Stadt Detmold sucht neue Streitschlichter

Die Schiedspersonen Walburga Berghahn und Werner Klaas beenden ihre Amtszeit

Freya Köhring

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Suchen zwei Nachfolger für das Ehrenamt: Bürgermeister Rainer Heller (links) und Olaf Stölting vom Fachgebiet Bürgerberatung, Ordnungs- und Standesamtsangelegenheit (hinten) mit den aktuellen Schiedspersonen Werner Klaas und Walburga Berghahn - © Vera Gerstendorf-Welle
Suchen zwei Nachfolger für das Ehrenamt: Bürgermeister Rainer Heller (links) und Olaf Stölting vom Fachgebiet Bürgerberatung, Ordnungs- und Standesamtsangelegenheit (hinten) mit den aktuellen Schiedspersonen Werner Klaas und Walburga Berghahn (© Vera Gerstendorf-Welle)

Detmold. Sie setzen sich mit störend grillenden Nachbarn, zu hohen Bäumen und ähnlichem auseinander: Schiedspersonen versuchen, Streitfälle zu beenden, bevor sie eskalieren. Die Stadt Detmold sucht nun neue Leute dafür.

„Eine Schiedsperson ist kein Richter. Sie hilft dabei, Streit zu schlichten“, erklärt Schiedsmann Werner Klaas das Ehrenamt im Auftrag der Stadt Detmold. Dabei handelt es sich vielfach um Konflikte zwischen Nachbarn, die sie selbst nicht lösen können oder wollen. Schiedspersonen sind überdies zuständig für kleinere Delikte, wie Beleidigung, einfache Körperverletzung oder Sachbeschädigung.

Information
Informationen gibt es bei Olaf Stölting unter  05231-977536 oder per E-Mail an: o.stoelting@detmold.de.

Oft geht es um Bäume und Hecken, die zu nah an der Grundstücksgrenze wachsen, um stinkende Komposthaufen, zu laute Tiere und natürlich um den geliebten Grillabend. Nicht immer gelingt eine Schlichtung. Dann wandern die Streitigkeiten vor Gericht. In mehr als 50 Prozent der Fälle komme es aber zu einer Lösung.

Die Schlichtungen finden meistens bei den Schiedspersonen statt – was für die Amtsinhaber in Ordnung ist. Werner Klaas weiß aus Erfahrung: „Man muss die Streitparteien vom Ort des Geschehens wegziehen, dann kochen die Emotionen nicht so hoch.“ Sowohl Walburga Berghahn als auch Werner Klaas ist während ihrer Amtszeit aufgefallen, dass die Streit- und Gesprächskultur immer mehr zu wünschen übrig lasse. „Die eigenständige Schlichtung wird weniger“, sagt Klaas. Dabei seien manche Lösungen ganz einfach, indem der Grill zum Beispiel an einen anderen Platz komme.

Zwischen 15 und 17 Fälle betreuen die Streitschlichter im Jahr. Besonders viele sind es im Frühjahr, zur Grillsaison und im Herbst. Walburga Berghahn kommt auf 450 protokollierte Angelegenheiten und rund 600, die „zwischen Tür und Angel“ geregelt werden konnten.

Nach 15 und 12 Jahren Amtszeit beenden nun die Schiedspersonen ihr Ehrenamt. Dementsprechend sucht die Stadt Detmold zwei Nachfolger für diese wichtige Aufgabe, wie Bürgermeister Rainer Heller betont. Diese müssen bestimmte Eigenschaften mitbringen. Sie müssen in dem entsprechenden Schiedsamtsbezirk wohnen. Zum ersten Bezirk gehören die Ortsteile Berlebeck, Detmold-Süd, Heidenoldendorf, Heiligenkirchen, Hiddesen, Pivitsheide VL und VH. Der zweite Bezirk umfasst die restlichen Ortsteile.

Bei Amtsantritt soll der Bewerber mindestens 30 Jahre alt und nicht älter als 70 Jahre sein. Er oder sie darf zudem keinen Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis oder bei der Schufa haben. Die neuen Schiedspersonen erhalten spezielle Lehrgänge. Dazu zählt eine Einführung, Hintergrundwissen über Nachbarschafts- und Strafrecht sowie ein Kursus in Sprachpsychologie, also wie Schlichter mit Menschen ins Gespräch kommen können. Bewerbungsschluss ist Ende Juni.

Interview mit Schiedsfrau Walburga Berghahn

„Der Nachfolger muss gut zuhören können“

Detmold. Walburga Berghahn ist seit 15 Jahren Schiedsfrau und zuständig für Berlebeck, Detmold-Süd, Heidenoldendorf, Heiligenkirchen, Hiddesen, Pivitsheide VL und VH. Im Dezember endet ihre Amtszeit. Mit der LZ sprach sie über ihre Tätigkeit.

Was ist das Spannende am Schiedsamt?

Walburga Berghahn: Oft steckt hinter einem Streit eine ganz andere Ursache. Meist ist im Vorfeld schon etwas vorgefallen, so wie eine Nicht-Einladung zu einer Feier. Ein herüberhängender Ast bringt das Fass dann zum Überlaufen. Spannend sind auch die Angelegenheiten, die man noch nicht kennt. Einen Grill kennt jeder, aber wie ist es mit einem Räucherofen im Garten?

Was ist Ihr Ziel, wenn Sie in einem Streit schlichten?

Berghahn: Für mich ist natürlich besonders wichtig, dass sich beide Parteien vergleichen, diesen Vergleich unterschreiben und – im Idealfall – sich die Hand geben, im Alltag wieder miteinander reden und künftige Unstimmigkeiten bei einer Tasse Kaffee regeln. Wenn sie das nicht tun, ist schließlich alles umsonst gewesen.

Was hat sich während ihrer Amtszeit bei den Fällen verändert?

Berghahn: Als ich anfing, kamen nur die Antragsteller und Antragsgegner. In den letzten Jahren kommt es häufiger vor, dass sich beide Parteien einen Rechtsanwalt nehmen. Das fand ich anfänglich ungewohnt, inzwischen aber nicht mehr. Im Klagen werden die Leute immer mutiger. Die Bereitschaft, einer Schlichtung zuzustimmen, hat leider abgenommen.

Gibt es Begebenheiten, an die Sie sich besonders erinnern?

Berghahn: Das sind so viele. Ich hatte es einmal mit einem Stalker zu tun und einmal mit einer älteren Frau, die nicht glauben konnte, dass ihr jüngerer Freund sie nicht heiraten wollte, obwohl er lange bei und von ihr gelebt hatte. Ich kann mich auch an eine Mutter erinnern, die ihre Schwiegertochter überhaupt nicht leiden konnte und handgreiflich wurde. Es ist aber nicht immer nur ernst. Manche Fälle sind auch witzig.

Was würden Sie Ihrem Nachfolger, Ihrer Nachfolgerin raten?

Berghahn: Der Nachfolger muss gut zuhören können und viel Geduld sowie Zeit mitbringen. Zudem ist ein Gefühl dafür wichtig, wie man eine Angelegenheit so wenden kann, dass sich am Ende beide Parteien wenigstens wieder grüßen.

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