Fichten verschwinden aus dem Blomberger Stadtwald

Greta Wiedemeier

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Hier sollte das Blau des Himmels eigentlich kaum zu sehen sein – die Buchen bereiten Förster Stephan Radeck und Susanne Hoffmann vom Landesverband jedoch immer größere Sorgen. - © Greta Wiedemeier
Hier sollte das Blau des Himmels eigentlich kaum zu sehen sein – die Buchen bereiten Förster Stephan Radeck und Susanne Hoffmann vom Landesverband jedoch immer größere Sorgen. (© Greta Wiedemeier)

Blomberg. 50 Container mit je 32 Festmetern Fichtenholz wurden im August nach China verschifft – Zahlen wie diese konnte der Blomberger Stadtforst bislang noch nie vorweisen. Der Verkauf erfolgt allerdings eher unfreiwillig und spült kaum Gewinn in die Kassen. Zu viele Bäume werden in NRW aktuell gefällt und suchen nach Abnehmern. Diese finden sich zum größten Teil in China wieder.„All die dunkelblauen Flächen werden nächstes Jahr nicht mehr da sein", erklärt Förster Stephan Radeck mit Blick auf die bunte Karte des Stadtwaldes im Blomberger Forsthaus. Und eben diese dunkelblauen Flächen waren bisher von einer der zwei Hauptbaumarten im Naturschutzgebiet besiedelt: der Fichte.

Die blauen Fichtengebiete des Stadtwaldes wird es in dieser Form bald nicht mehr geben und auch die braunen Buchenwälder sind aus Sicht der Experten gefährdet. - © Greta Wiedemeier
Die blauen Fichtengebiete des Stadtwaldes wird es in dieser Form bald nicht mehr geben und auch die braunen Buchenwälder sind aus Sicht der Experten gefährdet. (© Greta Wiedemeier)

Schon jetzt stößt man im Waldgebiet jeden Tag auf mehr Freiflächen. Auf dem Boden finden sich untypisch grüne Nadeln und rund um die noch verbliebenen Bäume liegt eine Schicht aus feinem, zimtfarbenen Pulver – das Ergebnis der Arbeit des Buchdruckers, desjenigen Borkenkäfers, der hier in Blomberg fleißig am Werk ist. Der eingesetzte Harvester arbeitet sich Tag für Tag weiter voran, fällt Baum für Baum, und kann trotzdem nicht mit dem enormen Tempo der Borkenkäferpopulation mithalten. Dieser Teil des Stadtforstes, in dem die Situation aktuell am dramatischsten ist, befindet sich knapp außerhalb des ausgewiesenen Naturschutzgebietes „Wälder bei Blomberg". Doch auch die vielen Fichten innerhalb des Schutzgebietes, deren Nadeln zum Teil noch keine braune Verfärbung aufweisen, sind befallen und werden in den nächsten Monaten abgeholzt. „Das wird riesige Folgen nach sich ziehen, sowohl finanziell als auch für die Natur", weiß Radeck.

Hier hat der Borkenkäfer zugeschlagen: Förster Stephan Radeck zeigt, wieso der Fichtenbestand keine Chance mehr hat. - © Greta Wiedemeier
Hier hat der Borkenkäfer zugeschlagen: Förster Stephan Radeck zeigt, wieso der Fichtenbestand keine Chance mehr hat. (© Greta Wiedemeier)

Pilz bedroht Eschen

Und die Fichte ist nicht der einzige Baum, der den Forstwirten zur Zeit Sorgen bereitet: Die dominierende Baumart im Gebiet, die Buche, kränkelt ebenfalls. Seit letztem Sommer leidet sie unter erheblichen Vitalitätsproblemen und bildet immer lichtdurchlässigere Kronen mit kleineren Blättern und unbelaubten Astabschnitten aus. Das Laub einiger Exemplare verfärbt sich gelblich – „eindeutig Trockenheitsstress", beurteilt Susanne Hoffmann, Landesverband Lippe. Dabei verfügt die Buche eigentlich über eine weite Standorttoleranz. Nicht ohne Grund wäre fast ganz Deutschland von Natur aus mit Buchen- oder Buchenmischwäldern bedeckt. „Wenn man in die Kronen hineinschaut, darf man den Himmel eigentlich kaum sehen", beschreibt Hoffmann den Wunschzustand. Wendet man den Blick in den Blomberger Wäldern aktuell nach oben, ist das Blau des Himmels an etlichen Stellen deutlich zu erkennen. Noch sei es zu früh, um konkrete Prognosen für die Buchenwaldbestände zu stellen.

Hier hat der Borkenkäfer zugeschlagen. - © Greta Wiedemeier
Hier hat der Borkenkäfer zugeschlagen. (© Greta Wiedemeier)

> Auch von der Esche müssen Waldbesucher sich in Zukunft womöglich verabschieden: ein eingeschleppter Pilz hat die rund 25 Hektar im Blomberger Wald befallen und bedroht die heimische Baumart. „Wenn die Entwicklung so weiter geht, werden wir ganz andere waldbauliche Maßnahmen treffen müssen", so Hoffmann. Matthias Füller von der Biologischen Station Lippe sieht in der Katastrophe für einige Arten auch eine Chance: Wenn das Landschaftsbild der „Wälder bei Blomberg" immer offener wird, bekomme die Bodenschicht mehr Licht und verschiedenste Kräuterarten damit die Chance zu wachsen. Ob Katastrophe oder Chance – klar ist, dass das Blomberger Naturschutzgebiet seinen Charakter in einigen Jahren deutlich verändert haben wird. Welche Bewohner es verliert und welche neu hinzustoßen, bleibt abzuwarten.Im achten Teil der Serie über Natuschutzgebiete in Südlippe geht es um die Naturschutzgebiet in Norderteich und Naptetal in Horn-Bad Meinberg.

Hier hat der Borkenkäfer zugeschlagen: Förster Stephan Radeck, Susanne Hoffmann vom Landesverband Lippe und Stadtforst-Praktikantin Annika Sievert sind immer wieder schockiert über das Ausmaß des Schadens. - © Greta Wiedemeier
Hier hat der Borkenkäfer zugeschlagen: Förster Stephan Radeck, Susanne Hoffmann vom Landesverband Lippe und Stadtforst-Praktikantin Annika Sievert sind immer wieder schockiert über das Ausmaß des Schadens. (© Greta Wiedemeier)

Reiche Artenvielfalt

Draht-Schmiele, Hainsimse und Waldmeister sind Begriffe, bei denen viele Bewohner der Nelkenstadt wohl Schwierigkeiten haben, ein Bild einer konkreten Pflanze hervorzurufen, geschweige denn sie mit ihrem Stadtforst in Verbindung zu bringen. Trotz der aktuellen Problemlage bieten die Wälder bei Blomberg aber seit vielen Jahren einen wichtigen Rückzugsort für etliche Tier- und Pflanzenarten. Hohltauben, Wildschweine, Hirschkäfer, Brombeeren und Orchideen teilen sich die verschiedenen Höhenschichten des Waldbestandes. Das Gebiet wird zur Zeit von drei verschiedenen Eigentümern verwaltet: Der Landesverband Lippe, die Stadt Blomberg und Fürst Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe besitzen jeweils Teile des 562 Hektar großen Naturschutzgebietes.

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