel Raum steht den Menschen zur Verfügung?
Winter: Es gibt hier keine klaren Vorgaben. In der Praxis 7 bis 11 Quadratmeter. Im Objekt Lehmbrink 13 sind es etwa 13 unter Einbeziehung der Allgemeinflächen bei voller Auslastung des Hauses.

Haben Sie keine Angst, dass die Bewohner einen Koller kriegen?
Winter:
Nein. Es gibt ja auch Gruppen- und Aufenthaltsbereiche und die Gemeinschaftsküchen. Wir haben versucht, durch die Ausstattung das Konfliktpotential zu senken.

 

Was verstehen Sie darunter?
Winter:
Beispielsweise haben wir in den Küchen acht mal vier Kochgelegenheiten mit leicht bedienbaren Elektroplatten eingerichtet, so dass sich die Bewohner nicht ins Gehege kommen. Und wir haben Industriewaschmaschinen mit ganz kurzen Laufzeiten und Trockner aufgestellt.

In der Lemgoer Unterkunft waschen die Bewohner ihre Kleidung mit der Hand. Warum haben Sie sich anders entschieden?
Winter:
Weil wir dann Probleme mit dem Trocknen der Kleidung bekommen. Dafür gibt es keine Flächen, und in den Zimmern hätten wir dann auch noch das Problem der Feuchtigkeit.

Haben Sie mal auf den dünnen Matratzen gelegen?
Winter:
Ja. Ich gebe zu, das ist zwar nicht so superbequem, aber das ist der Standard auch in anderen Unterkünften. Und uns ist wichtiger, dass die Betreuung stimmt. Das Geld kann man nur einmal ausgeben.

Was ist mit den sanitären Anlagen?
Winter:
Wir haben das so geregelt, dass die Duschkabinen abschließbar sind und nur wie auf Campingplätzen jeweils innen Platz ist, um sich aus- und anzukleiden. Die Bäder sind so ausgelegt, dass man sich da nicht lange im Vorraum aufhalten muss. Auch das vermeidet Konflikte.

Wer reinigt die Räume?
Winter:
Die sanitären Anlagen werden professionell gereinigt, die Zimmer müssen die Bewohner selbst sauber halten.

Wer kümmert sich um die Bewohner und wie schaffen Sie es, dass Ordnung im und rund um das Haus herrscht?
Winter:
Ein Hausmeister ist tagsüber da, ab dem 1. November auch eine sozialpädagogische Hausleitung. Nachts und am Wochenende ist ein Sicherheitsdienst vor Ort, außen am Haus werden nächste Woche Videokameras angebracht.

Schon im Vorfeld haben viele Anwohner Befürchtungen geäußert. Wie begegnen sie diesen?

Fachbereichsleiter Rüdiger Winter zeigt, was zur Erstausstattung gehört: eine Garnitur Bettwäsche, Teller, Tasse, Töpfe und Besteck. - © Bernhard Preuß
Fachbereichsleiter Rüdiger Winter zeigt, was zur Erstausstattung gehört: eine Garnitur Bettwäsche, Teller, Tasse, Töpfe und Besteck. (© Bernhard Preuß)

Winter: Vom ersten Tag an werden sich die Eigentümer, die Verwaltung, die Hausleitung und der Hausmeister sowie der Sicherheitsdienst und hoffentlich ein Sprecher der Anwohner jeden Montagmorgen in der Unterkunft zusammensetzen, um alles zu besprechen. Nur so können wir Probleme angehen und sie aus der Welt schaffen.

Hat Sie in dieser letzten Phase vor der Eröffnung noch mal jemand von den Anwohnern angesprochen oder Probleme benannt?
Winter:
Überhaupt nicht. Wir sind ja täglich vor Ort, aber seit der letzten Begehung mit den Anwohnern am 3. September ist noch niemand wieder auf uns zugekommen.

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