So geht es der Landgastronomie im lippischen Südosten

Jost Wolf und Freya Köhring

  • 0
Köterberg-Wirt Florian Brand reicht am Kiosk eine Cola und eine Bockwurst durchs Fenster. Dass heute wenig Gäste da sind, liegt an Sturmtief Eugen, das um die Ecken des Köterberghauses pfeift und nicht am Coronavirus. Seniorchef Rudolf Brand steht trotzdem mit dem Zollstock parat, um die Einhaltung der Mindestabstände der Gäste zu überprüfen. - © Jost Wolf
Köterberg-Wirt Florian Brand reicht am Kiosk eine Cola und eine Bockwurst durchs Fenster. Dass heute wenig Gäste da sind, liegt an Sturmtief Eugen, das um die Ecken des Köterberghauses pfeift und nicht am Coronavirus. Seniorchef Rudolf Brand steht trotzdem mit dem Zollstock parat, um die Einhaltung der Mindestabstände der Gäste zu überprüfen. (© Jost Wolf)

Blomberg/Schieder-Schwalenberg/Lügde. Wie geht es der Gastronomie im lippischen Südosten in diesen schwierigen Zeiten? Wer hat eine Nische gefunden? Wer kann nicht mehr lange durchhalten? Was müsste besser werden? Die LZ hat sich umgehört.

„Wir sind zufrieden", sagt Rudolf Brand, Seniorchef des Köterberghauses. Das Virus hat die Frohnatur des 86-jährigen „Mister Köterberg" nicht brechen können. „Wir hören überall, dass es schwierig ist. Bei uns nicht", sagt er. Natürlich müsse das Lokal geschlossen bleiben, „aber wir haben einen großen Platz, einen Kiosk und immer ein bisschen Wind." So würden die Gäste mit Würstchen, Cola, Käse- und Apfelkuchen bewirtet. „Sie halten sich auf der Wiese oder auf dem Platz auf und wenn die Abstände nicht stimmen, gehe ich mit dem Zollstock rum", sagt Brand. Die Zahl der Motorradfahrer sei geringer als üblich – was wegen der teilweisen Ausgangssperren nicht verwunderlich sei. „Aber das Geschäft ist da und das ist die Hauptsache."

Tote Wochentage

Mit stark reduzierten Öffnungstagen schlägt sich das Blomberger „Adria Restaurant" durch die Corona-Zeit. „Normalerweise haben wir nur Dienstag Ruhetag, aber montags und mittwochs ist gar nichts mehr los", sagt Lenche Stojanoska. „Teilweise haben wir nur sechs Essen verkauft. Vielleicht warten die Menschen, dass sie wieder zu uns in Lokal kommen können?" Auch psychisch macht der Lockdown der Küchenchefin zu schaffen. „Ich vermisse den Kontakt mit den Gästen. Die Rückmeldung. So ist das Kochen wie bei einem Imbiss."

Catering anzubieten sei leider keine Lösung, sagt sie. „Es dürfen sich ja auch zu Hause nicht viele Menschen versammeln." Auch falls die Außengastronomie wieder öffnen dürfte, bliebe es schwierig. „Wir haben nur vier Tische draußen, weil die Gäste nicht so gerne direkt an der B1 sitzen." Aber da müsse man nun halt durch. „Hauptsache ist, dass alle gesund bleiben."

Ein positives Zwischenfazit zieht Norbert Lange vom Landhaus Schieder: „Insgesamt dürfen wir uns nicht beschweren. Das was läuft, läuft auch gut." Wohnmobildinner sowie der Hol- und Bringservice würden gut angenommen und auch geschäftliche Übernachtungen gebe es wieder, natürlich unter Hygieneauflagen. „Es lässt sich aushalten. Wir sind nicht pessimistischer geworden", fasst er zusammen. Lange blicke jetzt optimistisch in den Herbst. „Erste Buchungen für den Silvesterurlaub gibt es schon", so der Hotelbetreiber. Dennoch laute die Devise immer noch abwarten.

Hotel bringt etwas Einnahmen

„Abwarten" ist auch das Motto der Weinstube Reblaus in Hagendonop, die derzeit komplett geschlossen hat. „Wegen unserer Lage weit ab vom Schuss und der gehobenen Küche kommt ein Außer-Haus-Geschäft nicht in Frage", sagt Patricia Hinder, deren Lebensgefährte Gerald Dräger das Lokal betreibt. Der dünne Flammkuchen-Teig speicher die Wärme nicht, selbst Pommes müssten für einen Lieferservice anders zubereitet, ein Schnitzel anders paniert werden.

Dazu kämen die Spritkosten. „Zum Glück habe ich noch meine Arbeit und durch das Appartement-Hotel, in dem derzeit hauptsächlich Monteure und Handwerker wohnen, haben wir noch Einnahmen." Durch die in den Hotelzimmern integrierten Küchen, biete das derzeit sogar einen Vorteil gegenüber einer normalen Hotelunterkunft. „Weil ja auch Hotelgäste nicht bewirtet werden dürfen." Die Reblaus-Servicekraft sei in Kurzarbeit, im Lokal werde ein bisschen renoviert. Ganz selten gebe es Catering-Anfragen, wenn sich zwei Haushalte zu Hause träfen.

Seit November hat der Schwalenberger Malkasten nun komplett geschlossen und bleibt es auch vorerst. "Wir haben schon Anfragen von Dänen und
Holländern erhalten, wann es wieder losgeht, doch dazu können wir im Moment noch nichts sagen", berichtet Inhaberin Diane Vandieken über die schwierige Situation. Es geben keine Aussagen, keine Daten. Dennoch sagt sie optimistisch: "Sobald es stabil wieder losgehen kann, freuen wir uns auf unsere Gäste und sind wieder für sie da."

Lieferdienst weniger gefragt

Dirk Köchling, Betreiber des Westfälischen Hofs in Lügde, hat langsam genug von der aktuellen Situation. Ebenso wie seine Gäste, so sein Eindruck. Das Restaurant bietet einen Lieferdienst an. „Das ging erst stark los. Man merkt nun aber, dass es langsam abflaut", sagt der Betreiber und ergänzt:

„Es ist nicht dasselbe, als wenn man das Essen schön auf einem Teller anrichten kann." Köchling befürchtet, dass es noch mehr nachlassen wird, wenn das Nachbarland Niedersachsen demnächst erste Öffnungen erlaube. Er hofft daher, dass auch er möglichst bald wieder öffnen darf. „Ich erwarte nicht, dass es gleich wieder voll losgehen kann, aber wenigstens ein bisschen."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare