Sommerbühne lockt Musik-Fans nach Detmold

Zuhörer tanzen zu südamerikanischen Klängen

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Tanzbar: Das ist die Musik von La Yegros aus Buenos Aires, die südamerikanische Klänge mit elektronischen Beat-Elementen mischt. - © Foto: Beckschäfer
Tanzbar: Das ist die Musik von La Yegros aus Buenos Aires, die südamerikanische Klänge mit elektronischen Beat-Elementen mischt. (© Foto: Beckschäfer)

Detmold. Verträumt, einschläfernd, mitreißend: Der Auftakt der Sommerbühne war kontrastreich. Cathrin Pfeifer und Levantino haben beschauliche Weltmusik gespielt, Habib Koité und La Yegros zum Tanz aufgefordert.

"Das ist ein seltenes Erlebnis in Detmold, dass eine Gruppe so komplett den Funken überspringen lässt", kommentiert eine Zuschauerin den Auftritt von La Yegros am Samstag. "Eigentlich gehen die Menschen vorne immer voll mit und die in den hinteren Reihen verhalten sich stur lippisch, komme was wolle…", erläutert sie ihre Eindrücke.

Mariane Yegros  aus Buenos Aires hat diese – wohl eher klassisch mitteleuropäische denn exklusiv lippische – Verhaltensweise weitestgehend aufgebrochen, und es geschafft, tatsächlich auch in jene Bereiche des Marktplatzes Bewegung zu bringen, in denen üblicherweise mit verschränkten Armen und ernster Miene zugeschaut wird.

Ihre Musik, eine selten gehörte Melange südamerikanischer Klänge mit elektronischen Beat-Elementen, ist fraglos tanzbar. Hauptverantwortlich für die wahrlich mitreißende Wirkung ist indes eher das Auftreten sämtlicher Musiker auf der Bühne. Die geben nämlich nicht nur schlicht ein Konzert, die feiern auf den Brettern selbst eine ausgelassene Party und vermitteln der Menge so die Illusion, vorübergehend ins wilde Nachtleben der argentinischen Hauptstadt einzutauchen. Da ist es durchaus stimmig, dass die Zugaben im Anschluss mit dem spanischen Begriff "Otra" gefordert werden, intoniert von Studenten mit südamerikanischen Wurzeln, die den Großteil der "Tanzfläche" unmittelbar am Bühnenrand bevölkern.

Ähnlich erfolgreich war schon der Auftritt des Afrikaners Habib Koitè verlaufen, der am Vorabend mit Afro-Groove in hoher Geschwindigkeit und virtuos eingeschobenen Flamenco-Ausflügen das Publikum restlos begeisterte. Auch hier folgten die Zuhörer der Aufforderung zum Tanz, selbst auf der Rathaustreppe hielt es die Menschen am Ende nicht mehr auf ihren zuvor hart erkämpften "Sitzplätzen".

Weniger einmütig wurden derweil die jeweils eröffnenden Auftritte von Levantino (Freitag) und Cathrin Pfeifer & Band (Samstag) aufgenommen. "Langweilig!", lautete ein Zuruf aus dem Publikum, der den vertrackten und entsprechend wenig zugänglichen Klezmer-Jazz-Kompositionen Levantinos galt, während Pfeifer am Folgetag auf dem Akkordeon gegen die ungebrochene Geräuschkulisse anspielen musste, die sich aus den Gesprächen der Menschen ergab. Dass beide Acts ihre jeweilige musikalische Landschaft absolut virtuos bespielten, interessierte nur einen kleinen Teil der Zuschauer. Die Mehrheit war offenbar gekommen, um sich von solch treibenden Klängen davontragen zu lassen, wie sie Koité und La Yegros geboten haben.

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